Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Zeitgeschehen

Honig im Kopf

In der Öffentlichkeit einen Till Schweiger Film oder gar seine schauspielerischen Leistungen zu kritisieren ist nicht nur sehr gewagt, sondern für einige Mitmenschen mit Frevel gleichzusetzen.
Dessen bin ich mir durchaus bewusst, aber ich komme einfach nicht umhin, mein gestriges Kinoerlebnis zu kommentieren.

Schade!
Das hätte ein richtig guter Film werden können!

Dieter Hallervorden war brillant, bestechend gut und überzeugend.
Er hätte in dieser wunderbaren Rolle Besseres verdient.

Ich sah Till Schweiger einst in "Der bewegte Mann" und überzeugte mich von seinem Untalent in seinem Tatort Debut, in dem derart viel geballert wurde, dass die schauspielerische Nichtleistung kaum auffiel.

Gestern in "Honig im Kopf" hätte ich Dieter Hallervorden einen Schauspieler an die Seite gewünscht, der Emotionen überzeugend spielen kann und nicht nur dekorativ aussieht.
Das Gesicht maskenhaft starr, waren ihm  die Tränen in einigen Szenen einfach nicht abzukaufen.
Ohnehin stellte sich mir laufend die Frage, warum man so ein sensibles und wichtiges Thema derart auf Unterhaltungsniveau herunterschrauben muss?

Es gab einige zauberhafte Szene, die mich letztlich aber nicht damit aussöhnen konnten, dass der Film derart viele furchtbare Klischees bedient, dass ich manchmal nahezu fassungslos war.

Beginnen wir mit dem - und das muss ich sagen, wirklich niedlichem - Kind Tilda.
Tilda ist elf.
Das ist ja nun eine Alterngruppe, die mir persönlich und beruflich sehr nahe steht.
Nun frage ich mich nur, wo gibt es diese wunderbaren Mädchen, die mit elf weise, mental frühreif, stark und in Bullerbü Klamotten gekleidet sind?

Die in ihren allerliebsten Roben (herzentzückend) den ins eigene Gesicht furzenden Opa geduldig und lachend zur Seite stehen?

Gut, es ist ja nur ein Film und da muss ein bisschen heile Welt erlaubt sein.
Und Geld.

Geld muss offensichtlich auch erlaubt sein und keine Rolle spielen.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum dauernd Mercedes durchs Bild rauschen, Apple an jeder Ecke hervorlugt und die offensichtlich nicht nur unsympathische, sondern auch trunksüchtige und latend gestörte Ehefrau und Schwiegertochter mit einem gusseisernen Baseballschläger oder zumindest einem ähnlich aussehenden Teil (das man ja immer im Haus hat) ein lediglich angefahrenes Auto in seine Kleinteile zerhämmert.

Das Haus muss groß sein und außergewöhnlich.
Auf die Nachbarn mir ihren Gartenzwergen muss herabgesehen werden.

Sieht man davon einmal ab, ist die ganze Geschichte um das eigentlich Thema herum doch einfach nur absurd.
Ein Ehepaar, dass offensichtlich seit vielen Jahren eine schwierige Ehe führt, beide Partner beruflich ausgelastet und erfolgreich, beide fremdvögelnd (man verzeihe mir die derbe Wortwahl), die sich aber Ende binnen 24 Stunden in Venedig wiederfinden, lieb haben und zum krönenden Schluss noch ein Kind miteinander zeugen.
Ach nein, der krönende Schluss ist ja eigentlich eher, dass sie, die ihren Beruf offensichtlich liebt, mit einem Male schwört, sie gäbe so gerne alles auf, um mehr bei Kind und beim dementen Schwiegervater sein zu können.

Bitte. Ich hätte mir so viel mehr Realität und so viel weniger Klischees gewünscht.

Es hätte auch keines Udo Lindenberg bedurft, der irgendwann sinnlos am Straßenrand zusieht, wie der demente Opa mit Kupplung schaltender Enkelin zum Hamburger Bahnhof fährt.
Das hatte so etwas von: "Schaut, wer in meinen Filmen alles mitspielt!"

