Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Gedanken

Über das Glücklichsein

Eine ganz besondere Freundin erwähnte neulich, sie habe darüber nachgedacht, welche Menschen aus ihrer Umgebung eigentlich richtig glücklich wären. Sie konnte genau eine Person benennen, von der sie meinte, diese sei glücklich und daraufhin beschloss jene Freundin, sie sei ebenfalls glücklich.


Ich fand diese Aussage aus zwei Gründen sehr bemerkens- und vor allem nachdenkenswert. Zum einen gehörte ich offensichtlich zu dem Personenkreis, der als nicht glücklich, demnach also als unglücklich (?) angesehen wurde und des Weiteren stolperte ich über den simplen Beschluss, glücklich sein zu wollen…


Mich ließ das Thema nicht los, da ich, wenn ich die Wahl hätte, unglaublich gerne ein Mensch wäre, der sein inneres Glück nach außen strahlen könnte. Am Abend selber kamen wir nicht mehr auf dieses Thema zurück, sondern besprachen -bei dem ein oder anderen Glas Wein - andere, nicht weniger wichtige Themen.

Es lag jedoch nahe, darüber nachzudenken, was genau Glück eigentlich ist. So unterschiedlich wie wir Menschen sind, so differenziert werden höchstwahrscheinlich unsere Definitionen von „Glück“ ausfallen. Erfahrungsgemäß kann ich für mich behaupten, dass Glück kein permanenter, allumfassender Dauerzustand ist, sondern sich eher in vielen kleinen Momenten und Augenblicken zu erkennen gibt.

Im Alltagstrubel übersehe ich das Glück nur viel zu schnell, viel zu leicht und leider auch viel zu oft. Ist der Kopf randvoll gefüllt mit Plänen, kleinen oder größeren Sorgen oder Ärgernissen, Terminen und dem ganz alltäglichen Beschäftigungen, fällt es zuweilen schwer, Glück empfinden zu können. Die innere Hetze, die eigene gedankliche Mobilität und das permanente alltägliche Organisieren lässt mitunter wenig Raum für das, was wir allgemein als Glück bezeichnen.
Das bedeutet nicht, dass das Glück nicht vorhanden ist, lediglich, dass es schwer hat, sich durch den Alltag zu kämpfen und sichtbar zu werden.
Dieses dichte und wüste gedankliche Kopfgedränge zerquetschen das Glück hin und wieder. Und dennoch stiehlt es sich, heimlich, still und leise dann und wann an die Oberfläche und zeigt sich in seiner warmen und beseelenden Präsenz. Und es sind jene Momente und Augenblicke, die uns dann wieder durch die nächsten Termine, Alltäglichkeiten, Sorgen und durch die Hektik des Alltags tragen.


Sonderbarerweise – oder vielleicht ist es gar nicht so sonderbar, wie es mir erscheint – sind es nicht immer die großartigen Momente, in denen das Glück sich berieselnd durch den Körper schleicht. Meistens zeigt es sich, wenn ich gar nicht damit rechne. Nicht bei einer außergewöhnlichen Reise oder wenn das Konto prall gefüllt ist.

Nein, ich muss nichts weiter tun, als faul, träge und mit zerzausten Haaren in einem alten T-Shirt im Bett zu liegen, von Büchern umgeben und stundenlang zu lesen….

Ich sah nicht gerade aus, als wollte ich so das Glück empfangen. Um nicht zu sagen, ich war gar ungeduscht und der Wein des Vorabends saß mir noch in den Gesichtsfalten. Von Büchern umgeben, eine Flasche Wasser am Bett stehend, las ich gerade „Eat, pray and love“ aus, als es zu Besuch kam.

Das Glück.

Ich hatte es - unfreundlicherweise – gar nicht eingeladen. Es kam einfach spontan vorbei und zeigte sich in diesem unglaublich warmen und zufriedenem Gefühl, das einen wissen lässt, es ist alles in Deinem Leben gut und Du bist an der Stelle in Deinem Leben, an der Du sein solltest und möchtest.

