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Thema: Gedanken

Zufällig hineingeboren!

Seit Monaten beobachte ich nun schweigsam die politischen Entwicklungen in unserem Lande und die Reaktionen unterschiedlicher deutscher Bürger.

Mein Schweigen ist jämmerlich, geschuldet der Tatsache, dass ich mich hinter einem „Was kann ein Einzelner schon bewirken?“ versteckt habe. Vielleicht schreckte ich auch davor zurück, mich klar zu positionieren aus Angst, als GUTMENSCH beschimpft zu werden.

Dabei bin ich gerne ein guter Mensch, wenn es so etwas überhaupt gibt. Vor allem aber bin ich gerne Mensch!

Es wird Zeit, die eigenen Gedanken zu äußern, auch wenn dies nur ein kleines Zeichen sein kann.

Aber ist zumindest eines!

Alles ist besser, als zu schweigen.

Ich bin durch einen glücklichen Zufall in dieses Land hineingeboren worden. Meine Hautfarbe ist ein ebensolcher Zufall, auch die Tatsache, dass ich in einer christlichen Familie groß wurde, in der der Glaube jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Mir gehört dieses Land nicht. Ich kann über nichts und niemanden in diesem Land verfügen.

Ich bin auch nicht stolz darauf, eine Deutsche zu sein, denn stolz bin ich nur auf das, was ich durch eigene Taten in meinem eigenen kleinen Umfeld bewirkt habe und bewirken kann.

Es steht mir nicht zu, über andere Religionen, Hautfarben, Interessen und Meinungen zu urteilen.

Nur, weil ich Atheistin bin, bedeutet das nicht, dass andere nicht glauben dürfen.

Nur, weil ich kein Kopftuch trage, bedeutet das nicht, dass andere das nicht dürfen.

Ich kann mir eine eigene Meinung bilden, ich kann für mich und mein eigenes Leben Entscheidungen treffen und feststellen, dass die ein oder andere Lebensweise für mich nicht passt, aber es obliegt mir nicht, andere Lebensweise zu verurteilen.

Ich muss nicht unbedingt verstehen, um tolerieren zu können!

Dies ist nicht mein Land, nur weil ich hineingeboren wurde. Wer also bin ich, darüber zu urteilen, wer hier leben möchte?

Fremdes macht mir keine Angst, ich kann mich darauf einlassen, mich distanzieren ohne zu verletzen, beobachten oder lernen.

Neues ist nicht grundsätzlich schlecht oder verwerflich, es erweitert meinen Horizont und ich lerne, dass ich nicht der Nabel der Welt bin und meine Lebenseinstellung nicht das non plus Ultra.

Vielfalt kann mich bereichern, ohne dass ich Angst haben muss morgen im Nachteil zu sein.

Mir nimmt niemand etwas weg. Ich kann mein Leben leben und andere nebenan ihr Leben leben lassen. Mir muss das nicht unbedingt gefallen, aber ich kann akzeptieren, dass andere nicht so leben wie ich und vielleicht auch nicht so leben möchten

Auch ich bin anders, für andere. Auch mein Lebensstil entspricht nicht den Vorstellungen anderer Menschen und diese müssen nicht einmal einem anderen Kulturkreis entstammen.

Es geht mir so gut, dass ich teilen kann. Dieses Land, das mir ohnehin nicht gehört.

Mein Leben wurde bislang von vielen glücklichen Zufällen bestimmt. Anderen Menschen blieben diese glücklichen Zufälle versagt.

Wer bin ich, darüber zu urteilen, dass sie ihr Leben ändern, verbessern, erleichtern wollen?

Würde ich nicht dasselbe tun, wäre ich in ihrer Situation?

Mich kann niemand überfremden, denn ich bin selbst eine Fremde.

Überall auf der Welt und selbst in meinem kleinen Umkreis.

In jedem Kulturkreis, in jeder Nation gibt es Menschen, die Regeln brechen, die terrorisieren, die kriminell werden, vor denen ich Angst haben muss.

Doch diese Angst bestimmt glücklicherweise nicht mein Leben, das Leben anderer Menschen aber durchaus.

Nur weil einige wenige in einigen Nationen radikal und aggressiv agieren, kann ich nicht ganze Nationen verurteilen.

Ich möchte auch nicht für die Taten anderer Deutscher verantwortlich gemacht werden.

Geurteilt werden kann nur über meine eigenen Taten, Fehler und Handlungen.

Mir ist unklar, woher die Furcht vieler Menschen vor Überfremdung kommt. Ich weiß nicht, wie sie dieses Wort überhaupt definieren.

Mir ist diese Angst FREMD.

Dass ich Deutsche bin ist nichts weiter als ein glücklicher Zufall.

Dass ich Atheistin bin ist meine eigene bewusste Lebensentscheidung.

Ich bin hellhäutig ohne mein Zutun.

Das Schicksal hat es mit mir gut gemeint.

Warum sollte ich anderen missgönnen, was mir selbst vergönnt ist?

 

In erster Linie bin ich Mensch unter Menschen. Jeder einzigartig!

Ich würde mir wünschen, wir würden uns einfach aufs Menschsein besinnen!

Jetzt sofort und immer. Vielleicht wäre das ein erster Schritt!

augenBloglich 19.11.2016, 16.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL

HIER und JETZT oder die Scheinwechseljahre

Ich kann den Zeitpunkt nicht benennen, an dem mir die Fähigkeit abhanden kam, ausschließlich im HIER und JETZT zu leben und mich auf den Augenblick zu fokussieren.

Zu sitzen, wenn ich saß. Zu liegen, wenn ich lag. Zu lesen, wenn ich las. Zu essen, wenn ich aß. Zu schreiben, wenn ich schrieb. Zu denken, wenn ich dachte…..

Und das alles in Ruhe, mit Bedacht und mit großer Bewusstheit.

Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass meine Gedanken bereits zum nächsten oder übernächsten Schritt hasten, während mein Körper noch im Jetzt verweilt.

Das Handeln kann mit dem Denken nicht mehr Schritt halten und mein Denken scheint nicht bereit, das Tempo zu verlangsamen.

Oder anders ausgedrückt, es gelingt mir nicht, meine Gedanken im Hier und Jetzt verweilen zu lassen, ihnen die Hektik zu nehmen, mich nicht von ihnen drängeln und hetzen zu lassen.

