Nichts ist unmöglich!

Ich kann es kaum glauben.
Neulich kaufte ich mir ein Taschenbuch, irgendeinen historischer Roman.
Da ich ja nach wie vor mit dem üblen Larvenbuch zu kämpfen habe, legte ich meine neu erstandene Errungenschaft zunächst beiseite.
Gerade schaute ich mir das Buch näher an und ich fiel fast um.

Am unteren Coverrand befindet sich WERBUNG.
Plumpe, oberplumpe, deplazierte Werbung:


Nokia connecting people

steht auf meinem Buch und ich finde das sowas von das Allerletzte.
Nun bin ich ja grundsätzlich eher ein wenig sehr pingelig was Bücher angeht, aber bitteschön was hat Nokia Werbung auf dem Cover verloren?

Wenn schon Werbung auf dem Buch, dann aber doch bitte dezenter und auf der Rückseite oder weißderhenker wo, aber doch bitte nicht fett und plump auf dem Cover.
Und wenn schon Werbung, dann doch bitte etwas buch- oder titelgemäßes, aber so, neee, so kann ich mich damit nicht anfreunden.

Ich meine, es grenzt eh schon an eine Frechheit für Taschenbücher diese horrenden Preise zu nehmen, aber ist okay, das zahle ich gerne für ein gutes Buch.
Aber die Werbung stört mich jetzt doch.

Ich hätte bitte gerne nokiabefreite Bücher!
Und nicht so eine blätterbare Litfaßsäule.


augenBloglich 11.08.2006, 19.55| (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Zeitgeschehen

Kaum zu glauben!

Ich gehöre also zu jenen Müttern, die sich gleich von Anfang an bei der Lehrerin des eigenen Kindes beliebt machen, weil sie nicht klar kommen......
Tausendmal habe ich mir die drei Abholzeiten der Ganztagsschule notiert.
Selbstverständlich war ich mir sicher, ich hätte mir diese drei popeligen Zeiten gemerkt.
Ich meine, es waren drei einfache Zeiten. Keine bionomische Formel, einfach nur drei Zeiten.
Ich schrieb also Lenas Lehrerin einen kurzen Brief, in dem ich erklärte, dass Lena jeden Tag bis 15 Uhr in der Betreuung bleiben soll.
So weit, so gut.

Heute früh ereeilte mich dann ein Anruf in der Schule.
Die von mir gewünschte Abholzeit gibt es gar nicht.
Meine Gesichtsröte wird höchstwahrscheinlich durchs Telefonkabel ans andere Ende der Leitung gekrabbelt sein.

Mein Verständnis für alle nichtklarkommenden Mütter wächst.

augenBloglich 11.08.2006, 14.24| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke

Schulkind

"Mama, ich hätt ja schon gedacht, dass meine Lehrerin nett ist. Aber Mama, dass sie soooo nett ist, also das hätt ich, also das hätt ich wirklich dann nicht gedacht. Mama, wir durften nämlich sogar einfach reden in der Klasse und die hat gar nicht geschimpft! Mama, die ist gar nicht streng. Richtig nett ist die. Also das hätt ich nicht gedacht. Mama, was meinst du, lernen wir in zwei Tagen Lesen? Also DIE Lehrerin, Mama, ich glaub, die bringt uns das schnell bei."









augenBloglich 10.08.2006, 19.44| (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Einschulung

Seit nunmehr zwölf Jahren habe ich jedes Jahr aufs Neue eine Einschulungsfeier mitgemacht. Mal als Aktive, die mit der eigenen Klasse den I-Männchen etwas vorgeführt hat, mal als aufgeregt wartende Erstklasslehrerin, die es nicht erwarten konnte, ihre neuen Schützlinge zu sehen und mit in die Klasse zu nehmen.

Das Gefühl, das eigene Kind einzuschulen ist ein ganz anderes.
Die Spannung, die mich beherrscht hat wenig mit den Feierlichkeiten und dem morgigen Tag zu tun.
Viel mehr mit den Fragen, wie wird meinem Kind die Schule gefallen und wie wird es die "Schule schaffen"?

Wir wissen noch nicht, wer Lenas Klassenlehrer oder -lehrerin sein wird.
Im Grunde spielt das auch eher eine untergeordnete Rolle, denn es gibt zu viele andere Faktoren, die darauf einwirken, ob Lena gerne zur Schule gehen wird oder nicht.

Seit Tagen zählt sie die noch zu schlafenden Nächte. Sie kann es kaum erwarten endlich ein Schulkind zu sein......

Gemeinsam haben wir heute das Material beschriftet und geübt, die Sachen richtig im Tornister zu verstauen.

Bleibt mir noch, die Schultüte zu packen und alles  für morgen früh bereit zu legen.

Es ist aufregend, die andere Seite kennenzulernen. Und ich bin mir sicher, es wird hilfreich sein!

augenBloglich 09.08.2006, 19.25| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke

Der Larvenverdacht

Dieses Buch ist schuld.
Genau das versuche ich meinen mich umgebenden Mitmenschen klar zu machen, aber alles, was sie sehen wollen, ist eine hysterische Frau, die hektisch zu winken und mit den Armen zu flattern beginnt, wenn auch nur die kleinste müde Stubenfliege sich ihr auf 3 Metern nähert.