Für das Geschehen absolut unerheblich. Genauso wie Jan Josef Liefers als Chef und Affäre der latend gestörten Schwiegertochter.
Allerdings spielte Liefers in seiner Kurzrolle Schweiger sowas von locker an die Wand, dass es eine wahre Freude war.
Für die Handlung jedoch: Schmückendes Beiwerk.
Und davon gab es - meiner Meinung nach - zu viel.
Viel zu viel.

Die ältere Dame im Altersheim, die Schweiger einen schnellen Fick (nicht meine Wortwahl) anbietet, das Nonnenkloster bei Bozen, in dem Opa und Enkelin irgendwann landen.
Das nächtliche Schlafen der beiden am Lagerfeuer.
Und und und......

Ich hätte mir mehr von den ruhigen Szenen gewünscht, jenen wie das Zähneputzen. Das Helfen der Enkelin, die behutsam Opas Zähne putzt, weil er vergessen hat wie es geht.
Oder das Urinieren in den Kühlschrank, die aggressive Reaktion auf Hilfestellung beim Essen.
All die eigentlich wichtigen und so hervorragend gespielten Szenen, die das Thema Alzheimer aufgegriffen habe ohne es zu überladen und untergehen zu lassen in dieser furchtbar aufgesetzten Geschichte.

Und dann diese Augenblick, in dem Tilads Eltern heimlich ihr Tagebuch lesen, von der enormen Weisheit der Elfjährigen profitieren und allen Kinobesuchern, die älter werdende Eltern haben die kleine Keule über die Rübe zu schlagen.

Gleichsam wie: "Hey, Ihr müsst Euch nur mehr um Eure Eltern kümmern, Ihnen mehr Freude bereiten, dann geht es ihnen auch besser!"

Eine schauderhafte Botschaft.
Das ist nicht nur der kleine, schnuckelige pädagogische Zeigefinger, das ist die Keule.
Derb und plattmachend.

Schade nur, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, seinen Job mal eben schnell aufzugeben, demente Angehörige zu sich zu holen und sein eigenes Leben von jetzt auf gleich radikal umzukrempeln.....

Mich würgt es, wenn solche Klischees bedient und allgemeingültige Wahrheit dargestellt werden.
Es hat eine gewisse Überheblichkeit, die sich meiner Meinung nach durch den kompletten Film zieht.

Und dennoch saß ich natürlich, wie all die Menschen um mich herum, an vielen Stellen heulend da und ließ mich ergreifen.
Immer waren es wunderbare Szenen, in denen  Hallervorden die Krankheit überwältigend gut spielte.

Aber zum Schluss überwog die Enttäuschung. Enttäuschung darüber, dass der Film dem Thema nur ansatzweise gerecht werden konnte und Hallervorden in der überzogenen Rahmenhandlung manchmal unterzugehen drohte.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann wünsch ich mir ganz viele dieser entzückend zauberhaften Elfjährigen hierher. Sie dürfen auch die Bullerbü Kleidung tragen......
Hauptsache sie sind so herrlich liebreizend, weise, geduldig, angepasst. Ach nein, Moment. Vergessen wir es.

Ich bleib bei meinen herrlich pubertierenden, unweisen, unangepassten Teenies hier im Hause.
Die passen auch besser zur unangepassten Mutter, die dem Mainstream Kino nicht so viel abgewinnen kann.
Übrigens: Alle anderen Kinobesucher waren restlos begeistert.
Zumindest die, die wir später auf der Damentoilette trafen.

Erst da wurde uns bewusst, dass wir wohl anders sind.
Vielleicht hat uns aber auch wieder nur die Erwartungshaltung übel mitgespielt.
Als reine Unterhaltung wohl zu empfehlen.

Wer auf der Suche nach mehr ist, der findet das Mehr und das Tiefergehende nur in wenigen Sequenzen.
Doch dafür hat es sich gelohnt.
Den Rest kann man ja schnell vergessen.

Erinnern lohnt nicht in jedem Fall.