Es ist nicht die heutige Zeit, auch wenn ich das immer wieder lese.

Auch Zeitgeist, Medien und Umwelt haben nicht wirklich viel mit dem zu tun, was in meinem Kopf geschieht. Nur ich kann mein Denken steuern und lenken.

Immer erstrebenswerter erscheint mir die Kunst der Langsamkeit, des Fokussierens, des Innehaltens, des DASEINS.

Ich habe meine innere Ruhe verloren und ich weiß nicht so genau wann und wo.

Meine Gedanken dominieren mein Handeln, sie lassen mich nachts nicht oder kaum schlafen, bewegen sich rasant schnell von hier nach dort und besitzen die unangenehme Neigung ausgerechnet des Nachts im tiefsten Dunkel zu verweilen.

Morgens steigen sie dann fröhlich und lebenslustig aus dem Gedankenkeller hervor und lachen über die nächtliche Trübsal.

Begeben sich zugleich wieder auf die Gedankenautobahn, direkt auf die Überholspur, gerne mit Fernlicht und drängelnd.

Meine Gedanken sind Rowdies. Üble Krawallmacher, die mich durchaus tyrannisieren und sich heimlich, still und leise – hinter meinem Rücken versteht sich – über mich lustig machen.

Ich schieb es auf die Wechseljahre. Die Wechseljahre – übel genug – können zumindest für alles herhalten, für das ich keine Erklärung finde.

Und das ist, ich staune selbst immer wieder, doch sehr viel.

Die Vergesslichkeit zum Beispiel. Ganz klar eine üble Begleiterscheinung der Wechseljahre. Die Hormone bringen da alles Mögliche durcheinander und schwupps, schon wird der Montag zum Mittwoch, das Glas Gurken zu Schokoküssen und der Schlüssel bleibt verschwunden.

Oder diese Schlaflosigkeit. Möglicherweise wird Schlaf überbewertet. Die Hormone amüsieren sich und das geht offensichtlich nur in einem Ausmaß, das mir den Schlaf raubt.

 

Oder aber die Tolpatschigkeit. In frühen Jahren war es die kleinkindliche (und durchaus niedliche) Tolpatschigkeit, die von den Erwachsenen so gerne belächelt wird.

Damals galt ich noch als niedlich, wenn ich stolperte oder etwas verschüttete.

In der Pubertät war es eben die Pubertät, da bedurfte es keiner weiteren Erklärung, der Niedlichkeitsfaktor hielt sich schon da in Grenzen.

Heute müssen es die Wechseljahre sein, die es mir erschweren, Auge und Hand (oder wahlweise Fuß) zu koordinieren. Ich wage den Niedlichkeitsfaktor nichtmal anzudenken.

Und die Wechseljahre – so beschloss ich – lassen mich auch nicht mehr in HIER und JETZT verweilen.

 

Es heißt ja auch W E C H S E L jahre, weil ständig etwas wechselt.

Die Gedanken jetzt zum Beispiel. Gerade eben können sie noch hier bei meinem Geschreibsel sein und im nächsten Moment kreischen sie: „Schokolade!“

 

(Das Wort Schokolade ist beliebig gewählt und durchaus austauschbar. Allerdings nur durch äußerst ungesunde und kalorienhaltige Nahrungsmittel ersetzbar!)

 

Oder Pickel.

Klar, bei Schokolade liegt die Assoziation „Pickel“ einfach nahe. Ich hatte in der Pubertät genug, warum bitte meinen die Wechseljahre mir nun auch noch Pickel bescheren zu müssen?

Das richtig Üble an den Wechseljahren aber ist, dann man gar nicht drin ist, obwohl man schon sämtliche Symptome hat.

Scheinwechseljahre sozusagen.

Das ist die Zeit, die schonmal auf die eigentlichen Wechseljahre vorbereitet – nehme ich an.

Mit den Pickeln bin ich bis dahin durch.

Mit der Schokolade eher nicht.

Verdammt.

augenBloglich 15.04.2016, 19.06 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Alleinsamkeit

Der schmale Grat zwischen Neid und Bewunderung lädt förmlich zum Straucheln ein.
Ich habe mir abgewöhnt Menschen um Charakterzüge, Aussehen und Fähigkeiten zu beneiden, als ich merkte, dass der beständige Vergleich mit anderen Menschen mir mehr schadete als nützlich war.

Das Beneiden führte nahezu immer dazu, mich selbst zunehmend unzulänglicher zu fühlen.
Also begann ich, den Blick darauf zu richten, was ich lernen kann von jenen Menschen, die ich einst beneidete.

Neid ging nahtlos in Bewunderung über, manchmal auch in Staunen über die Fähigkeiten und Talente anderer Menschen.

Neulich sagte mir jemand, er beneide mich.
Ich war sehr erstaunt.
Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, irgendjemand könne mich um irgendetwas beneiden.

"Ich beneide Dich um Deine Trennung! Ich wünschte, ich stünde an Deiner Stelle!"

Es trennt sich nicht so leicht.
Das ist mein Fazit der letzten Wochen und der vergangenen zweieinhalb Jahre.
Alles braucht Zeit.

Zu beneiden heißt auch, sich selber in eine Passivität zu drängen. So zumindest habe ich es erlebt.
Schwieriger ist es, sich selbst auf den Weg zu machen.


Das Vergleichen mit anderen Menschen, in gänzlich anderen Lebenssituationen, mit anderen Ausgangslagen, Fähigkeiten, Talenten und Lebenswelten führt unweigerlich dazu, dass man den Blick für das eigene Leben verliert. Die eigene Wertschätzung droht, abhanden  zu kommen.

Die Tatsache, dass mich wer um irgendetwas beneidet hat mir auch nocheinmal bewusst gemacht, wie sehr Inneres und Äußeres sich unterscheiden.
Oder anders gesagt, wie gut, dass man die Fähigkeit besitzt, das Innere nicht zwingend nach außen sichtbar zu machen.

Es gibt keinen Grund, mich zu beneiden.
Wie jeder andere Mensch gehe ich meinen Lebensweg, mal strauchelnd, mal zögerlich, mal mutig und zielstrebig.