Ja, diese Menschen haben gut Lachen. Sie haben ja auch nicht vor Ekel erschaudernd jene realistisch geschilderte Stelle in einem ansonsten müden Buch gelesen, die mich nun seit drei Tagen verfolgt.

Okay, die Handlung spielt in Mexiko, wie der Name des Buches auch direkt preisgibt.
"Das Mayaritual" ist kein Werk von großartiger Brillanz, aber, Passagen des Buches verfolgen mich in meine tiefsten Alpträume.

Man stelle sich nun aber auch mal folgende erquickende Szene vor.
Frau sagt zu Mann: "Du, ich hab hier eine dicke Beule."
So weit so gut.
Mein Mann würde das jetzt erstmal nicht für so außergewöhnlich ansehen, da ich ständig irgendwo dicke Beulen mit mir herumtrage, mangels motorischer Ungeschicklichkeit meinerseits.
Würde ich dann noch behaupten: "Die Beule wandert!" würde er mich irritiert anschauen und ein fortgeschrittenes Gaga-Syndrom diagnostizieren.

Ich aber weiß ja nun, dass es in Mexiko (warum also nicht auch hier?) diese gemeine Pferdebremse gibt, die, wenn ich das richtig voreinander bekomme, ihre Eier auf Moskitoweibchen (oder waren es Männchen?) setzt.
Jene Moskitos aber nun - die ja auch rasch mal von Mexiko hierherfinden könnten - stechen nun - beispielsweise - einen Menschen.
In die winzig kleine Stichwunde kullern nun die noch winzigeren kleinen Eierchen der gemeinen Pferdebremse und fristen nun unter menschlicher Haut ihr Dasein.

Die kleinen Eierchen bleiben aber nun gar keine kleinen Eierchen, sondern es schlüpfen kleine Larven heraus, die sich erstmal unter der Haut dick und fett fressen und natürlich bewegen.

Jetzt mal bitte!
Eine eklige Larve unter meiner Haut, die mich von innen beknabbert. Bah, wen es da nicht schaudert.
Nun nehmen wir mal an, der Autor siedelt diese bewegliche Beule (man schlussfolgere: erst Ei, dann Larve) als kleine Stirnbeule an eine weibliche Stirn an.

Ich habe hin und wieder auch schonmal Stirnbeulen. Nein, ehrlich. Und wenn die anfangen, sich zu bewegen, kann ich sicher sein, dass sich so eine eklige Larve an mir gütlich tut.

Im schlimmsten Falle, so der Autor, wächst die Beule und wächst und man schubbert sich und wundert sich und mit einem Mal - knall - platzt das Teilchen auf und heraus fliegt eine riesengroße, bläulich schimmernde Pferdebremse.

Ich meine, es ist doch nicht verwunderlich, dass ich nun, nach Lesen dieser detaillreich und plastisch geschilderten Passage, jeden Fliegenfurz näher betrachte, oder?

Sicher, wahrscheinlich hat sich der Autor da gewagte künstlerisch-biologische Freiheiten erlaubt, aber weiß man's denn?

Ich persönlich hätte jetzt ungern so eine Fliegenlarve unter der Haut, die sich von meinen abgestorbenen Zellen - oder was immer sie da vorfinden mag - ernährt und hin und her kraucht und weißderdeibel was treibt.

Und so ein bisschen Armwedeln mag zwar durchaus befremdlich und merkwürdig anmuten, aber in gewisser Weise ist es ja sogar eine Art von Sport.
Oder so.

augenBloglich 04.08.2006, 15.51| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke

Ich hasse Epiloge!

Ich lese nie wieder ein Buch mit Epilog. Genau das habe ich mir gestern Abend geschworen und genau daran werde ich mich ab sofort halten.

Jedem Buchkauf wird der Blick auf die letzten Seiten vorangehen. Entdecke ich auch nur den kleinsten Ansatz, sozusagen den Hauch eines Epilogs, pfeffere ich das Büchlein weit von mir.

Man erinnere sich, im vergangenen Sommer schon musste ich mich an dieser Stelle hier ein klein wenig über Herrn Schätzing aufregen.
Da lässt der Mann einen seiner durchaus zahlreichen  Protagonisten in eine verflixt teuflische und aussichtslose Lage geraten, bringt die Leser nicht nur zur schieren Mitverzweiflung, nein, lässt sie nägelnknabbernd und sabbernd vor Furcht vergehen, nur um besagten Menschen dann ein klein wenig aus dem Blick zu verlieren und irgendwann nach hunderten Seiten einen kleinen, lapidaren Epilogsatz einfließen.
So nach dem Motto:
Ach ja, da war ja noch der XY, richtig, den hab ich bei den Haien ja ganz vergessen. Ach Gott, ja, aber alles ging gut weil.....

Also das, was Herr Schätzing da getrieben hat, das war ja schon durchaus grausam.
Aber jetzt, jetzt las ich ein Buch von Herrn Paul Carson. "Herzalarm" hieß es und ich weiß nun auch genau warum: Mein Herz raste nonstop. Ich vergaß mich, meine Familie, mein Leben.
Mit dem Buch vor dem Gesicht wandelte ich zwei Tage lang durch die Gegend, ignorierte meine Mitmenschen, vernachlässigte meine hungrigen Kinder, nahm das Buch mit zur Toilette, ins Bett, auf den Balkon, zum Mülleimer....
Das Buch und ich waren sozusagen EINS.
Ich lebte also mit dieser Familie in dem Büchlein. Litt mit ihnen, hoffte mit ihnen, lachte mit ihnen, fieberte für sie. Bibberte um sie, raufte mir die Haare, knabberte meine Nägel, seufzte und zitterte, bangte und hoffte.