Der Augenblick war gänzlich frei von Plänen, Gedankenstürmen oder –kämpfen, Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten. Ich lag einfach nur entspannt da, hatte nichts weiter zu tun und bekam diesen kleinen, subtilen inneren Tritt, der es einem ermöglicht, das eigene Leben gleichsam von außen zu betrachten, gänzlich entspannt, um zu erkennen, alles ist gut, so wie es ist.

Und die Gedanken an alles, was das Glück in meinem Leben ausmacht, purzelten nacheinander, ordentlich in Reih und Glied, aus meinem Herzen, hinein in meinen Kopf. Dort schlummern sie nun und sind jederzeit abrufbar, wobei das Herz nun Platz gemacht hat für neue, weitere, glückliche Herzmomente.

Und nun liegt es an mir, sie hervorzuholen, diese Momente und in ihnen zu baden, sich mit ihnen zu umgeben und aus ihnen Kraft zu schöpfen.

Natürlich bin ich glücklich.

Solange das Glück sich hin und wieder zu mir schleicht, sich offenbart und mir diesen kleinen, festen Tritt gibt, bin ich ein glücklicher Mensch, der von diesen Momenten zehren kann.

Es kommt jedoch immer nur dann, wenn ich nicht hartnäckig und beständig danach suche. Einmal aufgetaucht versucht es mir deutlich zu machen, dass es mich immer umgibt. In jedem Lachen, in jedem Gedanken, in dem, was ich sehe und dem, was ich tue. Es ist nur mein Blick, der manchmal, viel zu oft, zu getrübt ist, um das Glück zu erkennen. Ich kann nicht beschließen glücklich zu sein.

Ich kann nur versuchen, meinen Blick zu klären und zu schärfen und das Glück zu sehen und zu erkennen. Glück ist niemals Passivität. Es liegt an mir selber, es aktiv in mein Leben einzubeziehen und mich in den düsteren Augenblicken des Lebens just daran zu erinnern…..

augenBloglich 03.03.2014, 11.46 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wo sind all die Worte hin?

In einer dieser quälend langen, schlaflosen Nächte der letzten Woche war ich es Leid, den Sorgen und der Traurigkeit immer wieder so eine Mächtigkeit über mich zu geben und so versuchte ich mich abzulenken.
Es ist nicht sonderlich einfach, nachts im Dunkeln, ohne Mitmenschen zu stören, eine Ablenkung zu finden.
Aufstehen schied definitiv aus - niemals würde ich freiwillig die nächtliche Bettwärme verlassen -  so musste es etwas Gedankliches sein.
Also versuchte ich mich an alle Gedichte zu erinnern, die ich je in meinem Leben auswendig lernen musste oder wollte.

Ich liebe Lyrik. Ich kann stundenlang in einem Gedichtband lesen und darüber sinnieren, was mit diesem oder jenem gemeint sein könnte.
Noch eher finde ich mich in vielen Werken anderer Menschen wieder.

Ich habe wenig Erinnerung an meine Grundschulgedichte. Ich entsann mich also in dieser Nacht an: "Dunkel war´s der Mond schien helle...."
Gerade mal die ersten zwei Strophen hatte ich noch parat.

Da fiel mir das Gedicht "Gefunden" von Goethe ein. Es muss in der sechsten oder siebten Klasse gewesen sein - ich war wie immer (es war mir längst zur Routine geworden) allen Lehrern massiv auf die Nerven gefallen - als ich dieses Gedicht zur Strafe zu Hause auswendig lernen musste.

Ich bekam es in dieser Nacht noch vollständig zusammen, dabei hatte es mich seinerzeit inhaltlich nicht gerade überzeugen können.....

Einmal bei Goethe angekommen, lag es nahe, sich am "Erlkönig" zu versuchen. Auch das damaliges Schulpensum. Ich erinnere mich, dass wir so ein dünnes, grünes Heft hatten mit vielen wichtigen Balladen und diese vielen wichtigen Balladen mussten wir nahezu fast alle auswendig lernen.
Den "Erlkönig" fand ich damals faszinierend, weil er so schaurig schön traurig war.