Der Punkt, die Trennung betreffend ist doch der: Die Angst, vor dem Alleinsein. Die Angst davor, etwas aufzugeben, was man nie wiedererlangen wird.
Dass das Alleinsein eine derartige Angst erzeugen kann, das schrieb ich neulich schon, empfinde ich als erschreckend.

Kraft aus sich selbst zu ziehen, sich selbst zu genügen ist offensichtlich eine verloren gegangene oder wenig geschätzte Fähigkeit in der heutigen Zeit.
Darüber hatte ich mir vor meiner Trennung nie Gedanken gemacht.

Sorgen hatte ich natürlich, aber die bezogen sich niemals auf das Alleinsein. Mehr darauf, was alleine zu bewältigen und zu schaffen ist.Ich genüge mir durchaus.
Das mag daran liegen, dass ich ein derart komplizierter Mensch bin, dass meine verworrenene Gedankengänge mich hin und wieder gänzlich auslasten.
Das Definieren über einen Partner finde ich nicht nur befremdlich, ich empfinde es der eigenen Person gegenüber sogar als unfair.

Anders sieht es hingegen mit Freundschaften aus. Sich selbst zu genügen birgt die Gefahr, sich irgendwann gedanklich im Kreise zu drehen.
Deshalb bin ich unendlich froh, Menschen um mich zu haben, die für mich da sind, die mir helfen, mir ihr Ohr leihen, mir aber  - durchaus berechtigt - auch mal den Kopf zu waschen.

Ohne diese Menschen würde das Alleinsein sehr schnell in eine Alleinsamkeit umschlagen.
Und Alleinsamkeit ist der erste Schritt zur Einsamkeit - ein Zustand, der nicht nur krankmachend sein kann, sondern weitaus mehr Übel verursachen kann.


Ich möchte auch gar nicht beneidet werden. Das hebt eine Situation auf einen unangemessenen Podest. Damit fühle ich mich unwohl.

Die Menschen, deren Fähigkeiten und Talente ich bewundere, bereichern allesamt auf die ein oder andere Weise mein Leben.
Ich kann ihnen zuschauen, sie beobachten, ihnen zuhören, mit ihnen lachen, leben, sie liebhaben. Und ich kann so viel von ihnen lernen - ohne jemals wie sie zu sein.

Es gibt sehr viel für mich zu lernen.
Jetzt, in dieser neuen Lebenssituation.

Aber auch zuvor.

Ohne eine wirklich wichtige Freundin, wäre mein Weg nicht der Weg gewesen, den ich nun gegangen bin und gehen konnte.
Manchmal habe ich das Gefühl, in den vergangenen fünf Jahren mehr gelernt zu haben, als in all den Jahren zuvor.
Auch mehr über mich selbst.

Aber natürlich kenne ich das Gefühl, was einen überkommt, wenn es einem anderen Menschen - möglicherweise einem fremden - gelingt, die eigenen  Gefühle in Worte, Musik oder Bildnissen umzusetzen, dass man staunend davor steht und sich untalentiert, klein und unfähig vorkommt, angesichts des Talentes und der Fähigkeiten des anderen.

Machnmal hilft es, sich dann an diesen Worten, Texten und Musikstücken zu erfreuen und das davon mitzunehmen, was für den eigenen Lebensweg prägend und hilfreich ist.

"Du musst mich nicht beneiden!", war meine Antwort. "Wenn Du auch nur annähernd wüsstest, was für ein chaotischer und innerlich verknoteter Mensch ich bin, würdest Du Dich niemals an meine Stelle wünschen!"

Man glaubte mir nicht.
Das ist das Schwierige an der Wahrheit.
Sie tarnt sich manchmal als Understatement.

Aber es ist nur Tarnung.
Die fliegt schneller auf, als man denken kann.....

augenBloglich 25.01.2015, 21.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Halber Mensch

Für die meisten Menschen scheint man ohne Partner nur noch ein halber Mensch zu sein.
Mich erschrecken entsprechende Äußerungen immer wieder und in zunehmendem Maße.

Ich habe mich damit abgefunden, dass nur wenige Wochen nach der Trennung - einige Tage nach dem Auszug des Partners - so gut wie niemand mehr ein Interesse daran hat, zu erfahren, wie es mir mit der Situation geht.
Fragen nach dem Befinden wurden sehr schnell eingestellt - nicht von allen Menschen, aber von den allermeisten.
Trennungen sind kein beliebter Gesprächsstoff und ich könnte nun mutmaßen, warum dem so ist.

Aber damit würde ich vermutlich vielen Menschen Unrecht tun, von daher behalte ich mir vor, darüber nachzudenken, warum ich nun mit Sprüchen alá:

"Es gibt ja auch noch andere Männer!" oder Fragen wie: "Oh, je wie kommst du denn nun mit dem Garten klar?" konfrontiert werde.
Auch gerne genommen:

"Du bist doch viel zu jung, um ohne Partner zu leben!"

Ich wusste nicht, dass es diesbezüglich ein Verfallsdatum gibt.
Die Option, nach einem Lebensphase mit zwei langjährigen Beziehungen nun einfach einmal das Alleinsein zu genießen, sich befreit zu fühlen, sich selbst zu genügen, kommt vielen gar nicht erst in den Sinn und macht man diese Menschen darauf aufmerksam reagieren sie sehr irritiert oder starren mich mit diesem "ist-die-jetzt-total-durchgeknallt-Blick" an.

Mich erschreckt das.
Definiert sich ein Großteil der Menschheit ausschließlich über einen Partner oder in einer Beziehung?

Stecken wir wirklich 2015 immer noch in längt verjährt geglaubten Rollenklischees, die den Gedanken daran, dass Frauen auch Rasen mähen können und Schuhschränke reparieren so unrealistisch erscheinen lassen?

Oder ist es sehr viel persönlicher und man traut mir nicht zu mit den Lebensalltäglichkeiten fertig zu werden?

Ich weiß es nicht. Nicht genau.

Mich schreckt die Hausrevolte nicht (mehr), all die Teile, die hier nach und nach kaputt gehen, ihren Geist aufgeben, zerfallen, zusammenfallen, nicht mehr funktionieren.
Natürlich ist es Zufall - könnte man meinen.
Vielleicht aber auch lediglich das Zeichen dafür, dass es endlich an der Zeit ist, neue Lebensbereiche für sich zu entdecken, neue Dinge zu lernen und sich nicht länger bequem zurückzulehnen und den Partner machen zu lassen.