Seite um Seite verschlang ich diesen spannungsreichen Thriller, konnte nicht aufhören zu lesen. War wie gebannt.

Und dann das.

Schlimm genug, dass das Buch irgendwann mal ausgelesen und zuende ist. Nein, Herr Carson treibt es auf die Spitze. Er ist - Herrn Schätzing sehr ähnlich - auch so ein oller Epilogschwätzer.

"Ach je, jetzt wollen Sie wohl noch wissen wie es weitergeht?" scheint er seine Leserschaft förmlich zu verhöhnen. "Tja, tut mir Leid. Ich geh jetzt zum Mittag. Machen wir es also kurz. Schreiben wir ein kleines Epilögchen!"

Also liest man kurz und bündig, dass die Mitleidefamilie das Land verlässt und hier und dort neu anfängt.
Das Kind hat psychische Probleme. Ein Baby kommt.
Zack fertig.

Ähhhhh? Epilog, ja?
Es ist eher, als schrieben diese Autoren und schrieben. Schrieben sich in Wallung und Hysterie. In wahre Leidenschaft. Schrieben bis zum ergüsslichen Höhepunkt, nur um sich dann - sehr realitätsnah - umzudrehen, Päuschen zu machen, einzuschlafen.

"Schatz, das schöne Ende denk Dir doch einfach!"

Oder so ähnlich.
Bücher mit Epilog?
Nicht mehr mit mir.


augenBloglich 01.08.2006, 14.14| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

von Arzt zu Arzt

Während der HNO Arzt zufrieden auf Sophias Paukenröhrchen schaute und uns erst in drei Monaten wiedersehen mag, war der Orthopäde gerade eben nicht so zufrieden mit der Entwicklung ihrer Schienbeinrotation.
Der dritte Arzt jedoch war dann wieder zufrieden, was mich irritierte.
Es war der Augenarzt und er meinte, es sei alles klar und im Laufe der Zeit käme alles wieder ins Lot.
Auf meine Frage, wann wir denn wieder zur Kontrolle kommen müssen, wurde mir erklärt gar nicht mehr.
Es drehten sich mir zahlreiche Fragezeichen vor Augen, da Sophia zwar Schemen und Schatten wahrnehmen kann, aber weit davon entfernt ist mit dem linken Auge wieder "richtig" zu sehen.
"Nein, das heilt aus! Wir kontrollieren nicht weiter!", wurde mir auf meine Nachfrage noch einmal mit Nachdruck erklärt.
Nun freue ich mich natürlich darüber, dass der Arzt das so positiv beurteilt, aber ganz naiv wäre ich doch jetzt davon ausgegangen, dass man das hin und wieder mal kontrollieren lässt.
???

augenBloglich 01.08.2006, 14.00| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

ein junger Mann

Gerade, als ich in einer sehr großen Ladenkette eine Kundenkarte beantragt habe, begab sich folgendes:

"Möchten Sie für Ihren Mann auch eine Karte?"

"Ja, gerne!"

"Wie alt ist denn ihr Mann?"


[Kurzer Einschub: Ich weiß grundsätzlich schon nie, wie alt ich bin, geschweige denn wie alt mein Mann ist!]

Spontan sage ich: "26!"

"Das dauert jetzt ein wenig, gehen Sie ruhig schon einmal in den Markt!"
werde ich aufgefordert und mir schwant, dass mein Mann doch wohl keine 26 mehr sein kann.
26, so fällt es mir siedendheiß ein, war ein gerade als wir uns kennenlernten und das war 1999.

Wahrscheinlich hat die Dame sich gedacht: "Wie kommt die Frau an einen so jungen Mann!"
Zumindest starrte sie mich nicht offenen Mundes an.

Es wäre mir ein wenig peinlich gewesen, zurückzugehen und zu erklären:

"Ach, wissen Sie mein Mann ist doch nicht 26, ich hab mich da vertan,. er ist schon 33."

DANN wäre ich bestimmt erstrecht dumm angeguckt worden.
Da halt ich mir doch lieber meinen Mann jung.




augenBloglich 28.07.2006, 13.31| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

Kindermund

"Boah, Mama, warum darf der Mann laut pupsen und wir nicht?" erkundigt sich meine Tochter gerade eben lautstark.
Vor uns geschätzte fünf Menschen, hinter uns geschätzte zehn Menschen an der Kassenschlange im Supermarkt.
Schön, wenn so alle Augen auf einen gerichtet sind.
Wahrscheinlich bin ich ebenso rot geworden, wie besagter Mann.

augenBloglich 27.07.2006, 15.08| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Nachhilfe durch Scientology

Immer häufiger lese ich Warnungen davor, dass Scientology die deutsche Nachhilfe Szene untergräbt.
Eine der Meldungen las ich gerade in der Netzzeitung:

Philologen warnen vor Scientology Nachhilfe

Gibt man die Stichworte: nachhilfe+scientology bei google ein, erhält man erschreckend viele Ergebniss.
Das, was man dann liest, liest sich nicht wirklich gut.


augenBloglich 27.07.2006, 13.22| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Zeitgeschehen

alltäglicher selbstverständlicher Luxus

Schon vor Tagen lag ein kleiner Zettel in unserem Briefkasten, dass man aufgrund dringender Reparaturarbeiten am heutigen Mittwoch von 8.00 bis 11.00 Uhr den Strom in unserer Straße abstellen müsste.
Ich war also vorbereitet.

