Unlustig

„Mama“, sprach die 14,5 jährige Tochter (und ja, auf das halbe Jahr wird sehr viel Wert gelegt, da man sich als Pubertistin noch in der Lebensphase befindet, in dem man gerne jeden Tag älter sein möchte) „Boaaah, Mama, du bist voll unlustig!“

 

Ich kann mich nicht entsinnen, was ich Geistloses von mir gegeben hatte – vermutlich einen dummen mütterlichen Spruch, den nur ich witzig fand – aber mir fiel auf, dass pubertistische und grenzwertig wechseljährige Lachfrequenzen irgendwie nicht kompatibel erscheinen.

 

Da ist zum Beispiel diese Sache mit den Youtubern.

 

(Mittlerweile, so musste ich mich belehren lassen, verdienen Youtuber eine Menge Geld – es scheint so, als gäbe es da einen neuen Beruf, der irgendwie an mir vorbeigegangen zu sein scheint.)

Einige dieser besagten Youtuber, deren Namen ich mir beim Willen nicht merken kann, lösen regelmäßig lautstarke und nicht enden wollende Lachflashs bei meinen Töchtern aus.


Nun sind meine Töchter wirklich sehr bemüht, ihre arme, alte, vertrottelte Mutter mit in das Pubertistenleben miteinzubeziehen, damit die erwähnte Mutter (also ich) ein bisschen mehr „today“ ist und die Tochter nicht ständig anmerken muss: 


„Boaaah, Mama, Du bist voll 80er, ey!“


(Das „ey“ muss wohl stets und ständig mit angehängt werden, ich denke, die Teenies unterliegen der irrigen Annahme ihre Aussagen erhalten nur mit angehängtem „ey“ eine gewisse Gültigkeit!)

 

Ich werde also sehr häufig mit eingeweiht in das lustige Leben der Videoyoutuber und erfreue mich jedesmal zunächst an der Tatsache, dass das große Kind sämtliche Videos auswendig mitsprechen oder alleine nachspielen kann. Eine gewisse Hoffnung in Bezug auf das Merken von Lateinvokabeln keimt dann regelmäßig in mir auf.

Ich betrachte also, durchaus bereit mich auf Neues einzulassen, diese Videos und schaue immer wieder irritiert, wenn die Mädel sich vor Lachen nicht mehr einkriegen, ich aber den Witz gar nicht mitbekommen habe.

Nun mag das daran liegen, dass diese Videos generell eher weniger witzig sind. Die Alternative –die ich aber eigentlich im Grunde direkt ausschließe – wäre, ich bin zu alt für den Humor der Jugend von heute.

 

Zunächst konnten die zauberhaften Töchter es gar nicht fassen, dass ich nicht auch lachen musste. Es folgte in der Regel eine ausschweifende Erklärung des Witzes, den ich nicht wahrgenommen hatte. Die Kinder hatten durchaus noch die Hoffnung, sie könnten aus ihrer Mutter ein zeitgemäßes Wesen machen, allein, die Versuche scheiterten.

 

Gänzlich uncool erkläre ich im Anschluss immer direkt, dass ich die Videos nicht witzig fände.

Nur, um kurze Zeit später vor Lachen zu heulen, wenn mich eine WhatsApp Nachricht der weltbesten Freundin (also meiner jetzt natürlich) erreichte, die vor T9 Fehlern strotzte.

 

Ich kenne die Blicke, die meine Töchter sind dann gerne zuwerfen. (Sie gehen irgendwie immer davon aus, ich würde sie nicht bemerken, also diese Blicke jetzt!)

 

Bedauerndes Mitleid liegt in diesem Blick und eine gewisse Resignation. Ich höre sie förmlich sagen: „Lass sie, die ändern wir nicht mehr, sie wird es nie kapieren!“, aber meine Töchter sind zu freundlich, um es laut auszusprechen und bevorzugen es nun, ihrem Vater die lustigen Videos vorzuspielen, nicht ohne den Hinweis: „Lass mal, Mama, das ist nichts für Dich!“

 

Nichts für mich, so haben die Töchter entschieden, ist wohl auch das Hören lauter Musik. Während ich neulich so tat, als würde ich ein wenig den Haushalt schmeißen, hörte ich (okay, sehr laut) die Placebo Version von „Daddy Cool“ – als mit einem Male die Musik verstummte.