Schade!
Es hätte wirklich ein außerordentlich beeindruckender Film werden können!

augenBloglich 24.01.2015, 12.36 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Selbstbedienungskassen

Als bekennende Onlineeinkäuferin treibt es mich seltenst in irgendwelche Kaufhäuser. Gestern jedoch musste es sein, da ich dringend eine Druckerpatrone benötigte.
Also steuerte ich den hiesigen, neuen "Saturn" an.

Ich wanderte vorbei an Toastern, Waschmaschinen, elektrischen Zahnbürsten, Wäschetrocknern, Fernsehern, Stereo-Anlagen, MP3-Playern, Druckern, Laptops, elektrischen Lockenwicklern und ähnlichen hundertfach herumstehenden Elektrogeräten, ehe ich endlich die in der letzten Ecke gelegene Druckerzubehörabteilung erreichte.

Schnell schnappte ich mir das Gesuchte, entdeckte auf dem Rückweg zur Kasse - vorbei an Rasierern, Lautsprechern, Digicams, Batterien, Mikrowellen, tragbaren CD-Playern, Duschradios, Mixern, Raclette-Geräten, Kopfhörern, Elektrogrills und ähnlichen Geräten - zufällig die Ecke mit den Nintendo Spielen und da eh gerade der ein oder andere Geburtstag ansteht, griff ich auch hier beherzt ins Sortiment und wählte eines der quadratisch, praktischen und von einigen Familienmitgliedern heißgeliebten Spiele.

Nun begab ich mich auf die Suche nach einer Kasse.
Man sollte meinen, die Kassen befänden sich im Eingangs- bzw. Ausgangsbereich, aber da sah ich nichts weiter als flughafencheckmäßige Durchgänge.
Ich wunderte mich etwas ob der skurillen und übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen in diesem Laden und meine Augen suchten weiterhin das Riesenareal des Ladens nach einer Kasse ab.

Genervt gab ich irgendwann auf und fragte einen der wenigen Mitarbeiter.

"Hier! Sie stehen doch davor!" pampte dieser mich sichtlich angenervt an und seine aus dem Kopf springenden Augen ließen vermuten, dass ich erstens nicht die erste Kundin war, die ihm diese Frage stellte und er zweitens der Fraktion Frauen-und-Technik-oh-mein-Gott angehörte.

Ich stand also davor.

Nur, hier war niemand!

Ich meine, sitzt an einer herrkömmlichen Kasse nicht eine Kassiererin oder ein Kassierer?

Ich sah mich fragend nach dem charmanten Mitarbeiter um, der genau das auch schon zu kennen schien und sichtlich angenervt und übertrieben ironisch bemerkte:

"Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert. Wir haben hier Selbstbedienungskassen!"

Ooccch, pampig kann ich selber:

"Das sehe ich selber. Ihnen ist aber anscheinend im 21. Jahrhundert die Freundlichkeit verloren gegangen!" sprach ich und wandte mich der Kasse zu.

Auf einem Monitor las ich:

"Legen Sie bitte Ihre Waren scangerecht auf das Band!"

Brav legte ich meine beiden Teile auf das wenig rückengerechte kleine Band nahe des Bodens.

"Das Produkt konnte nicht identifiziert werden!"

Erklärte mir der Monitor. Und weiter las ich:

"Stellen Sie die Ware senkrecht auf das Band!"

Senkrecht, sicher, kein Problem.
Hat schonmal jemand versucht, ein Nintendo Spiel senkrecht auf ein rotierendes Band zu legen?
Nun, ich schon, mit dem Ergebnis, dass das Spiel umfiel.

"Das Produkt konnte nicht identifiziert werden! Stellen Sie die Ware senkrecht auf das Band!"

Ich tat wie mir geheißen. Da ich ja durchaus lernfähig bin und mir bereits nach dem dritten Umfallen klar war, dass das so nicht funktionieren würde, hielt ich das Spiel beim nächsten Versuch mit zwei Fingern fest.

"Bitte berühren Sie die Ware nicht beim Scanvorgang!"

strafte mich der Monitor sofort unmissverständlich ab.

Dies war der Punkt, an dem ich entnervt meine Hände zu Fäuste ballte.