Gegen halb neun hörte dann auch der Staubsauger auf zu saugen.
Kein Problem - ich wusste ja warum.
Also duschte ich erstmal.
Als ich anschließend zum Föhn griff, ging dieser nicht.
Ach ja, kein Strom.

Gut, bügle ich eben die Wäsche.
Ach ja, kein Strom.

Mir wurde klar, wie selbstverständlich dieser Luxus STROM geworden ist und wie wenig ich darauf achte, wieviele meiner Tätigkeiten steckdosengesteuert sind.

Den Höhepunkt habe ich mir aber dann damit geleistet, dass unsere Mädel draußen spielen durften und ich erklärte, sie sollen anklingeln, wenn was sei.....

Nach einer Stunde wollte ich mal schauen, was die beiden so draußen machen.
Ich öffne die Haustür und zwei bitterlich weinende Kinder fallen mir in die Arme:

"Mama, wir haben schon so oft geklingelt, Du bist nicht gekommen!"

Ach ja, kein Strom.
Mein schlechtes Gewissen schlug Purzelbäume, auch wenn die Mädel sich rasch beruhigten.
Natürlich hätten sie nur rufen müssen, alle Fenster waren geöffnet, ich hätte sie sofort gehört, aber natürlich kommt man als Vier- und Sechsjährige nicht unbedingt darauf, wenn man ängstlich darauf wartet, dass Mutter die Tür öffnet.

Irgendwie ist häusliches Mitdenken augenblicklich nicht unbedingt meine Stärke.


augenBloglich 26.07.2006, 11.37| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

dick gleich lustig

Heute im Freibad sprach mich eine andere Kindergartenmutter an, die ich hin und wieder bei meinen sporadischen Besuchen im Fitnessstudio sehe:

"Hey!", sagte sie fröhlich "Wann kommste denn mal wieder in einen Kurs. Ist immer so lustig wenn du da bist!"

Mit lustig kann sie schonmal nicht meine Konversation gemeint haben, denn zu dieser bin ich in sämtlichen Kursen erst gar nicht in der Lage.
Dass es allerdings lustig mit anzusehen ist, wie ich Sportlegastheniker grundsätzlich nicht im Rhythmus mal nach hierhin und nach dorthin schwitze. Mich nach oben recke, während alle bereits am Boden liegen, ich am Boden liege, während alle bereits wieder nach oben steppen - das - ja, das kann ich mir dann doch sehr gut vorstellen.

"Ich finds gut, wenn Dicke was tun!" fügt sie hinzu und "Kannst aber eigentlich bleiben wie Du bist, bist echt lustig!"

Ich frage mich, warum die Gute nicht einfach dreißig Kilo zunimmt und dann selber mal "so lustig" ist und überlege, ob das nun ein zweifelhaftes Kompliment ist oder eher gar keins.

"Neee, aber wirklich. Komm mal wieder. Wird Zeit!"

Egal wie sie das gemeint hat.
Sie hat Recht!

augenBloglich 25.07.2006, 19.49| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: körperlich

gut gewässert

Ich bin ja nun bekanntermaßen ein Bewässerungsmuffel. Meine Blumen leiden immer sehr und nicht wirklich viele überleben.
[Im Grunde nur die, die monatelang ohne Wasser auskommen, um dann drei Tage lang zu versumpfen!]

Wie auch immer.
Vor unserer Haustür hängt so ein armes Würstchen von Blümchen.
Selten bekommt es Wasser, aber heute hatte selbst ich ein gewisses Mitleid und begab mich mit einer übervollen Gießkanne nach unten.

Ich goss also brav meine Blümchen, als ein Nachbar vorbei kam und mich ansprach.
Der Nachbarschaftstratsch hatte das mit Sophias Auge zu ihm getragen.

Ich unterhielt mich recht nett, ohne zu merken, dass ich geistig anscheinend nicht recht auf der Höhe war.

"Warum gießen Sie denn Ihren Briefkasten!" fragt mich da der gute Mann und ich betete, ein Bodenloch möge sich auftun und mich schamhaft und blitzschnell verschwinden lassen.

Darf ich also vorstellen?
Ich bin also die Frau, die korrekterweise die Briefkastenklappe anhebt, ehe sie einen Schwall Wasser in selbigen Kasten schüttet.

augenBloglich 23.07.2006, 18.33| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

Lichtblicke

Die vorläufige Abschlussuntersuchung hat ergeben, dass keine weitere OP notwendig sein wird und wir hoffen dürfen, dass das Auge im Laufe der nächsten zwei Jahre ausheilt.
Und nun lad ich ein zum Mitjubeln......

:-)

augenBloglich 23.07.2006, 18.26| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

eine Woche

Heute vor einer Woche saßen wir im Klinikflur.
Eine Woche.
Kaum zu glauben.
Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen.

Eine Woche, um alles zu verarbeiten, um gelassener mit der Situation umzugehen und dem Auge Zeit zu geben.
Geduld hatte ich nie wirklich.