Zudem ist es doch so, dass es derart wenige und überschaubare Lebensbereiche sind, dass das Gefühl der Angst oder Überforderung  gar nicht erst aufkommen kann.
Es überkommt mich eher ein Gefühl des Genervtseins, weil ich nun Zeit in das Erlernen neuer Dinge investieren muss, die ich vielleicht lieber anders verbracht und genutzt hätte.
Aber das wirklich Gute an der Situation ist doch, dass sie die eigene Person stärkt und man nach einer gewissen Weile zurückblicken kann - davon gehe ich jetzt einfach mal aus - und zu entdecken, dass man mehr zu leisten vermag, als man sich ursprünglich zugetraut hat.

In vielen Gesprächen der letzten Wochen habe ich feststellen müssen, dass auch andere Menschen in Beziehungen leben, die nach außen vielleicht intakt erscheinen, aber einem längst nicht mehr das zu geben vermögen, was man sich einst erhoffte.

Aber, das weiß ich nun aus bitterer Erfahrungen, man trennt sich nicht so leicht.

Gewohnheiten, jahrelange Routine, Vertrautes ..... niemand gibt das Leichtfertig auf, denn Neues, Unbekanntes, Unvertrautes ist immer mit einem Hauch Angst und einer Spur Unsicherheit versehen.
Man durchschreitet nicht einfach Raum um Raum, so wie Hesse es schreibt, und lässt Wohnliches, Liebgewonnenes, Heimat hinter sich.

Unser Innerstes lässt sich nicht so schnell los, hofft, wo die Hoffnung naiv ist und klammert, statt sich zu lösen.

Das "halbe Mensch Syndrom" gehört mit in diese Kategorie. Das hatte ich nicht geahnt, nicht gewusst und hätte es auch niemals für möglich gehalten.

Mich fragte eine ganz wichtige Freundin unmittelbar vor und in der Trennung, wo denn mein Überlebenstrieb wäre und ich antwortete damals sinngemäß, ich hätte keinen.

Heute erst verstehe ich, was sie wirklich meinte und vielleicht braucht es - wie alles im Leben - ja auch einfach Zeit, einen solchen zu entwickeln.
Mittlerweile spüre ich ihn und nehme die Herausforderung gerne und offen an.

Ich kann eine Heizung neu starten und weiß was F28 bedeutet, wenn es im Display steht. Mich schreckt die Maus in der Garage nicht und ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt mit der Hand zu spülen, weil E24 noch in der Werkstatt weilt. (Gut, über diesen Punkt lässt sich noch streiten!)

Ich werde heute den Schuhschrank reparieren, hoffentlich ohne Tote, und kenne die Telefonnummern der Betriebe, die hier helfen können, wenn ich alleine nicht weiter weiß.

Diese Trennung lehrt mich Vieles. Unter anderem Geduld mit mir selbst.
Aber vor allem lehrt sie mich Neues über die Menschen um mich herum.
Ich finde das spannend und beobachte fasziniert all die Reaktionen, die weitaus mehr über andere Menschen verraten, als diese vielleicht annehmen.

Ich fühle mich nicht halbiert.
Im Gegenteil.
Viel eher fühle ich mich endlich wieder als ganzes ICH und beginne stolz darauf zu sein!

augenBloglich 17.01.2015, 07.45 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ambivalenz

Ist es nicht die Trennung an sich, die mir Sorgen bereitet, so schaue ich mehr darauf, wie ich mit der aktuellen Situation umgehe.


Meine ambivalenten Gefühle strengen mich zuweilen sehr an und sind verbunden mit häufigen und vor allem unerwarteten Stimmungsschwankungen, die mir ein wenig von der eigentlichen Leichtigkeit der Situation nehmen.


Zum einen fühle ich mich wie befreit und durchaus auch stolz, einen Schritt gewagt zu haben, vor dem ich aus lähmender Gewöhnung, Angst vor dem Unbequemen und Ungewissen sowie sicherlich auch aus falscher Rücksichtsnahme eine sehr lange Zeit zurückscheute, mich drückte, mein Leben lieber in bekannten Bahnen verlaufen ließ.


Zum anderen überkommen mich zuweilen Schuldgefühle, weil ich nicht diejenige bin, die gehen und ausziehen muss, sondern die in der gewohnten Umgebung bleiben wird.


Ich empfinde weniger Verlust, als mehr die Sorge darüber, wie der gehende Partner mit der Situation umgehen wird und kann.


Und dann wieder überkommt mich eine kurzzeitige Lebenslähmung, in der ich nichts mit mir anfangen mag, mich in meine Gedanken zurückziehe und merke, dass man wichtige Lebensschritte, sei man von noch so vielen lieben  Menschen umgeben, im Grunde immer gänzlich alleine gehen muss.


Die Kunst besteht darin, sich aus diesen Lebenslähmungen schnellstmöglich zu befreien, um nicht mit einem Male triefend im Selbstmitleid zu stehen und sein Leben an sich vorbeieilen zu lassen.


Was dem Leben sicherlich viel weniger ausmachen würde als mir.


Mir gefällt das Helle, Leichte, Entlastende an der Situation. Der Neubeginn, die neue Chance, die Rückkehr zu eigenen Wünschen und Bedürfnissen.


Aber mir ist durchaus bewusst, dass es das eine nicht ohne das andere gibt.


Das Helle nicht ohne das Dunkle. Der Neubeginn nicht ohne ein Ende.


Die Ambivalenz der Gefühle gehört sicherlich ebenso dazu und ist vielleicht ein Stück Verarbeitung.


Während ich meistens mit funkelnden Augen und ideensprudelnd durch mein Leben navigiere, überkommt mich hin und wieder eine minikleine Wehmut, die sich glücklicherweise mit einem entspannenden Bad schnell wieder vertreiben lässt.


Möglicherweise wachsen mir bald Schwimmhäute, aber die können ja bei der Eroberung neuer Lebensräume durchaus von Nutzen sein.



augenBloglich 08.01.2015, 16.58 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Silvester

Der Silvesterabend liegt mir schwer und bleiern im Magen. Ich mag Silvester nicht.