"Es handelt sich um hochsensible Geräte, gehen Sie bitte vorsichtig mit unseren Kassen um!" wies mich da von hinten irgendeine Verkäuferstimme an.


"Und ich bin ein hochsensibler Mensch, behandeln Sie mich bitte entsprechend!" giftete ich zurück.

"Stellen Sie die Ware senkrecht auf das Band!"

Unter den kritischen Blicken des Verkäufers gab ich dem hochsensiblen Gerät eine letzte Chance.

"Doch nicht so", wurde ich hinterrücks zurechtgewiesen "das andere Senkrecht bitte!"

Mittlerweile der Verzweiflung nahe - auch ohne Spiegel wusste ich, dass ich mit vor Wut brennenden, knallroten Backen und widerlichem Achselschweiß kein schöner Anblick war - legte ich das Spiel irgendwie auf das Band.
Nein, ich schmiss es förmlich.

"Bitte bestätigen Sie den Gesamtbetrag!" wurde ich daraufhin vom Monitor angewiesen. Und hinter mir ertönte ein: "Geht doch, sag ich doch!"

Ich bestätigte den Gesamtbetrag per Knopfdruck und nun wollte der Monitor wissen:

"Wie möchten Sie bezahlen?"

Zur Auswahl bot er mir:

Kartenzahlung oder Barzahlung an.


Ich wählte Kartenzahlung und ein roter Weg mit dem Text:
Bitte führen Sie hier Ihre Karte ein
wies mir den richtigen Weg!

Ich musste noch geschätzte hundertmal den Gesamtbetrag bestätigen, ehe ich meine Geheimzahl eingeben durfte!

Zahlung erfolgreich - Warten Sie bitte auf den Kassenbeleg und entnehmen Sie Ihre Karte

Erleichtert nahm ich sowohl Karte als auch Beleg in Empfang und verließ eiligst diesen Laden.

Während ich darüber sinnierte, dass dieser Laden jetzt zwar einige Kassiererstellen eingespart hatte, diese aber durch psychologische Betreuer, die ein Kunde nach diesem Vorgang sicher nötig hat, ersetzen muss, im Grunde also nichts gespart hatte, fiel mir doch tatsächlich noch bevor ich das Auto startete auf, dass meine Waren fehlten.

Ich hechtete zurück in den menschenleeren Laden - kein Wunder - und entdeckte meine beiden Produkte auf dem kleinen Band in Bondenähe.

Auf dem Monitor blinkte es ROT:

Bitte nehmen Sie Ihre Ware vom Band!


Die Welt ist einfach zu modern für mich!











augenBloglich 10.07.2008, 07.55 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nichts ist unmöglich!

Ich kann es kaum glauben.
Neulich kaufte ich mir ein Taschenbuch, irgendeinen historischer Roman.
Da ich ja nach wie vor mit dem üblen Larvenbuch zu kämpfen habe, legte ich meine neu erstandene Errungenschaft zunächst beiseite.
Gerade schaute ich mir das Buch näher an und ich fiel fast um.

Am unteren Coverrand befindet sich WERBUNG.
Plumpe, oberplumpe, deplazierte Werbung:


Nokia connecting people

steht auf meinem Buch und ich finde das sowas von das Allerletzte.
Nun bin ich ja grundsätzlich eher ein wenig sehr pingelig was Bücher angeht, aber bitteschön was hat Nokia Werbung auf dem Cover verloren?

Wenn schon Werbung auf dem Buch, dann aber doch bitte dezenter und auf der Rückseite oder weißderhenker wo, aber doch bitte nicht fett und plump auf dem Cover.
Und wenn schon Werbung, dann doch bitte etwas buch- oder titelgemäßes, aber so, neee, so kann ich mich damit nicht anfreunden.

Ich meine, es grenzt eh schon an eine Frechheit für Taschenbücher diese horrenden Preise zu nehmen, aber ist okay, das zahle ich gerne für ein gutes Buch.
Aber die Werbung stört mich jetzt doch.