Es beruhigte mich, dass ich bis auf ein paar Stolpereien auch dieses Gedicht noch in mir trug.
Nun war es ein Katzensprung zum "Zauberlehrling". Spätestens seit Achim Reichel eines meiner Lieblingswerke.
Leider kam ich nicht über das zweite "Walle, walle.." hinaus, was mich wirklich ärgerte.
Ich mühte mich ab, ich versuchte wirklich, mich an die Verse zu erinnern, aber auch, wenn ich den Inhalt wiedergeben konnte, das Gedicht an sich fand sich nicht mehr vollständig in meinem Gedächtnis.
Dabei hatte ich es einst flüssig und mitfiebernd rezitieren können.

Von Goethe zog es mich zu Kästner und seine "Sachliche Romanze" bekam ich mit nur wenigen Stolperreien noch hin.
Dabei war das kein Schulstoff, sondern ein Gedicht, das mir in die Hände fiel, als ich mich kurz nach der standesamtlichen Hochzeit, kurz vor der kirchlichen Trauung von meinem ersten Mann trennte.

Vielleicht stecken die Worte aus diesem Grunde noch in mir. Leider fehlten mir dann aber bei der "Sache mit den Klößen" wieder ganz viele Worte....
Dabei habe ich das Gedicht geliebt. Im fünften Schuljahr? Oder war es in der sechsten Klasse? Es stand im Deutschbuch und wir haben es irgendwie  vorgeführt. Ich entsinne mich nur sehr dunkel.
Nachts zumindest kam ich nur bis zu den "drei Meter zehn".
Frustrierend.

Schillers Glocke war gar gänzlich weg. Sozusagen ausgelöscht in meinem Gedächtnis.
Wie überhaupt alles, was ich je von Schiller las oder gelernt hatte.

Friedrich Rückerts "Barbarossa" bekam ich sozusagen auch gar nicht mehr zusammen, sieht man mal von der ersten Zeile ab.

Dafür fielen mir Hesses "Stufen" dann schon wieder leichter. Kein Wunder, das Gedicht begleitet mich nun seit so vielen Jahren und immer wieder finde ich mich und mein Leben darin wieder.

Dann kam mir mit einem Male "Das Grab im Busento" in den Sinn und fälschlicherweise dachte ich, es wäre von Clemens Brentano. So kann man sich irren, wie ich am nächsten Tag durch Nachschlagen in diesem wunderbaren Buch feststellte.
August Graf von Platen hat es geschrieben - nie gehört - ehrlich, oder arg verdrängt.
"Nächtlich am Busento lispeln" hatte ich mir gemerkt und nun fragt man sich doch:
"Warum um Himmelswillen?"

Wie entscheidet das Gedächtnis, was es behält und was verloren geht?
Und wo sind all die auswendig gelernten Worte denn nur hin?

Wieso kann ich die Anfänge vieler Gedichte und der Rest ist verschwunden?
Oder ist der Rest gar nicht verschwunden, nur versteckt hinter anderem gedanklichem Ramsch?

Um ehrlich zu sein, kam ich noch nie in die Lage ad hoc ein Gedicht rezitieren zu müssen, aber allein der Gedanke, es jederzeit zu können ist durchaus reizvoll, wenn es auch keinen echten Lebensnutzen mit sich bringt.

Die Nacht verging und mein Plan war aufgegangen. Es blieb zwischen all den Gedichten kein Platz mehr für die Traurigkeit und die Sorgen.
Und seitdem die Sorgen wissen, dass sie keine Chance mehr haben, sind sie glücklicherweise fern geblieben - zumindest in der Nacht.

Dafür liegen nun einige Gedichtbände parat. Für schlaflose Nächte.
Und den Zauberlehrling habe ich bald wieder parat.
Das habe ich mir in jener Nacht versprochen!


augenBloglich 24.02.2013, 17.01 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Veränderung

augenBloglich 04.10.2012, 16.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Unzufriedene Menschen

In letzter Zeit - besser gesagt in den vergangenen Monaten - traf ich vermehrt auf Menschen, die mit sich und ihrem Leben unzufrieden waren und sind.
Und all jenen Menschen war zu eigen, dass ihr stetes Denken und Handeln nur um die eigene Person kreiste.
Ich habe das zuvor noch nie in einem solchen Ausmaß erlebt.
Jedes Wort, jede Geste, jede Mimik und jedes Handeln eines anderen Menschen beziehen diese Menschen auf sich, ihre Person und ihre Handeln.