Die große Tochter stand im Wohnzimmer, den Freund im  Schlepptau, hatte die Musik ausgemacht und erklärte: „Mama, du bist voll peinlich!“

„Natürlich!“, entgegnete ich, „das ist schließlich mein Job als Mama, peinlich zu sein!“

und machte die Musik wieder an, vielleicht noch einen Tacken lauter als zuvor.

„Boaaah, Mama!“, kam nun wieder von Tochterseite „Du bist voll unlustig!“

 

Ich meine, damit erfülle ich alle wichtigen Attribute einer Pubertistenmutter: Unlustig und peinlich!

 

Mal sehen, welche Peinlichkeiten mir heute noch so einfallen.

Auch eine unlustige Mutter möchte hin und wieder schließlich ein wenig Spaß haben!

augenBloglich 30.12.2014, 12.32| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Nun ist er raus

So.
Nun steht es also fest.
Dieses Schokobrunnenteil und ich, wir werden uns niemals freundschaftlich entgegenkommen.

Gesäubert war er ja nun. Der Brunnen. Also hätte er gut und gerne - das ist meine persönliche Ansicht - gestern seinen zweiten Dienst absolvieren können und zwar OHNE Probleme, so wie es sich gehört.
Schließlich hatte ich alles daran gesetzt, diese schmierige, eklige, klebrige und unschöne braune Klebemassse von all seinen Teilen zu entfernen.

Ich baute ihn also zusammen. Den Brunnen. Gut, das an sich ist jetzt nicht so schwierig, da man nur drei Teile ineinander stecken muss und die auch gar nicht falsch zusammengesetzt werden können.

Anschließend verfuhr ich exakt wie beim letzten Mal, allein der olle Brunnen wollte nicht.
Höchstwahrscheinlich war er beleidigt oder was und bedurfte hausfraulichen Zuspruchs.
Wenn ich zu einer Sache grundsätzlich nie bereit und in der Lage bin, dann ist es eben diesen Zuspruch zu leisten.
In meinem Haushalt heißt es, friss oder stirb und es überlegen nur die ganz harten Geräte und Pflanzen.

Die Schokolade schmolz, aber floss nicht so recht. Ich war schon minimal angenervt, weil ich wirklich alles anleitungsgetreu ausgeführt hatte, die extra modernen hypertollen Schokopads gekauft hatte und eine Teeniemeute auf die fließende Schokolade wartete.

Die Zeit des Wartens überbrückte ich mit genauen Regieanweisungen für eben diese Meute (und mir war es durchaus egal, dass mein müttlerlicher Coolnessfaktor dadurch bei geschätzten minus 30 anlangte!)

Vertrauen (in die eigenen Töchter und deren Besuchsmädel) ist ja etwas Schönes. Schmierig, klebrige Schokolade an den Wänden hingegen eher nicht.
Also finde ich jetzt.
Also sprach ich: "Lauft  nicht mit dem Zeugs herum und schmiert nicht alles voll!"

Dabei hätte ich wissen und bedenken müssen, dass "alles" ein viel zu vage gefasster Rahmen war.

Die Schokolade tropfte zäh und langsam vor sich hin.
Man hätte nun Öl dazugeben können, aber mal ehrlich, das wäre ja noch schöner gewesen. Direkt den Zicken des Brunnens zu erliegen.
Nö. Wir, also die Mädel jetzt, nahmen mit der zähen Masse Vorlieb und erklärten, es schmecke auch so.

Genau das sah man nach kurzer Zeit auch.

Wenn man eine magnolienfarbene, hochglänzende Küche hat, entdeckt man auch bei stark getrübtem Sehvermögen jeden noch so kleinen Schokospritzer direkt.
Und wir reden ja auch eher von monstermäßig großen Schlieren, die dann zähflüssig ihre Bahnen über Küchenfronten und Bodenfliesen zogen.

Besonders schön ist es, wenn Schokofußabdrücke durch das ganze Haus führen und die Teeniemeute fantasievolle Namen dafür bereit hält und sich, ach was, ekelt.

Zumindest konnte ich so jeden Schritt aller Mädchen nachvollziehen.

Nun kam es ja, wie es kommen musste und auch diesmal musste das Teil gesäubert werden.
Letztes Mal floss die Schokolade ja noch. Das hatte den Vorteil, dass sie auch bei der Reinigung besser floss.
Besser meint hier natürlich nicht sonderlich gut, aber eben wesentlich rasanter als gestern, wo ja mal gar nichts floss, außer meinen imaginären Wuttränen.