Vermutlich mochte ich Silvester als Kind, allein schon wegen des späten Zubettgehens und des Feuerwerks, aber meine Erinnerungen daran sind trübe und kaum vorhanden. Und in den erinnerungsfähigen Jahren war Silvester zumeist mit Erwartungen überhäuft, die der Abend nie erfüllen konnte.

 

In diesem Jahr haben wir keine gute Lösung gefunden. Die Trennung kam sozusagen dazwischen. Während die eine Tochter erstmalig mit ihren Freundinnen feiern möchte, aushäusig, und das auch gerne darf, möchte die andere Tochter auf keinen Fall irgendwo hin unter andere Menschen, sondern schlicht zu Hause bleiben.

 

Nun hätte ich Vater und Tochter natürlich hier allein lassen können, aber das würde ich als befremdlich empfinden und auf die Schnelle findet sich auch keine aushäusige Möglichkeit.

Ich mache mir nichts aus der Silvesternacht. Umbrüche, Veränderungen und Aufbrüche machen nicht Halt vor einem Jahreswechsel oder beginnen mit einem solchen.

 

Es ist Zufall, dass es hier und heuer zwar genauso ist, aber das hat nichts mit dem Jahresende und Neubeginn zu tun.

 

Obwohl ich gestehe, dass ich mich freue, wenn 2014 einfach zuende geht und zwar ohne weitere Vorfälle, Krankheiten oder anderen gravierenden Ereignissen. Das alte Jahr hatte davon eine Menge zu bieten und ich freue mich, wenn das neue Jahr ruhiger beginnt.

 

Ginge es nach mir, würde ich den Jahreswechsel schlicht verschlafen.

Nun geht es aber im Leben immer und grundsätzlich nicht ausschließlich um mich und ich denke, wir werden den Abend pizzazubereitend und uns sonstwie unterhaltend verbringen.

Letztlich liegt es ja uns, ihn zäh und endlos oder unterhaltsam werden zu lassen.

 

Natürlich bin ich gespannt, was das neue Jahr bringen wird. Unabhängig davon, ob ich Silvesterabende mag oder nicht, verfalle auch ich dem damit verbundenen Neubeginn und Ungewissen.


augenBloglich 31.12.2014, 10.01 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Unterschiede

Für niemanden ersichtlich, aber für mich deutlich spürbar, nehme ich jeden Tag neue, winzig kleine Veränderungen wahr.
Unterschiede, die mein Leben nachhaltig verändern, seit die Trennung vollzogen ist.
Das Warten auf die ausstehende, aber nahende räumliche Trennung hat durchaus etwas Zermürbendes, gibt aber auch immer wieder Hoffnung auf einen Neubeginn.

Zum ersten Mal gespürt, dass sich etwas in mir verändert hat, habe ich als ich neulich - ich täuschte einmal mehr Hausarbeit vor - unvermittelt "Friend in a bar" von Tina Dico hörte.

Nun muss man wissen, dass, wann immer ich dieses Lied hörte, ob live, im Radio auf Youtube...... unabhängig von Zeit und Raum, die Tränen flossen. Unaufhaltsam. Nicht, dass ich hätte etwas dagegen machen können.
Natürlich war mir bewusst, dass die Tränen flossen, weil ich mich in einer Opferhaltung wähnte und mich fühlte, wie jene besungene alte Freundin:


"She looked so much older I`d have to say
She used to dress so lovely and smart
And now her colours, they were faded and her hair was a mess
Her expression was tired and hard"


Und ebenso natürlich wäre ich lieber gerne die Singende gewesen, jene Freundin, die mit Erschrecken die Veränderung an der anderen wahrnimmt.

Nun lief dies Lied also unvermittelt.
Ich wartete förmlich auf das Weinen, aber es blieb aus.
Verwundert eilte ich zum Spiegel, vielleicht war etwas mit meinen Tränendrüsen nicht in Ordnung, meine Lider verklebt oder eine sonstige üble Heimsuchung hätte mich überkommen.
Ich sah relativ normal aus, im Spiegel und hatte nicht den Eindruck, als könnten die Tränen nicht fließen, so sie denn wollten.
Mir kam das seltsam vor. Über Jahre war das mein Tränenlied. Immer.

Um ganz sicher zu gehen, machte ich das Lied, nachdem die letzten Töne verklungen waren, noch einmal an.
Wieder nichts.
Also nichts, außer der wunderbaren Stimme und des schönen Songs.

Dieses Mal eilte ich nicht zum Spiegel, sondern freute mich.
Ich hatte meine Opferhaltung abgelegt. Von der Passivität in die Aktivität gegangen.
Einhergehend mit starken Schuldgefühlen, aber dennoch befreiend.

Eine kleine Veränderung mit einer großartigen Auswirkung - für mich.

Es liest sich nicht annähernd so, nehme ich an, wie es sich anfühlt, aber das muss es auch nicht.

Dies war vielleicht von den minikleinen Veränderungen, die großartigste. Natürlich genieße ich es auch, dass ich besser schlafe. Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass ich wirklich perfekt und wunderbar schlafe, aber ich schlafe längere Zeiten am Stück und wenn ich tatsächlich nachts erwache, dann nicht mit tränenfeuchtem Gesicht und Problemen und Sorgen vor Augen, sondern unbeschwert und wie befreit.

Sobald ich exakt dieses  Gefühl bewusst wahrnehme, schleicht sich ein Lächeln in meine Gesicht und ich kann wieder einschlafen. Zuvor undenkbar. Stundenlanges Wachliegen war der nächtliche Alltag.
All das scheint vorbei.

Nun bin ich ja der Meinung, mein Spiegelbild müsste mir das morgens zeigen.
Ich erwartete also, aufzustehen, in den Spiegel zu blicken und Erleichterung, Befreiung und Unbeschwertheit in strahlende Schönheit umgesetzt zu sehen.
Gut, wenn schon nicht in Schönheit, dann zumindest in irgendeinem Strahlen.
Nun  hat sich das bis zu meiner Gesichtshaut möglicherweise noch nicht herumgesprochen.

Es kam auch noch niemand auf mich zu und erklärte mir, ich sähe aber erholt, anders, besser oder sonstwas aus. Die innere Wandlung benötigt offensichtlich noch ein wenig Zeit, um aus sich herauszukommen.
Bitte.
Meinetwegen.