Ich hätte bitte gerne nokiabefreite Bücher!
Und nicht so eine blätterbare Litfaßsäule.


augenBloglich 11.08.2006, 19.55 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nachhilfe durch Scientology

Immer häufiger lese ich Warnungen davor, dass Scientology die deutsche Nachhilfe Szene untergräbt.
Eine der Meldungen las ich gerade in der Netzzeitung:

Philologen warnen vor Scientology Nachhilfe

Gibt man die Stichworte: nachhilfe+scientology bei google ein, erhält man erschreckend viele Ergebniss.
Das, was man dann liest, liest sich nicht wirklich gut.


augenBloglich 27.07.2006, 13.22 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Sehr geehrter Herr Rüttgers,

gerade eben verkünden Sie im Radio, dass Sie sparen müssen und dass diese unsere Landesregierung kein Geld hat.
Das sehe ich ein.
Nicht ersichtlich jedoch ist mir, wie man mit gänzlich leeren Taschen (und glauben Sie mir bitte, ich weiß wovon ich rede) auf die kostenintensive Idee kommen kann, sämtliche Lehrer des Landes per Brief anzuschreiben.
Nicht nur, dass mein Herzschlag sich verdoppelte, als ich den Absender Landesregierung las, nein, auch der Zeitpunkt - in den Ferien - ist wirklich genau der richtige, um allen Lehrern per Brief mitzuteilen, dass ein neues Schulgesetz verabschiedet wurde.

Nicht, dass in Ihrem Brief nun aussagekräftige, informative Worte folgten, nein, nein, Frau Sommer und Sie "reden" in dem Brieflein ein klein wenig herum und ich konnte keine Information entdecken, die ich a) nicht bereits den Medien entnommen hatte und die b) nicht bis zur ersten Konferenz am Ende der Ferien hätte warten können.

Mein Spartipp lautet also: Sparen Sie Porto- und Papierkosten.
Mailen Sie Ihre Gedanken doch einfach an die Schulen.
Die meisten Schulen nämlich nutzen die wunderbare Einrichtung einer Umlaufmappe.
Dort hinein käme dann die Mail und jeder liest Ihre Ansprache durch, hakt ab und gut ist.

Mit freundlichen Grüßen
eine Lehrerin

augenBloglich 07.07.2006, 08.51 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Fahnenkult

Irgendwie bin ich anders.
In Zeiten dieses extremen Fahnenkultes wird es mir einmal mehr bewusst.
Ich bin einfach anders.

Ich habe kein Deutschland Fähnchen an meinem Auto.
Es hängt keine Fahne aus dem Dachfenster, es ist keine über den Balkon gespannt.
Auch unsere Haustür ist unbeflaggt.

Mir persönlich reichen da die dachumfassende Riesenfahne des einen und die 134 kleinen, mittleren und großen Fahnen des anderen Nachbarn, die munter im Wind wehen und auch gerne mal abfallen und sich einem überstülpen.

So geschehen heute morgen.
Mag ja durchaus sein, dass es ein erheiternder Anblick war, als ich, mitt einem Male umhüllt von einer 2 Meter mal 3 Meter Fahne, nicht mehr die richtige Stufe traf und unelegant von der falschen purzelte.
Wäre mir nicht klar gewesen, dass ich als Kidnapping Opfer niemals in Betracht käme, hätte ich ja an einen feigen Hinterhalt gedacht.

"Och nö", sagt Herr Nachbar "das ist nur die Flurfensterfahne, die hab ich noch nicht fest gekriegt!"

Wie beruhigend.
Toll auch immer wieder diese nicht haftenden Autofähnchen, die gerne mal bei Tempo 70 abfallen, was den Fähnchen- und Autobsitzer dann auch gerne mal zu einer Vollbremsung verleitet und mir - als Hinterherfahrerin Adrenalinschübe vom Feinsten bereitet.

Und dann - nicht zu vergessen - die bettlakengroße Fahnen, die mancher Mensch sich aus dem Schiebedach hängt.
Den Fahrtwind ein klein wenig unterschätzend und die sich - mit einem Male - über meiner Windschutzscheibe breit machen und mir - gelinde gesagt - die Sicht verwehren.