Natürlich gab zeitgleich meine Spülmaschine den Geist auf und streikte.
Nicht, dass ich die Maschine für den Schokobrunnen hätte einsetzen können, aber man stelle sich nun vor, wie ich (schokoladenbeschmiert, das blieb nicht aus) an der Spüle stehe und versuche diese elendige zähe Masse von dem Brunnen zu rubbeln  und neben mir die Spülmaschine nicht mehr abpumpen mag und schwallartug dreckiges Wasser von sich spritzt.

Oben voller Schoko, unten voller Dreckwasser stand ich nun also da.
Die Hände, als hätte ich gerade einen Griff in die soeben benutzte Toilette gewagt, die Bluse braungesprenkelt und in einem höchstgradig erregten, um nicht zu sagen latent aggressiven Gemütszustand.

Ich warf die Brunnenteile in die Spüle, sollen die sich doch selber säubern oder was, und widmete mich der Spülmaschine, die E24 zeigte. Nun wusste ich aus dem Steggreif einfach mal nicht, was E24 mir sagen wollte. Also schnell das I-Pad geschnappt, nicht an die schokobeschlierten Finger gedacht, Schlieren gezogen und auf Youtube angeschaut, wie schnell und einfach man eine Abpumppumpe einer Spülmaschine reparieren kann.

Nach geschätzten drei Minuten verwarf ich die Idee der Eigenreparatur wieder und versuchte es mit stundenlangem Drücken der Resettaste, die nicht reagierte.
Also begann ich das Restwasser aus der Maschine zu schöpfen. Was zunächst mit großen Tassen gelang musste später mit Espressotassen fortgesetzt werden und gestaltete sich als abendfüllendes Programm.
Immer, wenn ich die Tassen in der Spüle ausleerte, grinsten mich die Brunnenteile hämisch an.

Sonntag Abend. Es war der letzte Sonntag des Jahres und ich befasste mich (notgedrungen) mit Küchengeräten.

Andere Menschen saßen womöglich bei einem Gläschen Wein auf dem Sofa vor dem Kamin.
Wie langweilig.
Da ist so eine drecksnasse, schokobeschmierte Küche schon aufregende.
Man verbrennt glaub ich auch mehr Kalorien und laut meiner Mutter muss ich ohnehin abnehmen.

Die Maschine war irgendwann leergeschöpft und mir fiel auf, dass das Geschirr darin (also in der Maschine jetzt) noch total dreckig war.

Passte zum Brunnen, dem ich mich nun wieder widmete.
Mit dem bin ich ja durch, erwähnte ich das?

Der schlummert  nun friedlich und sauber in seinem Pappkarton und wird heute seinen Weg auf den Dachboden finden und dort im Exil bleiben.
Für immer.

Mit der Spülmaschine und dem Dachboden wäre das so eine Sache.
Ich habe mich entschieden, sie nicht hochzutragen und den Kundendienst anzurufen.
Soll der sich doch mit E24 auseinandersetzen.
Ich meine, für dieses Jahr reicht es auch mit meinen hausfraulichen  Taten.

Wir werden die Küche braun streichen lassen, nehme ich an.
Besser wäre das.

augenBloglich 29.12.2014, 05.54| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Alltagskram

Du trennst dich einfach nie allein

Die meist gesehene Geste in den vergangenen Wochen, die meine Gegenüber intuitiv machten, nachdem ich ihnen berichtete, dass ich mich von meinem Mann getrennt habe, war, spontan die Hände vor den weit offenstehenden Mund zu legen.


Wahlweise hörte man zeitgleich ein ungläubiges Stöhnen oder einen entsetzten Ausruf alá „Oh mein Gott!“ oder (mein persönliches Highlight): „Muss das denn sein?“

 


(Nein, es muss natürlich nicht sein. Wir sitzen hier spontan und unüberlegt, aus einer heiteren Laune heraus und geben bekannt, dass wir uns nach 14 Jahren Zusammensein - und mit zwei wundervollen Töchtern gesegnet - trennen!)

 


Häufig schienen die anderen Menschen trostbedürftiger als ich selber und so versicherte ich immer rasch: „Das ist okay so, wirklich!“


Im Großen und Ganzen trennt man sich offensichtlich grundsätzlich nie allein. Die allermeisten Menschen, seien es gute Freunde oder flüchtige Bekannte, haben natürlich eine Meinung zu deiner Trennung und vor allem – ob selber je getrennt oder nicht – wissen die meisten, wie man sich zu trennen hat und wie man sich bitte – das erscheint besonders wichtig – dabei zu fühlen hat.