Es sind Gesprächskaperer, denen es gelingt, Gespräche jedweder Art zu kapern und zu ihrem Gespräch zu machen.

Ganz deutlich steht mir eine Situation vor Augen, in dem es einem lieben Menschen deutlich schlecht ging und dieser Mensch einfach mal ein offenes Ohr, einen Seelenstreichler, ein wenig Trost brauchte.
In größerer Runde versuchte dieser Mensch von seinen Sorgen zu berichten und kaum hatte er angefangen, sich seinen Frsut von der Seele zu reden, fiel ihm der Gesprächskaperer ins Wort und wusste von seinen eigenen, ähnlichen, aber natürlich weitaus wichtigeren Problemen zu berichten.

Gesprächskaperer haben immer grundsätzlich alles so oder ähnlich schon einmal erlebt und durchgemacht.
Und wenn nicht persönlich, so kann man doch sicher sein, dass ein ihnen nahestehender Mensch ähnliches oder gleichsames erlebt, durchlitten oder gemeistert hat.

Gesprächskaperer sind stets darauf aus, gelobt, hofiert und in ihrer Einzigartigkeit erkannt zu werden.
Sie merken nicht, wie sie ein Klima vergiften können, da sie ausschließlich um sich selber kreisen und kein Auge für die sie umgebenden Menschen haben.

Gesprächskaperer sind häufig ganz furchtbar unzufriendene Menschen, mit sich, ihrem Leben, ihren Lieben nicht im Reinen, unglücklich und voller Selbstzweifel.

Und sie sind furchtbar anstrengend, zeit- und nervraubend.

Die Grundsätzlichkeit des Negativen spricht aus jedem Wort. Alles ist schlecht und sie tragen das Leid der ganzen Welt auf ihren Schultern.

Ich finde es schwierig, mit solchen Menschen umzugehen.
Sie rauben mir Kräfte und Energie, die ich anderweitig besser und sinnvoller einsetzen könnte.
Andererseits fühle ich meist diese Verpflichtung, mich diesen Menschen anzunehmen, weil sie mir unsagbar Leidd tun, in ihrem egomanischen Elend.

Und es stellt sich immer auch die Frage: Wie wird man zu so einem Menschen?

augenBloglich 03.07.2011, 10.43 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mütter

Wenn etwas spannend zu beobachten ist, dann sind es Mütter.
Es fasziniert mich immer wieder, wie kämpferisch sich Mütter ins Spielplatzgetümmel werfen können, aus Sorge, dem eigenen Nachwuchs könnten böse Ungerechtigkeiten widerfahren.
Bislang focht ich diese, meine mütterlichen Kämpfe ja lediglich innerlich aus und ergötzte mich nur am Anblick zeternder, keifender Mütter, die sich noch stritten, während der Nachwuchs schon vergessen hatte worum es eigentlich ging und wieder friedlich miteinander spielte.

Unsere Mädel müssen diese Schlachten stets alleine schlagen, da ich Rabenmutter ja den Standpunkt vertrete, dass sie genau dies lernen müssen.

Neulich aber, ich muss es gestehen, hätte ich meine guten Vorsätze fast - aber eben nur fast - gerne vergessen.

Es war in einem Indoor-Spielplatz, der u.a. fünf große und äußerst begehrte Trampolin Flächen für das kindliche Vergnügen anbot.
Da aus Sicherheitsgründen immer nur ein Kind auf einem Trampolin springen durfte, wies eine junge Frau, dort beschäftigt, die Kinder ein.
Jedes Kind durfte zehn Minuten springen, dann wurde gewechselt.

Lena und Sophia standen nun also schon eine ziemliche Weile geduldig in der Schlange und sollten beim nächsten Wechsel an die Reihe kommen.
Während Sophia schon auf einem Trampolin herum hoppste, stand Lena nur verlegen vor einem Trampolin, auf dem ein Mädchen sprang, das nicht zu wechseln bereit war.