Heute, nach der Woche, hat Sophia erstmalig wieder etwas sehen können mit ihrem Auge!

Ich muss nicht schreiben, WIE erleichtert ich bin, oder?

Es fällt mir nun wesentlich leichter, geduldig zu sein.
Es fällt mir nun wesentlich leichter daran zu glauben, dass "alles wieder gut wird"!

AUFATMEN!

augenBloglich 22.07.2006, 10.37| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Postparkplatz 10.14 Uhr

Manchen Menschen scheint die Hitze nicht wirklich zu bekommen. Nicht, dass mir nicht auch schwummrig-dummrig zu Mute wäre, doch noch lasse ich das meine Mitmenschen eher weniger spüren.

Gerade während unsere Arzt- und Einkaufstour lockerte sich irgendwie Lenas Autositz und ich fuhr rasch mal auf den Postparkplatz um das zu richten.
Gähnende Leere auf dem Parkplatz, was mich als Einparkneurotikerin natürlich sehr freute.
Ich parkte folglich mittig, neben mir geschätzte 27 Parkplatze rechterhand frei, linkerhand noch einige mehr.

Dann krabbelte ich elegant hinter dem nach vorne geklappten Fahrersitz zu meiner Tochter, streckte - nicht minder elegant - mein Hinterteil und diverse Teile meiner Beine nach draußen und fummelte bei gefühlten 50 Grad am Sitz meiner Tochter herum.

Lautes Dauerhupen schreckte mich auf. Mein Kopf stieß heftigst an die Türkante, mein T-Shirt verkeilte sich noch schnell in irgendwelchen Gurtgehängseln, als ich endlich schauen kann, wer da neben mir dauerhupt.

Eine widerlich ungeschwitzte, voll und ganz durchgestylte junge Frau winkt mir heftigst.
Sollte ich die Dame kennen?
Ich - leider nicht ungeschwitzt - winke dennoch mal freundlich zurück.
Sie gestikuliert immer noch wild und immer wilder und ich fange an zu bemerken, dass sie wünscht, dass ich die Autotür schließe.
Da ich aber nun noch halbwegs zwischen Sitz und Hinterbank klemme und das mit dem Kindersitz noch nicht korrekt geregelt habe, wird das mit dem Schließen der Tür zu einem Problem.

Die Dame lässt ihr Fenster sinken:
"Würden Sie jetzt bitte endlich die Tür schließen?" faucht sie mich an und da mir das so gar nicht einleuchtet - man bedenke die überall freien Plätze - frage ich ganz nett:
"Warum?"

"Weil ich seit zehn Jahren immer genau in dieser Parklücke stehe. Seit zehn Jahren. Und zwar täglich um 10.15 Uhr."

Ich - noch mehr schwitzend als zuvor und mit einem Hals bis Timbuktu - erwidere:
"Nun, es ist nach meiner Uhr erst 10.14 Uhr und nach zehn Jahren wird es vielleicht mal Zeit für ein wenig Abwechslung im Alltag!"

Befriedigt ob dieser grandiosen Antwort, drehe ich mich zurück ins Wageninnere und höre die Dame laut keifen.

Erst als ich wieder auf dem Fahrersitz sitze, bemerke ich, dass besagte Dame sich direkt hinter mein Auto, praktisch mitten auf die Fahrbahn gestellt und mich somit dreist zugeparkt hat.
Nach vorne habe ich keinen Spielraum, setze ich zurück, fahre ich in ihre Front.
Natürlich ist die Dame nicht da. Ausgestiegen.

Ich ewäge kurzzeitig sie zu erwürgen, wenn sie wiederkommt, aber die immensen Temperaturen halten mich davon ab.
(Und die Tatsache, dass sie nicht wiederkommt!)

Rechts und links nach wie vor unzählbar viele freie Parkplätze.
Mir ist so nach Treten, Hauen, Beißen, Spucken, Fluchen, aber auch hier hindern mich Hitze und anwesende Kinder daran, die gedanklichen Vorsätze in Taten umzusetzen.

Sagen wir mal so, ich koche, ich tobe, ich schäume.
Die Dame kommt nicht zurück.

Also was machen?
Polizei rufen? Und die kommt dann, wenn die gute Frau gerade weggefahren ist?

In die Post gehen und die Dame anpöbeln sie möge doch mal schnellstmöglich ihren Wagen wegsetzen?

Den Wagen rammen?

Gut, das sind alles nicht wirklich gute Ideen, ich gestehe es.

Es ist heiß. Die Kinder quengeln. Ich rase mittlerweile vor Wut.
Langsam und gemächlich kommt die werte Dame da aus der Post geschritten.
Lächelnd. Selbstverständlich lächelnd. Das Lächeln einer Siegerin.
Ha, Dir habe ich es aber gezeigt - man kennt das ja.

Ich lächle auch.
Nämlich genau in dem Moment, in dem die Gute mit ihren 12 cm Stöckelschuhen in matschigen und klebrigen Asphalt hängen bleibt.
Schadenfreue überkommt mich. Fiese, mit nichts zu rechtfertigende Schadenfreude.

Als sie ihr Bein hebt, bildet sich ein langer eklig schwarzer Streifen, der von der Straße hoch zu ihrem Schuh führt.