Ohne die Menschen in Schubladen zwängen zu wollen, haben sich in der vergangenen Wochen folgende Reaktionstypen herauskristallisiert.


Zunächst wären da die weltwichtigsten Menschen und engsten Vertrauten, die hinter einem stehen, es haben kommen sehen, die Qual der letzten Jahre mitverfolgten, den steinigen Weg begleitet haben und nun immer für einen da sind, kompromisslos und wie ein Fels in der Brandung.


Ohne diese Menschen wären die letzten Wochen weitaus bitterer gewesen, es wären sicherlich noch mehr Tränen geflossen und wer weiß, ob nicht im letzten Moment meinerseits ein fataler Rückzieher gemacht worden wäre.


Dann gibt es die Mitleidenden. Die, die sehr betrübt, traurig, manchmal fassungslos reagieren und die helfen möchten, nicht wissen wie und unsagbares Mitleid haben mit uns Betroffenen.


Diese Menschen meinen es allesamt gut mit uns und schon manches Mal konnte ich sie trösten in der Gewissheit, es ist gut so, wie es gekommen ist.


Die Pragmatiker nehmen zur Kenntnis, haken ab und trauen uns zu, dass wir schon wissen, was wir tun. Es gibt, zu Recht, Wichtigeres in ihrem Leben, die Erde dreht sich weiter und letztlich ist eben nur das, was es ist: Eine Trennung im Guten.


Schwierig sind jene, die zornig sind, zaudern und nicht akzeptieren können, dass wir einen anderen als den erhofften Weg gehen. Diejenigen, die mit aller Macht und großer Hysterie versuchen, uns in ungewollte neue Chancen zu zwängen. Die Schuld zusprechen und Vorwürfe auf uns niederprasseln lassen. Glücklicherweise ist dies eine sehr überschaubare Minderheit, eine, die aber offensichtlich am meisten leidet und sich mit dem Gedanken plagt, was mögen wohl die Leute denken?


Wobei sich mir immer direkt und unmittelbar die Frage aufdrängt, von welchen „Leuten“ da die Rede ist?


„Die Leute“ haben mich noch nie interessiert, wenn es um rein persönliche Lebensentscheidungen geht, insofern lasse ich das Problem bei den zornigen Zauderern.


Am spannendsten zu beobachten aber sind die Enttäuschten.


Sie sind nicht etwa enttäuscht darüber, dass unsere Ehe am Ende ist, wir uns freundlich aber bestimmt trennen, nein, sie hofften auf eine klatschwürdige Schlammschlacht, die bislang und hoffentlich auch in Zukunft ausblieb.


Diese Menschen, jahrelang verschollen und nicht gesehen, kommen nun aus ihren „Löchern“ gekrochen  und warten darauf, die skandalträchtigen und klatschwürdigen Details unserer Trennung genüsslich auszuschlachten.


Und nun gibt es nichts zum Ausschlachten – man stelle sich diese Enttäuschung vor


Meist sind es Menschen, die selber eine unschöne Trennung hinter sich haben und nun voller Freude darauf blicken, dass es anderen ja auch so ergehen mag.


In Ermangelung von Streitigkeiten über die sie nun klatschen und tratschen können, diskutieren  sie unseren Weg in epischer Breite und Länge und stellen sämtliche unserer Entscheidungen infrage.


Auch gerne genommen, die Frage nach dem finanziellen Aspekt so einer Trennung. Auch hier große Enttäuschung, wenn das nicht breitgetreten und ausgeschlachtet werden kann.

 

So eine Trennung ist spannend. Sie offenbart nicht nur tiefe Einblicke in einen selbst und den Ex-Partner, sie zeigt schonungslos und deutlich, wer einem wohlgesonnen ist, wer Verständnis hat, wer liebt und akzeptiert und wer lediglich um sich selber kreist.

 

Manchmal ist es schwierig, sich nicht von seinem eigenen Weg abbringen zu lassen, den zugewiesenen Schuldigkeiten auszuweichen bzw. sie zu ignorieren. Dennoch glaube ich fest an unseren Weg.