Solange die Haut sich nicht entscheidet, die innere Wandlung mittels Pickeln und neuer Barthaare zu offenbaren, kann ich warten.

Ich übe mich solange darin, mich zurechtzufinden, in meinem neuen Leben.
Es fühlt sich sehr gut an!




augenBloglich 31.12.2014, 06.30 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Du trennst dich einfach nie allein

Die meist gesehene Geste in den vergangenen Wochen, die meine Gegenüber intuitiv machten, nachdem ich ihnen berichtete, dass ich mich von meinem Mann getrennt habe, war, spontan die Hände vor den weit offenstehenden Mund zu legen.


Wahlweise hörte man zeitgleich ein ungläubiges Stöhnen oder einen entsetzten Ausruf alá „Oh mein Gott!“ oder (mein persönliches Highlight): „Muss das denn sein?“

 


(Nein, es muss natürlich nicht sein. Wir sitzen hier spontan und unüberlegt, aus einer heiteren Laune heraus und geben bekannt, dass wir uns nach 14 Jahren Zusammensein - und mit zwei wundervollen Töchtern gesegnet - trennen!)

 


Häufig schienen die anderen Menschen trostbedürftiger als ich selber und so versicherte ich immer rasch: „Das ist okay so, wirklich!“


Im Großen und Ganzen trennt man sich offensichtlich grundsätzlich nie allein. Die allermeisten Menschen, seien es gute Freunde oder flüchtige Bekannte, haben natürlich eine Meinung zu deiner Trennung und vor allem – ob selber je getrennt oder nicht – wissen die meisten, wie man sich zu trennen hat und wie man sich bitte – das erscheint besonders wichtig – dabei zu fühlen hat.


Ohne die Menschen in Schubladen zwängen zu wollen, haben sich in der vergangenen Wochen folgende Reaktionstypen herauskristallisiert.


Zunächst wären da die weltwichtigsten Menschen und engsten Vertrauten, die hinter einem stehen, es haben kommen sehen, die Qual der letzten Jahre mitverfolgten, den steinigen Weg begleitet haben und nun immer für einen da sind, kompromisslos und wie ein Fels in der Brandung.


Ohne diese Menschen wären die letzten Wochen weitaus bitterer gewesen, es wären sicherlich noch mehr Tränen geflossen und wer weiß, ob nicht im letzten Moment meinerseits ein fataler Rückzieher gemacht worden wäre.


Dann gibt es die Mitleidenden. Die, die sehr betrübt, traurig, manchmal fassungslos reagieren und die helfen möchten, nicht wissen wie und unsagbares Mitleid haben mit uns Betroffenen.


Diese Menschen meinen es allesamt gut mit uns und schon manches Mal konnte ich sie trösten in der Gewissheit, es ist gut so, wie es gekommen ist.


Die Pragmatiker nehmen zur Kenntnis, haken ab und trauen uns zu, dass wir schon wissen, was wir tun. Es gibt, zu Recht, Wichtigeres in ihrem Leben, die Erde dreht sich weiter und letztlich ist eben nur das, was es ist: Eine Trennung im Guten.


Schwierig sind jene, die zornig sind, zaudern und nicht akzeptieren können, dass wir einen anderen als den erhofften Weg gehen. Diejenigen, die mit aller Macht und großer Hysterie versuchen, uns in ungewollte neue Chancen zu zwängen. Die Schuld zusprechen und Vorwürfe auf uns niederprasseln lassen. Glücklicherweise ist dies eine sehr überschaubare Minderheit, eine, die aber offensichtlich am meisten leidet und sich mit dem Gedanken plagt, was mögen wohl die Leute denken?


Wobei sich mir immer direkt und unmittelbar die Frage aufdrängt, von welchen „Leuten“ da die Rede ist?


„Die Leute“ haben mich noch nie interessiert, wenn es um rein persönliche Lebensentscheidungen geht, insofern lasse ich das Problem bei den zornigen Zauderern.


Am spannendsten zu beobachten aber sind die Enttäuschten.


Sie sind nicht etwa enttäuscht darüber, dass unsere Ehe am Ende ist, wir uns freundlich aber bestimmt trennen, nein, sie hofften auf eine klatschwürdige Schlammschlacht, die bislang und hoffentlich auch in Zukunft ausblieb.


Diese Menschen, jahrelang verschollen und nicht gesehen, kommen nun aus ihren „Löchern“ gekrochen  und warten darauf, die skandalträchtigen und klatschwürdigen Details unserer Trennung genüsslich auszuschlachten.


Und nun gibt es nichts zum Ausschlachten – man stelle sich diese Enttäuschung vor


Meist sind es Menschen, die selber eine unschöne Trennung hinter sich haben und nun voller Freude darauf blicken, dass es anderen ja auch so ergehen mag.


In Ermangelung von Streitigkeiten über die sie nun klatschen und tratschen können, diskutieren  sie unseren Weg in epischer Breite und Länge und stellen sämtliche unserer Entscheidungen infrage.


Auch gerne genommen, die Frage nach dem finanziellen Aspekt so einer Trennung. Auch hier große Enttäuschung, wenn das nicht breitgetreten und ausgeschlachtet werden kann.

 

So eine Trennung ist spannend. Sie offenbart nicht nur tiefe Einblicke in einen selbst und den Ex-Partner, sie zeigt schonungslos und deutlich, wer einem wohlgesonnen ist, wer Verständnis hat, wer liebt und akzeptiert und wer lediglich um sich selber kreist.

 

Manchmal ist es schwierig, sich nicht von seinem eigenen Weg abbringen zu lassen, den zugewiesenen Schuldigkeiten auszuweichen bzw. sie zu ignorieren. Dennoch glaube ich fest an unseren Weg.


Es ist, wie ich neulich im Radio hörte 


[Oh Gott, ich zitiere Andreas Bourani, nicht, dass jemand denkt, dies sei meine bevorzugte Musikrichtung! ;-)]

 

„Mein Herz schlägt schneller als deins,
sie schlagen nicht mehr wie eins
Wir leuchten heller allein,
vielleicht muss es so sein“

 

Und jene, die in dieser unvollständigen Auflistung fehlen, sind die, von denen wir nicht wissen, was sie denken und reden, da sie bevorzugt über uns, aber nicht mit uns reden.


Möglicherweise sind dies genau jene „Leute“, von denen ich zuvor gesprochen habe.


