Veränderungen

Da hat das Leben einfach kurzzeitig vergessen, mich zu fragen, wie ich das letzte Jahr eigentlich im Sinn gehabt hätte….


Mit 45, so dachte ich gänzlich naiv und fälschlicherweise, würde mein Leben geruhsam, angenehm und gemächlich dahinplätschern. Angekommen dort, wo ich angelangen wollte und nun genießend, was ich mir erarbeitet hatte.


Allein das Leben hatte andere Pläne, nur vergessen, mich vorab einzuweihen.


Als da wäre mein maroder Körper. Hier und da streikte so das ein oder andere Organ, zickte und herum und war darauf bedacht, mehr Aufmerksamkeit von mir zu erlangen.

Ich gehe davon aus, dass die ein oder andere Körperstelle darauf aus war, dass ich nun endlich (mit 45 wird es wohl Zeit), den Sport für mich entdecken würde.

Nachdem das trotz aller Zickerei nicht gelungen ist – ich kann da durchaus sehr stur sein- landete ich bei der Krankengymnastik.


Krankengymnastik ist genaugenommen auch so etwas wie Sport, zumindest fühlt es sich so an. Der Unterschied ist der: Man kann einfach nicht mogeln und so tun als ob. Ständig hat man jemanden an der Seite, der darauf achtet, dass man wirklich tut, was einem gesagt wird. Krankengymnastik ist folglich sehr viel anstrengender als Sport, aber bitte, das hat mir meine Sturheit nun eingebracht.


Die Sache mit dem Hautkrebs war so an und für sich auch nicht wirklich eingeplant gewesen. Mein Gesicht wäre ganz gut ohne ausgekommen, gut, aber auch da hat mich niemand um Rat gefragt, wobei ich sicher das ein oder andere dazu zu sagen gehabt hätte.

Ich verstehe diese Ignoranz mir gegenüber auch gar nicht. Als ob man beim eigenen Körper nicht wenigstens minimal mitzureden hätte.

Ja, sicher, wenn man mich mitreden lässt, kann das in anderseitige Ignoranz ausarten, wie das Beispiel mit den Hörgeräten zeigt. Natürlich höre ich mit den Teilen besser, aber das ist durchaus nicht immer von Vorteil – wie ich schnell bemerkte und begriff. Kurzzeitig waren mir die Teile sogar verloren gegangen, bis ich entdeckte, dass ich einen wunderbaren Platz im Aktenschrank für sie geschaffen hatte.


Und dann wären da noch diese nicht diagnostizierbaren Brustkrämpfe, die mich hin und wieder plagen und mir eine sorgenvolle Nacht im Krankenhaus einbrachten mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt.

Glücklicherweise war es keiner, nur ein weiterer Warnschuss, den ich dann durchaus ernst genommen habe.


45 und mein Körper drangsaliert mich. „Du wirst alt, Kind“, sprach meine Mutter und verwies direkt darauf, dass ich bitte doch auch abzunehmen hätte….

 

Dabei fühle ich mich gar nicht wie 45.

Nicht, dass ich wüsste, wie sich das anfühlen müsste, ich meine, ich war zuvor ja noch nie 45 und übe das jetzt erst seit August, aber mir scheint, dass ich innerlich eher pubertiere.

Überhaupt erscheint mir 45 die zweite Pubertät zu sein. Da sprießen wieder Pickel, es wachsen einen schwarze Haare am Kinn (okay, das ist jetzt eher vielleicht ein Altersproblem und wenig pubertär, aber weiß man, was so eine  45er Pubertät mit sich bringen kann?).


Dann die Sache mit der Liebe. Vergessen wir es einfach. Auch ich habe nun begriffen, dass die Sache mit dem Prinzen eher nur in Filmen zu finden ist.

(Fairerweise muss ich gestehen, dass ich persönlich auch ein klein wenig weit weg bin vom Prinzessinnenideal.)