Es ist, wie ich neulich im Radio hörte 


[Oh Gott, ich zitiere Andreas Bourani, nicht, dass jemand denkt, dies sei meine bevorzugte Musikrichtung! ;-)]

 

„Mein Herz schlägt schneller als deins,
sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
vielleicht muss es so sein“

 

Und jene, die in dieser unvollständigen Auflistung fehlen, sind die, von denen wir nicht wissen, was sie denken und reden, da sie bevorzugt über uns, aber nicht mit uns reden.


Möglicherweise sind dies genau jene „Leute“, von denen ich zuvor gesprochen habe.


Jene, die vielleicht nicht das befreite Gefühl kennen oder je gespürt haben, das durch den Körper fährt, wenn man sich aus lähmenden Bindungen befreit und von der schmerzenden Passivität in eine konstruktive Aktivität gleitet.


Oder denen die Vorstellungskraft fehlt daran zu glauben, dass man sich einvernehmlich und freundschaftlich trennen kann.


Sie tun mir Leid, diese Menschen. Aber mein Leben ist zu wichtig für mich, um ihnen eine gute Show zu bieten.


Nein, man trennt sich nicht allein, weil zu viele Menschen mitbetroffen sind.

Aber letzlich trennt man sich zumindest "für einen selbst!" Und das ist gut so!

augenBloglich 28.12.2014, 11.09| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Die Sache mit dem Schokobrunnen

Die Sache mit dem Schokobrunnen hat sich dann eigentlich, praktisch schon direkt erledigt. Natürlich genossen die fünfzehn  Gäste der gestrigen Geburtstagsfeier des Kindes die klebrige, süße Masse und hielten eifrig gesundes Obst unter die ungesunde Schokolade.


(Ich persönlich ließ ja das gesunde Obst direkt weg, mein Körper ist so viele Vitamine an Weihnachten einfach nicht gewohnt!)


Man sah auch über das wirklich nervtötende, grummelnde Motorengeräusch hinweg. (Nicht, dass es mich groß gestört hätte, meine Hörgeräte fristen weiterhin ihr Dasein im Aktenschrank).

Die Schokolade verteilte sich klecksender und durchaus sehr schmieriger Weise mal hier mal dort im Hause und besser war, man dachte nicht weiter über Konsistenz und Farbe nach.

Jedenfalls war das Teil durchaus der Renner, unabhängig vom Alter der Gäste waren alle schlichtweg begeistert und angetan.


Wir sprechen jetzt mal nicht darüber, welche horrende Summen wir für frische Erdbeeren zu Weihnachten ausgegeben haben.


Nun gut. Der Schokobrunnen ward geliebt und was tut man nicht alles, um das Kind zum 13. Geburtstag zu beglücken?

Nun stellte sich irgendwann jedoch die Frage nach der Säuberung besagten Brunnens.

Nicht, dass ich persönlich jetzt die Frage aufgeworfen hätte, mir fehlt da definitiv das Hausfrauengen, aber der Nochschwiegervater warf die Frage in die Runde und es entspann sich eine lustige Diskussion über die optimale Säuberungsart.


Letztlich wurde ich aufgefordert doch einfach mal in der Anleitung nachzulesen. So kam es also, dass am 1. Weihnachtstag die Großfamilie andächtig zusammensaß. Während andere Familien möglicherweise zu diesem Zeitpunkt und Anlass die Weihnachtsgeschichte vorlesen und altes Liedgut zum Besten geben, las ich nun also aus der Anleitung des Schokobrunnens.


Leider stand dort zu lesen, man möge das Teil ausschalten (ach was?) und nur kurz abkühlen lassen. Die Restschokolade dürfe nicht an all den Schnörkelteilen erkalten.


Dies wiederrum führte dazu, dass ich mich alsbald mit dem Nochschwiegervater an der Spüle wiederfand und wir mit vereinten Kräften und unter dem Gejohle (und natürlich den wahnsinnig hilfreichen Tipps) der anderen Gäste  - gelobt sei die offene Küche – diesen ollen Brunnen versuchten zu säubern.

Zunächst war das Spültuch mal direkt hinüber. Die braune, klebrige und durchaus auch eklige Restschokolade schmierte überall herum. Überall.

Nichts war mit: Leicht abwaschen und nur mit dem feuchten Tuch drüberwischen.

Ich wischte mich praktisch aus dem Leben, mit dem Erfolg, dass meine hellblaue Bluse sehr rasch braungesprenkelt war.

Die Schokolade schmierte von hier nach dort, hatte aber durchaus nicht die Absicht, diese komischen Kaskaden des Brunnes ohne Kampf zu verlassen.