Lena bat das Mädchen zu gehen, es sei Wechselzeit und auch die Angestellte des Spielplatzes bat um den Wechsel.
Das Kind ignorierte sowohl Lena als auch die junge Frau, strahlte seine Mutter an, die seitlich dabei stand und Lena wegschickte, der jungen Angestellten eröffnete:

"Meine Tochter springt noch nicht lange genug!"

Nun, ihre Tochter sprang, wie die anderen Kinder eben auch, genau zehn Minuten, aber, so meinte diese Mutter:
"Das entscheide immer noch ich, wielange mein Kind hier springt!"

Lena stellte sich brav, aber sichtlich gefrustet wieder in die Reihe, die junge Angestellte traute sich nicht mehr etwas zu sagen, das Mädchen hoppste glücklich weiter.

Und ich, ich saß auf heißen Kohlen. Natürlich riss mich eine Woge mütterlichen Kampfgeistes hinweg, aber ich dachte an die keifenden, streitenden Mütter, die ich schon genüsslich amüsiert beobachtet hatte und blieb sitzen.

Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass meine Kinder auf Kinder treffen für die anscheinend andere Regeln gelten, weil die Mutter oder der Vater ihnen individuelle Regeln erschaffen.

Ich mache mir wenig Sorgen, wer letztlich im Leben den Kürzen ziehen wird.

augenBloglich 10.07.2007, 07.14 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wahrnehmungsdifferenzen

Jetzt, wo ich wieder sehr viel beleibter durch die Gegend laufe, bin ich naturgemäß sehr empfindlich diesbezüglich. Ganz nach dem Motto, jeder kann zwar sehen, wie dick ich bin, aber er möge sich bitte hüten, sich dazu zu äußern.

Meine Kinder legen diesbezüglich da eher eine gewisse Gelassenheit an den Tag.
Wir haben da zum Beispiel einen Bekannten, der meiner Wahrnehmung nach mindestens doppelt so dick ist wie ich.

Um so mehr irritiere mich heute früh die Unterhaltung meiner Töchter:

"Ich haben einen geangelt!" schrie Lena (die an einem imaginären See saß und noch imganinärer angelte).

"Einen dicken Öschimann?" wollte Sophia wissen.

"Ja, ganz dick!" antwortete Lena.

"Wie dick?" wollte Sophia eine genauere Auskunft "So dick wie Herr M. [besagter Bekannter]?"

"Viel dicker!"

"Wie dick denn dann? So dick wie Mama?"

"Ja, wie Mama!"

Mir scheint, ich muss da ein wenig an meiner Wahrnehmung, besser noch an meinem Gewicht arbeiten.

augenBloglich 09.07.2007, 14.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bildungszwang

Ich würde mich nicht als Opernliebhaberin bezeichnen, dafür fehlt mir das Wissen, aber ich mag Opern.
Ich muss so um die 24 gewesen sein, als ich das erste Mal eine Opernaufführung besuchte und es hat mich beeindruckt.
Nicht geprägt, nicht beeinflusst, aber nachhaltig durchtönt.

So kam es also, dass ich Karten für die Kinderoper erstand.
Mozart sollte hier aufgeführt werden - eine Reise aus 1001 Nacht - die Entführung aus dem Serail.

Ich erinnerte mich kurzzeitig an das ganz furchtbare Buch: Weltwissen der Siebenjährigen (oder so ähnlich), in dem die Autorin beschrieb, wie wichtig es sei, dass ein Kind von sieben Jahren bereits eine Oper kennen lernen konnte.
Dies und Pisa - man will sich ja nicht nachsagen lassen, die eigenen Kinder im Unbildungssumpf verrecken zu lassen - bewogen mich also diese Karten zu kaufen.

Ich persönlich war auch mit 24 noch ganz zufrieden, erstmalig Kontakt mit der Oper gehabt zu haben.
Ich würde auch niemals so weit gehen und behaupten, ich hätte mich vorher ungeliebt, ungebildet oder sonstwas gefühlt, aber, wir leben in anderen Zeiten und bilden die Kinder wo und wie es nur geht.