Kurz auf den Punkt gebracht: 2014 war irgendwie ein krankes Jahr.


Dabei sprachen wir noch nicht von all den beruflichen Baustellen, die das Jahr so neben den privaten Abstürzen mit sich brachte.

Praktisch flog ich nahezu von einem Tief ins nächste und hätte ich nicht besonders liebe Menschen an meiner Seite gehabt, wäre ich möglicherweise nie wieder herausgekommen aus diesen Absturzstellen.

 

2014 hatte aber auch viele fröhliche Momente und Augenblicke voller Lachen und Leben, die all die Tränen vergessen ließen.


Überhaupt Tränen. Hat der Körper das irgendwie so eingerichtet, dass man mit 45 eher heult? Nein, wir reden hier auf keinen Fall über hormonelle Problemchen oder gar sowas wie die Wechseljahre.


Wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist Wechseljahre vielleicht genau der passende Begriff für diesen Lebensmoment.

Veränderungen, Lebensformwechsel, neue Wege … mal abgesehen von den Hormonpartys, die da ungefragt in mir gefeiert werden, meint Wechseljahre vielleicht auch nichts anderes, als sein Leben einfach noch einmal radikal zu ändern.


Entgegen allen Ängsten, körperlichen Zickereien, Tränen und Unabwägbarkeiten, den Mut zu haben, sich von Altem und Bewährtem, Vertrautem und Sicherheit gebenden zu trennen, um  Reißaus zu nehmen vor der lähmenden Gewöhnung.

Veränderungen können weh tun, aber auch sehr heilsam sein.


Und nein, ich rede immer noch nicht vom Sport, auch wenn das (theoretisch jetzt) passen würde.


Ich rede einfach davon, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen und sich auf den Weg zu machen, glücklich zu sein.



2015 kann kommen!

Ich wäre dann so weit…..

 

augenBloglich 25.12.2014, 08.33| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Über das Glücklichsein

Eine ganz besondere Freundin erwähnte neulich, sie habe darüber nachgedacht, welche Menschen aus ihrer Umgebung eigentlich richtig glücklich wären. Sie konnte genau eine Person benennen, von der sie meinte, diese sei glücklich und daraufhin beschloss jene Freundin, sie sei ebenfalls glücklich.


Ich fand diese Aussage aus zwei Gründen sehr bemerkens- und vor allem nachdenkenswert. Zum einen gehörte ich offensichtlich zu dem Personenkreis, der als nicht glücklich, demnach also als unglücklich (?) angesehen wurde und des Weiteren stolperte ich über den simplen Beschluss, glücklich sein zu wollen…


Mich ließ das Thema nicht los, da ich, wenn ich die Wahl hätte, unglaublich gerne ein Mensch wäre, der sein inneres Glück nach außen strahlen könnte. Am Abend selber kamen wir nicht mehr auf dieses Thema zurück, sondern besprachen -bei dem ein oder anderen Glas Wein - andere, nicht weniger wichtige Themen.

Es lag jedoch nahe, darüber nachzudenken, was genau Glück eigentlich ist. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so differenziert werden höchstwahrscheinlich unsere Definitionen von „Glück“ ausfallen. Erfahrungsgemäß kann ich für mich behaupten, dass Glück kein permanenter, allumfassender Dauerzustand ist, sondern sich eher in vielen kleinen Momenten und Augenblicken zu erkennen gibt.