Also kämpfte ich ebenfalls. Lappen um Lappen, Zewa um Zewa rubbelte ich hektischer an den Teilen herum, nur um endlich diesen Schmonz loszuwerden.

Dabei schwappte es hierhin und dorthin und ich sah letztlich aus, als hätte ich persönlich unter dem Brunnen gestanden und eine Schokodusche genommen.

Überhaupt eine Frechheit, dass man die Einzelteile nicht einfach in die Spülmaschine stecken kann und fertig.


Die Säuberung gelang – also irgendwann jetzt und unter Aufbringung all meiner Nerven – hatte aber durchaus den Nachteil, dass nun die Spüle, Rückwand, Küche an und für sich, herumliegendes Restgeschirr sowie der Fußboden braun gesprenkelt sind.


Mit dem Thema bin ich persönlich durch.


So gerne die Gäste gegessen und genossen hatten – niemand wollte das Teil geschenkt bekommen. Ich bot es an, ich pries es an. Allein, niemand mochte es haben und es fiel direkt das Wort Ebay Kleinanzeigen.

Dies führte zu großer Empörung bei der frisch 13jährigen, die ja übermorgen erneut Gäste erwartet – eine pubertäre Schar – und denen, wie soll es anders sein, versprochen hat, der Schokobrunnen käme zum Einsatz.


Ich freue mich.


Andererseits: Die Küche müsste eventuell ohnehin mal renoviert werden!

augenBloglich 26.12.2014, 06.46| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Alltagskram

Veränderungen

Da hat das Leben einfach kurzzeitig vergessen, mich zu fragen, wie ich das letzte Jahr eigentlich im Sinn gehabt hätte….


Mit 45, so dachte ich gänzlich naiv und fälschlicherweise, würde mein Leben geruhsam, angenehm und gemächlich dahinplätschern. Angekommen dort, wo ich angelangen wollte und nun genießend, was ich mir erarbeitet hatte.


Allein das Leben hatte andere Pläne, nur vergessen, mich vorab einzuweihen.


Als da wäre mein maroder Körper. Hier und da streikte so das ein oder andere Organ, zickte und herum und war darauf bedacht, mehr Aufmerksamkeit von mir zu erlangen.

Ich gehe davon aus, dass die ein oder andere Körperstelle darauf aus war, dass ich nun endlich (mit 45 wird es wohl Zeit), den Sport für mich entdecken würde.

Nachdem das trotz aller Zickerei nicht gelungen ist – ich kann da durchaus sehr stur sein- landete ich bei der Krankengymnastik.


Krankengymnastik ist genaugenommen auch so etwas wie Sport, zumindest fühlt es sich so an. Der Unterschied ist der: Man kann einfach nicht mogeln und so tun als ob. Ständig hat man jemanden an der Seite, der darauf achtet, dass man wirklich tut, was einem gesagt wird. Krankengymnastik ist folglich sehr viel anstrengender als Sport, aber bitte, das hat mir meine Sturheit nun eingebracht.


Die Sache mit dem Hautkrebs war so an und für sich auch nicht wirklich eingeplant gewesen. Mein Gesicht wäre ganz gut ohne ausgekommen, gut, aber auch da hat mich niemand um Rat gefragt, wobei ich sicher das ein oder andere dazu zu sagen gehabt hätte.

Ich verstehe diese Ignoranz mir gegenüber auch gar nicht. Als ob man beim eigenen Körper nicht wenigstens minimal mitzureden hätte.

Ja, sicher, wenn man mich mitreden lässt, kann das in anderseitige Ignoranz ausarten, wie das Beispiel mit den Hörgeräten zeigt. Natürlich höre ich mit den Teilen besser, aber das ist durchaus nicht immer von Vorteil – wie ich schnell bemerkte und begriff. Kurzzeitig waren mir die Teile sogar verloren gegangen, bis ich entdeckte, dass ich einen wunderbaren Platz im Aktenschrank für sie geschaffen hatte.


Und dann wären da noch diese nicht diagnostizierbaren Brustkrämpfe, die mich hin und wieder plagen und mir eine sorgenvolle Nacht im Krankenhaus einbrachten mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt.

Glücklicherweise war es keiner, nur ein weiterer Warnschuss, den ich dann durchaus ernst genommen habe.


45 und mein Körper drangsaliert mich. „Du wirst alt, Kind“, sprach meine Mutter und verwies direkt darauf, dass ich bitte doch auch abzunehmen hätte….