Der Opernsonntag kam und die Sonne schien.
Bei 33 Grad quetschte ich meine Töchter ins heiße Auto und versprach ihnen - leichtsinnigerweise - großes Vergnügen.
Sophia wollte lieber ins Planschbecken, Lena in den Garten, aber wie gesagt, Pisa steckt auch mir in den Knochen, die Oper rief.

Da hatten sich nun alle bildungshungrigen Eltern mit ihrem bildungsbezwängtem Nachwuchs versammelt.
Die Kinder sahen lustlos aus, die Eltern eher gequält.

Als die ersten Schauspieler die Bühne betraten bekam Sophia Angst und hüpfte mir auf den Schoß.
Die Oper begann.

Nach ca. 45 Minuten hörte ich den Jungen neben mir fragen:
"Wann singen die denn endlich mal deutsch?" und hörte den Vater antworten:
"Weiß ich doch nicht. Datt is ne Oppa!"

Nun, die Darsteller sangen bereits Deutsch, aber darauf hinzuweisen war mir jetzt auch zu kluggeschwätzt, also behielt ich mein Wissen für mich.
Sophia langweilte sich furchbar. Lena amüsierte sich mit einer Packung ungesunder Mentos und kam so ganz gut über die Runden.
Ich persönlich hätte die Oper jetzt auch nicht sooo dringend gebraucht, aber man kann ja den Horizont der eigenen Kinder nicht oft genug, früh genug, sinnloser genug erweitern.

Kurzzeitig machte die Sache Sophia dann doch Spaß, als die Kinder mitmachen und einen Bauchtanz erlernen durften.
Sie verfiel anschließend schnell wieder in schwitzende Lethargie und ich konnte das sehr gut nachvollziehen.

"Mama, warum muss ich hier sitzen und darf nicht schwimmen?" wollte mein Kind kläglich jammernd von mir wissen und ich konnte ihr keine wirklich gute Antwort geben.

Vielleicht hätte ich ihr erklären sollen, dass ich kurzzeitig die hirnrissige Idee hatte, Opernbildung sei wichtiger als Matschen im Garten.
Oder ich hätte anführen können, dass Pisa nun auch in meinem Kopf angelangt ist, ich mich den Bildungszwängen unserer Zeit gebeugt habe.

"Ich dachte, es würde uns Spaß machen hier zu sein!" war meine lahme, fadenscheinige und an den Haaren herbei gezogene Entschuldigung.

So kann man sich täuschen.
Ich habe meinen Töchtern einen unbeschwerten Gartennachmittag gestohlen.
Ich habe sie beraubt und ihnen Bildung übergeworfen wie ein ungeliebtes Kleidungsstück.

Habe mich anstecken lassen von dieser Massenhysterie, dem Glauben daran den Kindern mit der Besuch der Oper quasi das Abi in die Tasche gesteckt zu haben.

Beschämt bin ich anschließend mit meinen Töchtern nach Hause gefahren.
Kinderoper!
Gewissenberuhigung für Eltern und Erwachsene.

Den Sommer genießen wir draußen.
Ohne Opern, ohne Wletliteratur.
Ohne Lernspiele, ohne Wissenrekorde.

Ich lasse meine Töchter Kind sein.
In die Oper können sie immer noch.
Wer weiß wie lange sie noch matschen mögen.......




augenBloglich 20.06.2007, 18.45 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eigenschaften

Gerade habe ich online eine interessante Stellenauschreibung entdeckt. Seltsamerweise möchte man den Bewerbungsunterlagen folgendes beifügen:

Bitte nennen Sie drei Adjektive, die Sie treffend beschreiben.
Nennen Sie weiterhin drei Adjektive, die auf Ihre Person nicht zutreffen.
Nennen Sie uns freundlicherweise die drei Adjektive, von denen Sie meinen, dass andere Menschen Sie als für Ihre Person sehr zutreffend wählen würden.