Jene, die vielleicht nicht das befreite Gefühl kennen oder je gespürt haben, das durch den Körper fährt, wenn man sich aus lähmenden Bindungen befreit und von der schmerzenden Passivität in eine konstruktive Aktivität gleitet.


Oder denen die Vorstellungskraft fehlt daran zu glauben, dass man sich einvernehmlich und freundschaftlich trennen kann.


Sie tun mir Leid, diese Menschen. Aber mein Leben ist zu wichtig für mich, um ihnen eine gute Show zu bieten.


Nein, man trennt sich nicht allein, weil zu viele Menschen mitbetroffen sind.

Aber letzlich trennt man sich zumindest "für einen selbst!" Und das ist gut so!

augenBloglich 28.12.2014, 11.09 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Veränderungen

Da hat das Leben einfach kurzzeitig vergessen, mich zu fragen, wie ich das letzte Jahr eigentlich im Sinn gehabt hätte….


Mit 45, so dachte ich gänzlich naiv und fälschlicherweise, würde mein Leben geruhsam, angenehm und gemächlich dahinplätschern. Angekommen dort, wo ich angelangen wollte und nun genießend, was ich mir erarbeitet hatte.


Allein das Leben hatte andere Pläne, nur vergessen, mich vorab einzuweihen.


Als da wäre mein maroder Körper. Hier und da streikte so das ein oder andere Organ, zickte und herum und war darauf bedacht, mehr Aufmerksamkeit von mir zu erlangen.

Ich gehe davon aus, dass die ein oder andere Körperstelle darauf aus war, dass ich nun endlich (mit 45 wird es wohl Zeit), den Sport für mich entdecken würde.

Nachdem das trotz aller Zickerei nicht gelungen ist – ich kann da durchaus sehr stur sein- landete ich bei der Krankengymnastik.


Krankengymnastik ist genaugenommen auch so etwas wie Sport, zumindest fühlt es sich so an. Der Unterschied ist der: Man kann einfach nicht mogeln und so tun als ob. Ständig hat man jemanden an der Seite, der darauf achtet, dass man wirklich tut, was einem gesagt wird. Krankengymnastik ist folglich sehr viel anstrengender als Sport, aber bitte, das hat mir meine Sturheit nun eingebracht.


Die Sache mit dem Hautkrebs war so an und für sich auch nicht wirklich eingeplant gewesen. Mein Gesicht wäre ganz gut ohne ausgekommen, gut, aber auch da hat mich niemand um Rat gefragt, wobei ich sicher das ein oder andere dazu zu sagen gehabt hätte.

Ich verstehe diese Ignoranz mir gegenüber auch gar nicht. Als ob man beim eigenen Körper nicht wenigstens minimal mitzureden hätte.

Ja, sicher, wenn man mich mitreden lässt, kann das in anderseitige Ignoranz ausarten, wie das Beispiel mit den Hörgeräten zeigt. Natürlich höre ich mit den Teilen besser, aber das ist durchaus nicht immer von Vorteil – wie ich schnell bemerkte und begriff. Kurzzeitig waren mir die Teile sogar verloren gegangen, bis ich entdeckte, dass ich einen wunderbaren Platz im Aktenschrank für sie geschaffen hatte.


Und dann wären da noch diese nicht diagnostizierbaren Brustkrämpfe, die mich hin und wieder plagen und mir eine sorgenvolle Nacht im Krankenhaus einbrachten mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt.

Glücklicherweise war es keiner, nur ein weiterer Warnschuss, den ich dann durchaus ernst genommen habe.


45 und mein Körper drangsaliert mich. „Du wirst alt, Kind“, sprach meine Mutter und verwies direkt darauf, dass ich bitte doch auch abzunehmen hätte….

 

Dabei fühle ich mich gar nicht wie 45.

Nicht, dass ich wüsste, wie sich das anfühlen müsste, ich meine, ich war zuvor ja noch nie 45 und übe das jetzt erst seit August, aber mir scheint, dass ich innerlich eher pubertiere.

Überhaupt erscheint mir 45 die zweite Pubertät zu sein. Da sprießen wieder Pickel, es wachsen einen schwarze Haare am Kinn (okay, das ist jetzt eher vielleicht ein Altersproblem und wenig pubertär, aber weiß man, was so eine  45er Pubertät mit sich bringen kann?).


Dann die Sache mit der Liebe. Vergessen wir es einfach. Auch ich habe nun begriffen, dass die Sache mit dem Prinzen eher nur in Filmen zu finden ist.

(Fairerweise muss ich gestehen, dass ich persönlich auch ein klein wenig weit weg bin vom Prinzessinnenideal.)


Kurz auf den Punkt gebracht: 2014 war irgendwie ein krankes Jahr.


Dabei sprachen wir noch nicht von all den beruflichen Baustellen, die das Jahr so neben den privaten Abstürzen mit sich brachte.

Praktisch flog ich nahezu von einem Tief ins nächste und hätte ich nicht besonders liebe Menschen an meiner Seite gehabt, wäre ich möglicherweise nie wieder herausgekommen aus diesen Absturzstellen.

 

2014 hatte aber auch viele fröhliche Momente und Augenblicke voller Lachen und Leben, die all die Tränen vergessen ließen.


Überhaupt Tränen. Hat der Körper das irgendwie so eingerichtet, dass man mit 45 eher heult? Nein, wir reden hier auf keinen Fall über hormonelle Problemchen oder gar sowas wie die Wechseljahre.


Wobei, wenn ich es mir recht überlege, ist Wechseljahre vielleicht genau der passende Begriff für diesen Lebensmoment.

Veränderungen, Lebensformwechsel, neue Wege … mal abgesehen von den Hormonpartys, die da ungefragt in mir gefeiert werden, meint Wechseljahre vielleicht auch nichts anderes, als sein Leben einfach noch einmal radikal zu ändern.


Entgegen allen Ängsten, körperlichen Zickereien, Tränen und Unabwägbarkeiten, den Mut zu haben, sich von Altem und Bewährtem, Vertrautem und Sicherheit gebenden zu trennen, um  Reißaus zu nehmen vor der lähmenden Gewöhnung.

Veränderungen können weh tun, aber auch sehr heilsam sein.


Und nein, ich rede immer noch nicht vom Sport, auch wenn das (theoretisch jetzt) passen würde.