Im Alltagstrubel übersehe ich das Glück nur viel zu schnell, viel zu leicht und leider auch viel zu oft. Ist der Kopf randvoll gefüllt mit Plänen, kleinen oder größeren Sorgen oder Ärgernissen, Terminen und dem ganz alltäglichen Beschäftigungen, fällt es zuweilen schwer, Glück empfinden zu können. Die innere Hetze, die eigene gedankliche Mobilität und das permanente alltägliche Organisieren lässt mitunter wenig Raum für das, was wir allgemein als Glück bezeichnen.
Das bedeutet nicht, dass das Glück nicht vorhanden ist, lediglich, dass es schwer hat, sich durch den Alltag zu kämpfen und sichtbar zu werden.
Dieses dichte und wüste gedankliche Kopfgedränge zerquetschen das Glück hin und wieder. Und dennoch stiehlt es sich, heimlich, still und leise dann und wann an die Oberfläche und zeigt sich in seiner warmen und beseelenden Präsenz. Und es sind jene Momente und Augenblicke, die uns dann wieder durch die nächsten Termine, Alltäglichkeiten, Sorgen und durch die Hektik des Alltags tragen.


Sonderbarerweise – oder vielleicht ist es gar nicht so sonderbar, wie es mir erscheint – sind es nicht immer die großartigen Momente, in denen das Glück sich berieselnd durch den Körper schleicht. Meistens zeigt es sich, wenn ich gar nicht damit rechne. Nicht bei einer außergewöhnlichen Reise oder wenn das Konto prall gefüllt ist.

Nein, ich muss nichts weiter tun, als faul, träge und mit zerzausten Haaren in einem alten T-Shirt im Bett zu liegen, von Büchern umgeben und stundenlang zu lesen….

Ich sah nicht gerade aus, als wollte ich so das Glück empfangen. Um nicht zu sagen, ich war gar ungeduscht und der Wein des Vorabends saß mir noch in den Gesichtsfalten. Von Büchern umgeben, eine Flasche Wasser am Bett stehend, las ich gerade „Eat, pray and love“ aus, als es zu Besuch kam.

Das Glück.

Ich hatte es - unfreundlicherweise – gar nicht eingeladen. Es kam einfach spontan vorbei und zeigte sich in diesem unglaublich warmen und zufriedenem Gefühl, das einen wissen lässt, es ist alles in Deinem Leben gut und Du bist an der Stelle in Deinem Leben, an der Du sein solltest und möchtest.

Der Augenblick war gänzlich frei von Plänen, Gedankenstürmen oder –kämpfen, Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten. Ich lag einfach nur entspannt da, hatte nichts weiter zu tun und bekam diesen kleinen, subtilen inneren Tritt, der es einem ermöglicht, das eigene Leben gleichsam von außen zu betrachten, gänzlich entspannt, um zu erkennen, alles ist gut, so wie es ist.

Und die Gedanken an alles, was das Glück in meinem Leben ausmacht, purzelten nacheinander, ordentlich in Reih und Glied, aus meinem Herzen, hinein in meinen Kopf. Dort schlummern sie nun und sind jederzeit abrufbar, wobei das Herz nun Platz gemacht hat für neue, weitere, glückliche Herzmomente.

Und nun liegt es an mir, sie hervorzuholen, diese Momente und in ihnen zu baden, sich mit ihnen zu umgeben und aus ihnen Kraft zu schöpfen.

Natürlich bin ich glücklich.

Solange das Glück sich hin und wieder zu mir schleicht, sich offenbart und mir diesen kleinen, festen Tritt gibt, bin ich ein glücklicher Mensch, der von diesen Momenten zehren kann.

Es kommt jedoch immer nur dann, wenn ich nicht hartnäckig und beständig danach suche. Einmal aufgetaucht versucht es mir deutlich zu machen, dass es mich immer umgibt. In jedem Lachen, in jedem Gedanken, in dem, was ich sehe und dem, was ich tue. Es ist nur mein Blick, der manchmal, viel zu oft, zu getrübt ist, um das Glück zu erkennen. Ich kann nicht beschließen glücklich zu sein.

Ich kann nur versuchen, meinen Blick zu klären und zu schärfen und das Glück zu sehen und zu erkennen. Glück ist niemals Passivität. Es liegt an mir selber, es aktiv in mein Leben einzubeziehen und mich in den düsteren Augenblicken des Lebens just daran zu erinnern…..

augenBloglich 03.03.2014, 11.46| (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25