1. kompliziert, nachlässig, chaotisch

2. sportlich, elegant, ordentlich

3.
Keine Ahnung !

augenBloglich 03.02.2007, 20.18 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Menschen

Ich treffe täglich Menschen und ich liebe das.
Menschen zu beobachten, kennen zu lernen, mit ihnen zu reden und mich von Ihrer Aura umfangen zu lassen.
Es sind so viele Menschen um mich herum gewesen in meinem bisherigen Leben.
Wie Muscheln an einem Sandstrand.
Hin und wieder hat man das Glück ein ganz besonders schönes und interessantes Exemplar zu entdecken.
Eines, das man am liebsten nicht wieder hergeben möchte, weil Form, Farbe, Duft oder sonstwas einen gefangen nehmen und faszinieren.

Was macht einen Menschen zu etwas Besonderem? Ich meine nicht das Individuelle eines jeden Menschen und die persönlich empfundene Wichtigkeit der Menschen, die wir lieben und schätzen.
Ich meine jene Menschen, die wir eventuell nur kurzzeitig kennenlernen, eher flüchtig, als Tagesgäste in unserem Leben und die dennoch deutliche Spuren hinterlassen.

Es muss eine ganz eigenwillige Vielschichtigkeit sein, die eine Faszination auf meiner Seite auslöst.
Vielleicht ein Stück Widerspruch, Nachdenklichkeit, ausstrahlender Lebenswille und Authenzität.

Ich kann es nicht genau in Worte fassen, zu eigen, zu tiefgründig, zu verzweigt sind die Beweggründe, die Faszination auslösen.

Um so größer ist meine Freude, wenn ich wieder einmal einem solchen Menschen begegnen durfte.
Es ist dann wie ein kleines Feuer, das innerlich entfacht wird.
Man denkt über neue Dinge nach und stellt sich selbst infrage.
Und auch wenn jene Menschen nur sehr kurz in unser Leben rauschen, hinterlassen sie deutliche Spuren und eine Vielzahl an Gedanken.
Doch immer auch die Frage: Warum?

augenBloglich 03.02.2007, 18.49 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Grundschullehrer kann doch jeder

Ich habe das große Glück in einem Beruf arbeiten zu dürfen, für den sich halb Deutschland qualifiziert fühlt.
Nein, ich sehe das durchaus positiv, dass die Verkäuferin an der Kasse, die Bäckereifachverkäuferin und meine Ärztin, der Rechtsanwalt und die Apothekerin, jede Hausfrau, Auszubildende, Journalistin, nicht zu vergessen die Hebamme und Tupperberaterin und auch der Busfahrer, die städtische Angestellte und überhaupt jede andere Berufsgruppe sehr genau zu wissen meint, was ich als Grundschullehrerin wann zu tun und zu lassen, zu sagen und zu schreiben, zu lehren und zu lernen habe.

Immerhin erspare ich mir so das Lesen vieler fachdidaktischer Wälzer und lerne täglich dazu.
Ich finde das auch richtig, dass die anderen Berufsausbildungen ein Quentchen an grundschulrelevanter Fachdidaktik mitzuvermitteln scheinen, denn so gelangen wie zu einem steten, fruchtbaren Austausch und zu einer wahren Bereicherung jeder Evaluation.

Schauen wir uns beispielsweise mal das weite Feld der Mathematikarbeiten in der Grundschule an.
Insbesondere im Internet erhalte ich da an jeder Ecke – ungefragt und hilfsbereit – großzügige qualifizierte Hilfestellung.
Da werden die bewerteten Mathematikarbeiten in diversen Foren online gestellt und selbstverständlich weiß die Zahnärztin aus Buxtehude diese Arbeit aus Börsdorf – geschätzte 789 km Luftlinie entfernt – besser, exakter, gerechter und sinnvoller zu beurteilen als die Lehrerin, die das real also getan hat.

Doch nicht nur die Zahnärztin kennt sich mit genau jenen Aufgaben bestens auf – meine Güte, Grundschulniveau, haben wir das nicht alle mal gelernt? – auch die Schuhverkäuferin und Frisörin, Mutter und Zeitungsausträgerin, Ingenieurin und Tierärztin, sie alle sind sich sicher und vor allem einig:
Da hat eine Lehrerin wieder mal ungerecht bewertet und Punkte an Stellen nicht gegeben, wo sie auf jeden Fall hätten gegeben werden müssen und überhaupt, war die Arbeit für die Klassenstufe viel zu schwierig.