Ich rede einfach davon, das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen und sich auf den Weg zu machen, glücklich zu sein.



2015 kann kommen!

Ich wäre dann so weit…..

 

augenBloglich 25.12.2014, 08.33 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

anstrengend

Ich hege eine nahezu unüberwindliche Aversion gegen das kleine Wort "anstrengend".
Nicht im Allgemeinen, sondern lediglich in Bezug auf meine eigene Person.
Denn, so wird es mir Zeit meines Lebens gespiegelt: Ich bin anstrengend.

Die Vorstellung anstrengend zu sein war schon immer furchtbar und hat auch heute nichts von ihrem Schrecken eingebüßt.
Hätte ich je erfahren, was genau mich für andere anstrengend sein lässt, so hätte ich alles dafür getan, nicht länger anstrengend zu sein, aber ich habe bislang nicht herausfinden können, was genau der Punkt ist, der mich für andere anstrengend werden lässt.

Frage ich nach, erhalte ich keine Antwort oder es wird ein anderes unliebsames Wort in die Runde geworfen: kompliziert.

Ich habe in den all den Jahren - ganz unreflektiert - die Meinungen der anderen Menschen übernommen. Gepredigt von den Eltern, weiterführend von den Lehrern, gerne auch von Menschen aus dem weiten und nahen Umfeld.
Wenn man es oft genug hört, hinterfragt man nicht, sondern glaubt.

Diese Menschen können nicht alle irren, also wird es stimmen, allein, was macht einen Menschen zu einem anstrengenden Menschen und was macht einen Menschen kompliziert?

Dass ich kompliziert bin, steht außer Frage. Die Gedanken in meinem Kopf machen, was sie wollen und insbesondere nachts gehen sie seltsame Pfade und Wege.
Nur: Sie sind in meinem Kopf. Versteckt. Nur für mich sehbar, hörbar, fühlbar.
In der Regel gehe ich damit nicht hausieren, in dem Wissen (oder mit der Vermutung) dann nicht nur als anstrengend und kompliziert, sondern zudem auch noch als verwirrt bezeichnet zu werden.

Ich kenne andere anstrengende Menschen. Menschen, die für mich anstrengend sind, weil sich ihr Denken und Tun, ihr Handeln und Reden stets und ausschließlich um sie selber dreht.
Egal, worüber man redet, diese Menschen okkupieren jedes Gespräch, mischen sich ein, drängen sich auf und wenden das Gespräch in ihre Richtung.
Jedes Thema lässt sich mehr oder weniger gekonnt und geschickt auf das eigene Leben transferieren und diese Menschen haben schon alles erlebt, alles durchlebt, alles gesehen und gehört und sie wissen vor allem immer alles besser.

Der Verdacht, ich könnte genau so ein Mensch sein, ist mir nicht nur unangenehm, sondern lässt mich schaudern.

Anstrengende Menschen gehen anderen auf die Nerven. Niemand verbringt gerne Zeit mit Menschen, die zur Belastung werden, die penetrant in das eigene Leben eindringen und Platz und Zeit beanspruchen, den man nicht bereit ist an diese Menschen abzugeben.

Jeder hat mit seinem eigenen Leben genug zu tun und lädt sich nich noch gerne den Ballast anderer auf seine Schultern.

Ich habe schon früh beschlossen, nicht anstrengend sein zu wollen.
Mit dem Ergebnis, dass ich distanziert wurde, die meisten meiner Gedanken für mich behielt, lernte, Dinge mit mir selbst auszumachen und mir selbst häufig genug war,

Vielleicht ist genau das auch anstrengend für andere Menschen - ich weiß es nicht.

Das Thema treibt mich um, seit mir letzte Woche eine liebe Freundin wieder einmal erklärte, es sei sehr anstrengend mit mir.
Natürlich fragte ich nach, aber es kam keine Begründung, mit der ich hätte arbeiten können.

Anstrengend zu sein vermittelt mir ein furchtbar schlechtes Gefühl. Ein Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, das Gefühl für andere Ballast zu sein, sie zu nerven, zu stören und Platz und Zeit einzufordern, die mir nicht zusteht und die anderweitig - mit anderen Menschen - besser zugebracht wäre.
Die Tatsache, als anstrengend empfunden zu werden, macht zudem auch unendlich traurig.
Denn natürlich möchte man nichts weniger, als den Menschen, die man liebt und schätzt zur Last zu fallen.

Es führt mich zu einem anderen Lebenspunkt, dem, nie auszureichen und nie gut genug zu sein.
Auch das zieht sich wie ein roter Faden durch mein bisheriges Leben und erst in den letzten Jahren, habe ich begonnen, mich bewusst damit auseinanderzusetzen und gezielt hinzuschauen, wo ich wirklich nicht ausreiche und gut genug bin und an welchen Stellen aber durchaus.

Mit dem Wort "anstrengend" jedoch komme ich nicht weiter und stehe nach wie vor mit ihm auf Kriegsfuß.

Ich könnte nun natürlich einfach glauben, was der Psychotest einer renommierten Frauenzeitschrift über mich sagt:



Sie sind nicht anstrengend. Niemand würde behaupten, dass Sie ihn genervt hätten. Sie drängen sich nicht auf, Sie fallen niemanden ins Wort, Sie bleiben auch in kritischen Situationen gelassen. Aber passen Sie auf, dass Sie mit dieser Haltung überhaupt noch wahrgenommen werden. Denn das Gegenteil von "anstrengend" ist "unauffällig". Und das wollen Sie doch auch nicht sein.



Na also bitte.
Ich wäre auf jeden Fall liebend gerne unauffällig, wenn es dann mit mir weniger anstrengend wäre.

Anstregend zu sein, ohne zu wissen, warum, ist übrigens sehr anstrengend und vor allen Dingen recht ermüdend, weil die Gedanken kreisen und nie zu einem Ende finden.

Letztlich ist und bleibt es eben kompliziert.
Mit dem Anstrengendsein.

Aber ich komme noch dahinter und vielleicht gelingt es mir ja irgendwann mal, einfach nur ein netter, unbeschwerter und liebenswerter Mensch zu sein.
Dafür ist es nie zu spät.
Nehme ich an.
;-)



augenBloglich 08.03.2014, 18.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25