Es empfiehlt sich in einem solchen Falle durchaus nicht, die Scheibenwischer anzumachen.
Diese - das weiß ich nun sehr wohl - verwurschteln sich gerne mit diesen Stoffmassen und am Ende hat man kaputte Scheibenwischer, eine angefleckte Fahne und einen sauren Besitzer der Fahne, der Schadensersatz verlangt.

Der Mann meinte das tatsächlich ernst.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber die Fußball WM scheint einige Menschen doch ein wenig zu verwirren.

Vielleicht ist meine Sichtweise auch zu subjektiv.
Unsere Töchter zum Beispiel urteilen da ganz anders:

"Boah, wir sind die allereinzigen, die allerallereinzigsten, die keine Fahne haben, Mama!"

Ich befürchte, da müssen meine Kinder durch.
Ich hoffe, die fehlenden Fahnen werden sie nicht traumatisieren.



augenBloglich 09.06.2006, 15.04 | (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Masern

Irgendwann - nicht dass ich mich entsinnen könnte - muss mein Studium eine medizinische Grundausbildung beinhaltet haben.
Nicht nur, dass ich hier und da Pflaster anklebe, Prellungen salbe, Hornissenstiche verarzte, nein, neben diesen kleinen selbstverständlichen Alltäglichkeiten werde ich nun zur Masernimpfexpertin.
Dies zumindest meint das Gesundheitsamt und geht da nicht ganz mit meiner Ansicht konform.

Schon die Impfausweise meiner eigenen Kinder durchblicke ich nicht. Kreuz und quer finden sich dort wirre Einträge, unleserliche Unterschriften sowie Stempel an jedweder Stelle.
Bei meinen eigenen Kinder kann ich jedoch mein Gedächtnis zu Rate ziehen und weiß, wann sie welche Impfung erhielten und vor allem: WARUM!

Nun meint aber das Gesundheitsamt, ich müsse sämtliche Impfausweise meiner Schüler genauestens prüfen, um dann, sehr sorgsam, in dutzenden von Listen zu vermerken, welches Kind einen Masern Impfschutz hat und welches nicht.

Zudem sollte möglichst jeder Impfausweis kopiert werden, selbstverständlich in seiner seitenweise Gänze.

Eine wahnsinnig gute Idee.
Ich denke, ich werde am 22. Juni den Kindern meiner Klasse erklären, ich hätte ihnen selbstverständlich gerne Zeugnisse gegeben, aber da ich wochenlang mit dem Sichten, kopieren und Durchblicken der Impfausweise beschäftigt war, fehlte es mir ein klein wenig an Zeit.

Es ist natürlich nicht zumutbar, dass ELTERN sich um den Impfschutz (oder auch nicht) ihrer Kinder kümmern.
Nein, im allgemeinen Masernhype kann man die Lehrer gut mal zu Arzthelfern machen.

Wobei, mal ganz ernsthaft, mich weniger die Arbeit abschreckt als vielmehr meine Unkenntnis.
Ich wage es nicht, die Verantwortung dafür zu übernehmen, zu behaupten, jenes Kind sei maserngeschützt und jenes nicht.

Man könnte im Übrigen meinen, eine neue Pestwelle überflute das Land.
Die Hysterie ist unglaublich.

Andersherum fänd ich es sehr befremdlich, der Lehrerin meiner Tochter den Impfausweis auszuhändigen, damit die Lehrkraft dort eine Kontrolle durchführt.

Seltsame Dinge geschehen.
Nun ja.









augenBloglich 29.05.2006, 15.35 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Tsunami - ein Jahr danach

Ich verfolge mit großem Interesse die Reise von Ralph Sina ins Tsunami Gebiet.
Da ich es nicht schaffe, alle Berichte auf WDR 2 zu verfolgen, nutze ich das Online Tagebuch und lese nach.


---> Tsunami - ein Jahr danach

augenBloglich 11.12.2005, 15.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kontraste: Lehrerfortbildung in Deutschland

augenBloglich 25.09.2005, 11.29 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Deutschland im Schlamassel

Ene unglückliche Situation. Mehr als unglücklich.

augenBloglich 19.09.2005, 06.26 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25