 

Dabei fühle ich mich gar nicht wie 45.

Nicht, dass ich wüsste, wie sich das anfühlen müsste, ich meine, ich war zuvor ja noch nie 45 und übe das jetzt erst seit August, aber mir scheint, dass ich innerlich eher pubertiere.

Überhaupt erscheint mir 45 die zweite Pubertät zu sein. Da sprießen wieder Pickel, es wachsen einen schwarze Haare am Kinn (okay, das ist jetzt eher vielleicht ein Altersproblem und wenig pubertär, aber weiß man, was so eine  45er Pubertät mit sich bringen kann?).


Dann die Sache mit der Liebe. Vergessen wir es einfach. Auch ich habe nun begriffen, dass die Sache mit dem Prinzen eher nur in Filmen zu finden ist.

(Fairerweise muss ich gestehen, dass ich persönlich auch ein klein wenig weit weg bin vom Prinzessinnenideal.)


Kurz auf den Punkt gebracht: 2014 war irgendwie ein krankes Jahr.


Dabei sprachen wir noch nicht von all den beruflichen Baustellen, die das Jahr so neben den privaten Abstürzen mit sich brachte.

Praktisch flog ich nahezu von einem Tief ins nächste und hätte ich nicht besonders liebe Menschen an meiner Seite gehabt, wäre ich möglicherweise nie wieder herausgekommen aus diesen Absturzstellen.

 

2014 hatte aber auch viele fröhliche Momente und Augenblicke voller Lachen und Leben, die all die Tränen vergessen ließen.


Überhaupt Tränen. Hat der Körper das irgendwie so eingerichtet, dass man mit 45 eher heult? Nein, wir reden hier auf keinen Fall über hormonelle Problemchen oder gar sowas wie die Wechseljahre.


Wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist Wechseljahre vielleicht genau der passende Begriff für diesen Lebensmoment.

Veränderungen, Lebensformwechsel, neue Wege … mal abgesehen von den Hormonpartys, die da ungefragt in mir gefeiert werden, meint Wechseljahre vielleicht auch nichts anderes, als sein Leben einfach noch einmal radikal zu ändern.


Entgegen allen Ängsten, körperlichen Zickereien, Tränen und Unabwägbarkeiten, den Mut zu haben, sich von Altem und Bewährtem, Vertrautem und Sicherheit gebenden zu trennen, um  Reißaus zu nehmen vor der lähmenden Gewöhnung.

Veränderungen können weh tun, aber auch sehr heilsam sein.


Und nein, ich rede immer noch nicht vom Sport, auch wenn das (theoretisch jetzt) passen würde.


Ich rede einfach davon, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen und sich auf den Weg zu machen, glücklich zu sein.



2015 kann kommen!

Ich wäre dann so weit…..

 

augenBloglich 25.12.2014, 08.33| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Über das Glücklichsein

Eine ganz besondere Freundin erwähnte neulich, sie habe darüber nachgedacht, welche Menschen aus ihrer Umgebung eigentlich richtig glücklich wären. Sie konnte genau eine Person benennen, von der sie meinte, diese sei glücklich und daraufhin beschloss jene Freundin, sie sei ebenfalls glücklich.


Ich fand diese Aussage aus zwei Gründen sehr bemerkens- und vor allem nachdenkenswert. Zum einen gehörte ich offensichtlich zu dem Personenkreis, der als nicht glücklich, demnach also als unglücklich (?) angesehen wurde und des Weiteren stolperte ich über den simplen Beschluss, glücklich sein zu wollen…


Mich ließ das Thema nicht los, da ich, wenn ich die Wahl hätte, unglaublich gerne ein Mensch wäre, der sein inneres Glück nach außen strahlen könnte. Am Abend selber kamen wir nicht mehr auf dieses Thema zurück, sondern besprachen -bei dem ein oder anderen Glas Wein - andere, nicht weniger wichtige Themen.

Es lag jedoch nahe, darüber nachzudenken, was genau Glück eigentlich ist. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so differenziert werden höchstwahrscheinlich unsere Definitionen von „Glück“ ausfallen. Erfahrungsgemäß kann ich für mich behaupten, dass Glück kein permanenter, allumfassender Dauerzustand ist, sondern sich eher in vielen kleinen Momenten und Augenblicken zu erkennen gibt.