Es gibt sie doch, die ausgleichende Gerechtigkeit, denke ich und schaue weiterhin genüsslich zu, wie Frau krampfhaft bemüht ist, sich vom Asphaltzeugs zu befreien. Wäre ich ein netter Mensch, würde ich ihr jetzt ein Taschentuch reichen.
Aber wer sagt denn, ich sei nett?

augenBloglich 21.07.2006, 11.24| (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

Sommer



"Mama, ich find Sommer ja ganz gut und so. Aber man schweißt dann immer so viel!"
 

augenBloglich 20.07.2006, 12.22| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

ein Morgen voller unschöner Wahrheiten

Nachdem unsere Logopädin heute erklärte, sie halte Sophia für ein normales, halt sehr dickköpfiges Kind, "um das einfach zu viel Bohei gemacht wird!", musste ich zunächst mal schlucken und dann einen Moment in mich gehen.
Das Fünkchen Wahrheit in ihren Worten erkenne ich durchaus und sobald die Zeiten ruhiger werden, gilt es, zu reflektieren.

Anderes echot mir im Kopf herum:

"Eine weitere Augen OP bleibt nicht auszuschließen!"  erklärte uns der Augenarzt, nachdem klar wurde, das Sophia links nach wie vor nichts sieht.

Bleibt die einzig positive Rückmeldung:
"Entzündet hat sich bislang nichts!"

Und auch wenn mir gestern noch deutlichst bewusst wurde, dass es uns vergleichsweise gut geht, buddle ich heute schon wieder ein kleines, feines, schwarzes Löchlein.

Vielleicht durchbrechen andere Schicksale einfach viel zu selten den Dunstkreis meines Lebens.


augenBloglich 20.07.2006, 11.56| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Post für Sophia

Heute brachte der Briefträger einen dicken hünsch beklebten Umschlag. Sophia erkannte direkt, dass ihr Name vorne drauf stand und freute sich ganz arg doll.
Mit dem Brief im Arm hüpfte sie durch die Wohnung und sang immerzu:

"Post für mich. Post für mich!"

Erst ihre große Schwester machte sie darauf aufmerksam, dass man den Brief ja auch öffnen könnte.....



Und nun freut sich Sophia nicht nur über diese niedliche Karte, sondern auch über ein spannendes Buch.

Und wir sagen herzlichen Dank in die Weiten der virtuellen Welt, die Sophia diese tröstende Post gesandt hat!

Danke

augenBloglich 19.07.2006, 10.58| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Stagnation

Obwohl die heutige Kontrolle nicht unbedingt positiv ausfiel und der Arzt ein wenig ratlos schien, hat sie doch unsere Situation in eine andere Relation gerückt.

Neben uns saß eine sehr junge Mutter, ihren drei Monate alten Sohn auf dem Arm.
Beide Augen abgeklebt, verbunden.

"Wissen Sie, ich würde gerne mit Ihnen tauschen!" erklärte mir die Mutter mit Tränen in den Augen.

Ihr kleiner Sohn hat einen Tumor.
Sehen kann er nichts.
Er ringt um's Überleben.

Und mit einem Male fühle ich mich schuldig und erkenne, dass wir weißgott nicht der Nabel der Welt sind und unsere Sorgen gering gegenüber denen anderer Menschen.

augenBloglich 19.07.2006, 10.52| (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

kindliche Gelassenheit



"Mama, wie dut, dass der liebe Dott mir zwei Augen demacht hat. Bestimmt, wenn eins mal kaputt deht!"
 

augenBloglich 18.07.2006, 15.14| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Zu früh gefreut?

Die heutige Kontrolle verlief nicht wie erhofft.
Beim Sehtest stellte sich heraus, dass Sophia mit dem linken, dem operierten Auge nicht sieht. Nicht einmal Schemen oder Umrisse.
Obwohl der Arzt versuchte uns zu beruhigen, sah ich seiner Miene an, dass das so nicht okay sein kann.
Er äußerte sich vorsichtig und meinte, uns bliebe nichts, als zu warten. Das Auge müsse sich erst einmal erholen.
An den Tagen zuvor und unmittelbar nach der OP klang das ganz anders und es hieß, sie könne auf jeden Fall sehen, nur leicht vermindert.

Nach dem gestrigen kurzzeitigen Aufatmen fühle ich mich nun bereits wieder merklich angespannt und ängstlich.

Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig.

Das Positive ist, es hat sich bislang nichts enzündet.
Vielleicht sollte ich mich damit zunächst zufrieden geben und nicht vorschnell hadern!

augenBloglich 18.07.2006, 09.42| (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

neuer Schreck & erstes Aufatmen

Die Nacht war schlaflos. Körperliches und geistiges Herumwälzen. Das Zelebrieren von Selbstvorwürfen und die stete Frage danach, warum meine mütterlichen Instinkte nicht rechtzeitig Alarm geschlagen haben?

Am Morgen dann, nach kurzem Weinen, ein fröhliches und unbeschwertes Kind, das mich staunen lässt.
Ausgelassen spielt Sophia bis zu jenem Moment in dem die große Schwester: "Mama, Phias Auge blutet!" ruft.