Ich bin überwältigt von den hellseherischen Fähigkeiten dieser Menschen, die ja - rein körperlich – nicht vor Ort gewesen sein können, keine winzige Sekunde des Unterrichts der Kollegin erlebt haben, die Klasse nicht kennen, die Kinder nie gesehen haben und dennoch felsenfest und mit einer dubiosen Selbstsicherheit das Urteil infrage stellen, ja, besser noch, die Arbeit an sich viel gerechter, fairer und einfühlsamer meinen bewerten zu können.

Mit Sicherheit fehlt ihnen jedoch nicht die Phantasie sich auszumalen, was es bedeutet, vor einer Rechtschreibkontrolle fünf Wochen lang das Großschreiben zu Beginn des neuen Satzes geübt zu haben, selbige Regel noch geschätzte fünfmal unmittelbar vor der Kontrolle von den Kindern verbalisieren zu lassen, nur um später zu entdecken, dass vier Kinder dennoch konsequent nach dem Punkte klein weiter geschrieben haben.

Da wird die Schrift einer Kollegin – man erinnere sich an die online gestellte, bereits bewertete Klassenarbeit – diskutiert und kritisiert, gar als absolute Zumutung abgetan und im gleichen Atemzug die von der Lehrerin kritisierte Schrift des Kindes zum Himmel gelobt.
Überhaupt: Wie soll das Kind ordentlich schreiben, wenn die Lehrerin zu wenig Platz lässt?

Ich bin sehr froh über diese Vorgehensweise der anscheinend im Selbststudium qualifizierten Menschen, denn sie lehrt mich nicht nur eine angemessenere Punkteverteilung, nein, sie schult meine Sensibilität im Umgang mit Kind und Eltern, etwas, dass alle Menschen besser zu beherrschen zu scheinen als Grundschullehrer an sich.

Ich kann das durchaus verstehen. Zum Beispiel der Zahnarzt. Sagen wir mal, ich bin bisher in meinem Leben geschätzte 100 Mal bei einem Zahnarzt gewesen und das über einen Zeitraum von über 30 Jahren.
Selbstverständlich qualifiziert mich das und ich würde dem netten Herrn auch gerne immer Tipps bezüglich seiner Arbeit geben, zu der ich mich aufgrund der langen Zeitspanne, aber auch wegen der zahlreichen Besuche nahezu ebenfalls hinreichend geschult sehe.
Jetzt ist das gerade mal ein schlechtes Beispiel, denn ich kann dem guten Mann keine Tipps geben, weil mein Mund ja nun immer mit Watte, Saugern und ähnlichen unsympathischen Gedöns zugestopft ist.
Aber die Kassiererin bei Aldi zum Beispiel. Ich gehe wirklich oft genug einkaufen, um ihr Optimierungstipps bezüglich der Schnelligkeit ihrer Kassierversuche zu geben.
 Ich könnte auch dem Bäcker verbal sehr hilfreich zur Seite stehen, denn hin und wieder habe auch ich schon mal einen Kuchen gebacken.

Ja und die Friseuse, mein Gott, klar schneide ich hin und wieder Haare, bestimmt wäre die Dame sehr froh und beglückt würde ich mit meinen weisen, durchdachten und hilfreichen – wenn auch ungebetenen – Ratschlägen mal einen Blick auf ihre Arbeit werfen.

Sonderbar, dass ich bislang nicht das Verlangen gespürt habe, anderen Menschen zu sagen, was sie alles falsch und ich besser machen würde in ihrem Beruf.
Mag sein, es mangelt mir an Zeit, meine Gedanken mit derart Nutzlosem und Anmaßendem zu füllen.
Es kann aber auch daran liegen, dass in unserem Haushalt keine Goldwaage zu finden ist.
Eine Anschaffung über die ich mir noch nie Gedanken gemacht habe. Und das ist auch gut so.

augenBloglich 03.02.2007, 07.02 | (9/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25