Im Alltagstrubel übersehe ich das Glück nur viel zu schnell, viel zu leicht und leider auch viel zu oft. Ist der Kopf randvoll gefüllt mit Plänen, kleinen oder größeren Sorgen oder Ärgernissen, Terminen und dem ganz alltäglichen Beschäftigungen, fällt es zuweilen schwer, Glück empfinden zu können. Die innere Hetze, die eigene gedankliche Mobilität und das permanente alltägliche Organisieren lässt mitunter wenig Raum für das, was wir allgemein als Glück bezeichnen.
Das bedeutet nicht, dass das Glück nicht vorhanden ist, lediglich, dass es schwer hat, sich durch den Alltag zu kämpfen und sichtbar zu werden.
Dieses dichte und wüste gedankliche Kopfgedränge zerquetschen das Glück hin und wieder. Und dennoch stiehlt es sich, heimlich, still und leise dann und wann an die Oberfläche und zeigt sich in seiner warmen und beseelenden Präsenz. Und es sind jene Momente und Augenblicke, die uns dann wieder durch die nächsten Termine, Alltäglichkeiten, Sorgen und durch die Hektik des Alltags tragen.


Sonderbarerweise – oder vielleicht ist es gar nicht so sonderbar, wie es mir erscheint – sind es nicht immer die großartigen Momente, in denen das Glück sich berieselnd durch den Körper schleicht. Meistens zeigt es sich, wenn ich gar nicht damit rechne. Nicht bei einer außergewöhnlichen Reise oder wenn das Konto prall gefüllt ist.

Nein, ich muss nichts weiter tun, als faul, träge und mit zerzausten Haaren in einem alten T-Shirt im Bett zu liegen, von Büchern umgeben und stundenlang zu lesen….

Ich sah nicht gerade aus, als wollte ich so das Glück empfangen. Um nicht zu sagen, ich war gar ungeduscht und der Wein des Vorabends saß mir noch in den Gesichtsfalten. Von Büchern umgeben, eine Flasche Wasser am Bett stehend, las ich gerade „Eat, pray and love“ aus, als es zu Besuch kam.

Das Glück.

Ich hatte es - unfreundlicherweise – gar nicht eingeladen. Es kam einfach spontan vorbei und zeigte sich in diesem unglaublich warmen und zufriedenem Gefühl, das einen wissen lässt, es ist alles in Deinem Leben gut und Du bist an der Stelle in Deinem Leben, an der Du sein solltest und möchtest.

Der Augenblick war gänzlich frei von Plänen, Gedankenstürmen oder –kämpfen, Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten. Ich lag einfach nur entspannt da, hatte nichts weiter zu tun und bekam diesen kleinen, subtilen inneren Tritt, der es einem ermöglicht, das eigene Leben gleichsam von außen zu betrachten, gänzlich entspannt, um zu erkennen, alles ist gut, so wie es ist.

Und die Gedanken an alles, was das Glück in meinem Leben ausmacht, purzelten nacheinander, ordentlich in Reih und Glied, aus meinem Herzen, hinein in meinen Kopf. Dort schlummern sie nun und sind jederzeit abrufbar, wobei das Herz nun Platz gemacht hat für neue, weitere, glückliche Herzmomente.

Und nun liegt es an mir, sie hervorzuholen, diese Momente und in ihnen zu baden, sich mit ihnen zu umgeben und aus ihnen Kraft zu schöpfen.

Natürlich bin ich glücklich.

Solange das Glück sich hin und wieder zu mir schleicht, sich offenbart und mir diesen kleinen, festen Tritt gibt, bin ich ein glücklicher Mensch, der von diesen Momenten zehren kann.

Es kommt jedoch immer nur dann, wenn ich nicht hartnäckig und beständig danach suche. Einmal aufgetaucht versucht es mir deutlich zu machen, dass es mich immer umgibt. In jedem Lachen, in jedem Gedanken, in dem, was ich sehe und dem, was ich tue. Es ist nur mein Blick, der manchmal, viel zu oft, zu getrübt ist, um das Glück zu erkennen. Ich kann nicht beschließen glücklich zu sein.

Ich kann nur versuchen, meinen Blick zu klären und zu schärfen und das Glück zu sehen und zu erkennen. Glück ist niemals Passivität. Es liegt an mir selber, es aktiv in mein Leben einzubeziehen und mich in den düsteren Augenblicken des Lebens just daran zu erinnern…..

augenBloglich 03.03.2014, 11.46| (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25