Vielleicht hätte ich darauf vorbereitet sein müssen. Dennoch ich war es nicht. Nicht wirklich. Es hat etwas Dramatisches, wenn Blut aus einem eh schon arg mitgenommenen Auge läuft.
Wahrscheinlich hatte man mich in der Klinik darauf vorbereitet. Ebenso wahrscheinlich ist, dass ich dort nur einen Bruchteil dessen mitbekommen habe, von dem, was man mir erklärt hat.

Der Weg zur Augenklinik sollte von Mal zu Mal kürzer werden, aber es scheinen Stunden vergangen, ehe wir ankommen.
Erstmalig verweigert Sophia jegliche Untersuchung, jeglichen ärztlichen Kontakt.

Mir ist, als bräche ich den Willen des eigenen Kindes, nur um es vor Schlimmeren zu bewahren. Das an sich, das Beste zu wollen, macht die Situation nicht besser.
Gutes Zureden, innige Versprechungen. Mein Kind mag nicht mehr und ich kann Sophia durchaus verstehen.
Doch es hilft nichts. Der Arzt muss das Auge anschauen, muss untersuchen.

Es zerreißt mich fast, als ich mein Kind festhalten muss, gegen Strampeln, gegen Weinen.

Doch rasch die befreiende Information: Das Auge schaut genauso aus, wie es heute ausschauen sollte.
Ja, es schaut sogar "gut" aus. "Gut", so erklärt man uns, nicht im Sinne von unserem "gut". Ich weiß genau was der Arzt meint.
Wenn ich Sophias Auge betrachte, zieht sich mir mein Magen zusammen und Tränen schießen in meine Augen.
Doch das Blut, so dramatisch es wirkt, entstammt nicht dem eigentlichen Auge, sondern - wenn ich das recht verstanden und behalten habe - dem Bindesackgewebe.

Erstes zögerliches Aufatmen.
Noch vier kritische Tage.


augenBloglich 17.07.2006, 15.17| (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Wird mein Auge tot?

5.14 Uhr. Eine kleine Hand streichelt über mein Gesicht. Ganz vorsichtig, ganz sanft.
Ich merke wie Sophia zu mir ins Bett klettert, sich unter meine Decke kuschelt, ganz eng an mich heran.

"Mama!", höre ich ein leises Schluchzen "Mama wird mein Auge tot?"

"Nein!"
verspreche ich meiner Tochter ohne zu wissen, ob meine Worte eine Lüge sein werden.

"Mama!", schluchzt es da aus ihr heraus und sie weint mit einem Male bitterlich "Mama, ich will nicht, dass mein Auge tot geht. Dann seh ich nichts mehr. Mama und wenn ich nichts mehr sehe brauche ich einen Hund für Blinde. Mama, ich hab doch so droße Angst vor Hunden!"

augenBloglich 17.07.2006, 06.46| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

AUGENbloglich

Wer hätte gedacht, dass ich den Namen meines Blogs einmal derart werde akzentuieren müssen?
Ich sitze hier, mein Kopf dröhnt und ich warte darauf, dass die Anspannung der letzten 30 Stunden einer gesunden und befreienden Entspannung weicht.
Ich warte darauf, dass die letzten Stunden mit einem dumpfen Prall von mir abfallen und mein Herz nicht mehr schmerzt, als sei es in einen Schraubstock gespannt.

Als Sophia gestern morgen zu mir tappste, mit geschlossen Augen, jämmerlich schluchzend und weinend, mir erklärte, sie könne die Augen nicht öffnen und wenn sie sie öffnen würde, täte es so weh und sie sei blind, habe ich das alles erstmal auf die Freibadtage und das Chlorwasser geschoben.
Bis mein Kind irgendwann immer panischer wurde und rief: "Mama, ich bin blind, Mama, ich bin blind!"

Innerlich stiegt Panik in mir hoch. Mann außer Haus arbeitend, tief im Süden Deutschlands, packte ich beide Kinder ins Auto und fuhr 25 Kilometer zum augenärztlichen Notdienst.

Allein  die Fahrt war ein schierer Alptraum. Sophia litt und ich konnte ihr nicht helfen. Hilflos saß ich am Steuer, konnte nur gut zureden, während mir tausend Gedanke wie Angstblitze durch den Kopf zuckten.
Lena, die zunächst Sophia tröstetet, geriet schnell auch in Panik und weinte bitterlich:

"Mama, ich hab so Angst um Sophia. Mama, mein Herz tut so weh, weil ich Sophia doch so lieb hab. Mama, ich kann das nicht aushalten!"

Sophia hielt die Augen verschlossen und jammerte kläglich.

Ein netter Augenarzt hatte Notdienst und die nun folgenden Untersuchungen waren für alle Beteiligten schwierig und mühsam.
Sophia litt.
Und ich konnte nichts weiter tun, als mein Kind im Arm zu halten, während Lena alleine auf einem Stuhl saß, mitlitt und weinte.

Als die Diagnose feststand musste alles sehr schnell gehen. Überweiung zur Uni Klinik in die nächstgrößere Stadt, 36 Kilometer von hier.
Sofortige OP.

Ein Metallteil war Sophia ins Auge geraten und musste - so der Arzt - schnellstmöglich entfernt werden.

Man denkt nicht groß nach, in solchen Minuten. Man tut, was man tun muss und fragt sich hinterher, wie man alles bewerkstelligt hat.

Lena blieb bei den Großeltern, bitterlich weinend, sehr aufgelöst. Wie gerne hätte ich sie getröstet, hätte Zeit für sie gehabt, aber ich musste mit Sophia so schnell es ging zur Uni Klinik.

Es war Samstag. Der arme diensthabende Arzt der Augenklinik war völlig überlastet.
Sie müssen einige Stunden warten, erklärte man uns. Sophia dürfe nichts essen, nichts trinken.

Mittlerweile war es halb zwölf Mittag.
Gegessen und getrunken hatte Sophia gegen acht. Sie hatte Durst. Sie hatte Hunger. Sie hatte Schmerzen. Sie konnte nichts sehen. Sie wollte heim.

Und ich, ich hätte alles darum gegeben, ihr all diese Schmerzen und Ängste abzunehmen.
Die Untersuchungen, die Sorgen.

Immer wieder Untersuchungen. Immer wieder Gespräche und der Hinweis darauf, dass das Auge höchstwahrscheinlich erblinden wird.
Immer wieder auch die Frage, wie so ein Teil in ihr Auge gelangen konnte und vor allem wann.
Es musste schon tagelang in ihrem Auge sein, wurde erklärt und mir fiel nur ein, dass ein Nachbar gerne in seiner Einfahrt flext, während die Kinder draußen spielen.....
Sophia konnte sich nicht erinnern. Und im  Grunde, im Grunde war es mir herzlich egal, wann das Teil wie ins Auge geraten war.
Nur raus musste es. So viel stand fest.

Gegen 17 Uhr konnte Sophia erstmalig nicht mehr und begann bitterlich zu weinen und zu klagen, sie schrie förmlich nach zu Hause und ich konnte sie so gut verstehen.

Man sitzt, auf einem leeren Flur, wartend. Ängstlich. Man sorgt sich, weiß nicht, was als nächstes kommt und spürt die Angst das Kind zerfressen.

Und dann der Moment vor dem OP, wenn man das eigene Kind in die Arme eines wildfremden Menschen gibt und diesem Menschen blindlings - im wahrsten Sinne des Wortes - vetraut.
Sophias Ärmchen, die sich nach mir strecken. Ihr Weinen und Mamarufen und die eigene totale und gänzliche Hilflosigkeit. Das Ausgeliefertsein, der Gedanke daran, was das eigene Kind nun denkt, welche Ängste durch ihren Kopf und Körper jagen, wie verlassen sie sich fühlen muss.

Ich saß dort, auf dieser kleinen grünen Bank vor dem OP und konnte nicht daran denken, dass man meinem Kind hilft. Konnte nur daran denken, dass sie ihre Arme nach mir ausgestreckt hat und ihr Blick fassungslose Angst und bloßes Entsetzen wiederspiegelte.
Beklemmung breitete sich in mir aus. Tiefe, schmerzenden Beklemmung.
Ich hatte mein Kind verlassen und das, obwohl ich die ganzen Stunden vorher gesagt habe, ich sei immer bei ihr....

Gegen 18 Uhr wurde sie in den OP geschoben und die Minuten tropften unendlich langsam an mir vorbei.
Eine Stunde später hatte ich Sophia wieder.
Schlafend lag sie in diesem riesen Krankenhausbett, einen OP Kittel mit kleinen Bärchen darauf an.

Es sei alles gut verlaufen erklärte man mir, man hätte fräsen und bohren müssen, das Metallteil hätte tief und fest in der Hornhaut gesessen und ein Rosthof (?) hätte sich bereits gebildet.
Ich habe das alles gar nicht richtig aufnehmen können.
Selig darüber, mein Kind wieder zu haben.

An ihrem Bette sitzend kam mir dann in den Sinn, was noch alles kommen kann.
Die Entzündung, von der der Arzt sprach und die mögliche Erblindung. Schmerzen, Narben, Sehfehler.

Und ich denke daran, dass wir am Tag zuvor noch fröhlich tollend Lenas sechsten Geburtstag gefeiert haben.

Gegen 20.30 Uhr wacht Sophia auf.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe?
Ein traumatisiertes Kind?
Ein ängstliches Kind?

Sie wacht auf, sieht mich, weint ein wenig und möchte dann dringend etwas trinken und nach Hause.

Nach Hause kamen wir dann erst gegen 24 Uhr.
Eine müde Mutter, mit den Nerven ziemlich am Ende und ein müdes Kind, stolz wie Oscar:
"Mama, sowas Schlimmes hatte die Lena noch nie, oder? Mama, ich war doch danz tapfer, oder?"

Und heute Morgen nimmt mein Staunen darüber, was Kinder so wegzustecken zu scheinen kein Ende.
Die Nachuntersuchung in der Augenklinik am heutigen Vormittag macht sie bereits wie ein Profi mit.
Obwohl sie nicht viel sieht, ihr Auge blutig und geschwollen ist, tollt sie herum, ist fröhlich und man hat nicht den Eindruck, als lägen all diese Strapazen hinter ihr.

Ich bewundere mein Kind.
Mir, mir nämlich sieht und merkt man die Strapazen an. Und dass, obwohl es nicht mein Auge, nicht meine OP, nicht meiner Untersuchungen waren.

Ich warte immer noch auf die Erleichterung.
Ich warte immer noch auf den plumpsenden Stein.

Aber ich bin froh.
Froh, an so nette und kompetente Ärzte geraten zu sein!










augenBloglich 16.07.2006, 14.18| (11/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25