Augenbloglich

weihnachtsentfremdung - augenBLOGlich - DesignBlog

Ausgewählter Beitrag

Weihnachtsentfremdung

Da stand er. Der Baum. Bis gerade eben. Es war so ziemlich der schönste Baum der letzten Jahre, wunderbar geschmückt von den Mädels - schöner, 
als ich es in den Vorjahren je vermocht hätte.
Wir wurden dennoch nicht so recht warm miteinander. Der Baum und ich. 
Oder gar Weihnachten und ich. 
Nicht in diesem Jahr.


Ich erinnere mich gut an die Weihnachtstage meiner eigenen Kindheit, die verbunden waren mit knisternden Geheimnissen, 
unsagbar leckeren Gerüchen, Schlüssellöchern, die mit Watte verstopft waren, damit meine neugierigen Kinderaugen auch ja nicht das 
Christkind erspähen konnten.
Weihnachtliche Gesänge, raschelndes Papier, glühende Wangen.

Ich kann nicht festmachen, wann genau mir der Weihnachtszauber verloren ging. Vielleicht, als ich mich - pubertierend - nicht mehr "schick" anziehen
wollte für die Weihnachtstage. Als ich es leid war, Orgel spielen zu müssen, weil das von mir erwartet wurde. Als der Glaube an das Christkind abgelöst
wurde durch Zwänge und Termine, durch Kirchgänge, Spaziergänge, Gespräche, die mich langweilten.
Mir fehlte das Knisternde, Geheimnisvolle und der Glaube.

Mit den eigenen Kindern wurde Weihnachten dann wieder aufregend, spannend, geheimnisvoll. Neue Traditionen wurden geschaffen, alte abgelegt, wie
ungeliebte verschlissene Kleidung. Mit einem Male gab es wieder vor Aufregung gerötete Wangen, knisternde Geheimnisse, wunderbare Düfte.
Strahlende Kinderaugen, neue Lieder, neue Abläufe.

Und nun stand da dieser Baum. Inmitten des Esszimmers. Die Kinder groß, das Zauberhafte ein weiteres Mal verflogen, Unlust, sich in das Weihnachtsgefühl zu begeben, dem Weihnachtsgefühl zu ergeben oder hinzugeben?
Nachdenken über soziale Traditionen im Unglauben, Mitmachen, weil man es gewohnt ist, Schuldgefühle, weil die Eltern anderes erwarten.

Sie kam nicht, die Weihnachtslust. Nicht in diesem Jahr. Nicht bei entsprechender Musik, nicht am Heiligabend, nicht unter dem elegant geschmückten Baum.

Ich habe mich Weihnachten entfremdet und trauere dem naiven Weihnachtsglauben meiner Kindheit nach - wohlwissend, dass ein Zurückfinden kaum möglich sein wird.

Also haben wir uns getrennt. Der Baum und ich.
Soeben.
Es tut mir Leid um diesen Baum, um das Weihnachtsfest ohne Weihnachtsgefühle, um das verloren gegangene Knistern, um all die Geheimnisse, die ich einst
so geliebt habe.

Welch großes Glück, dass wir Weihnachten auch immer anderes zu feiern haben. In diesem Jahr sogar einen 18. Geburtstag. In aller Aufregung, mit aller Freude, in Hektik und Atemlosigkeit, Mädchenstress und minimaler Hysterie.

Wer braucht da schon einen Weihnachtsbaum?
Entfremdet wird nur, wer sich entfremden lässt. Vielleicht wird es Zeit, Weihnachten neu zu denken.
Für mich.

Und für den Baum, den armen, für den sowieso.

augenBloglich 29.12.2019, 15.11

Kommentare hinzufügen


Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Helga

Ich hoffe der arme Baum hatte wenigstens seine Füße noch, damit er weiterleben konnte?
Wünsche ein neue Jagr voller schöner Erlebnisse, ein Jahr voller freudiger Erfahrungen und Überraschungen. :)
Gruß Helga

vom 03.01.2020, 16.52
Internes
Letzte Kommentare:
Sabine:
Respekt! Ich entrümpele gerade auch. Und zw
...mehr
Mechthild:
Liebe Suse,wünsche dir ganz viel Balsam fü
...mehr
Gudrun Kropp:
Da kann ich nur auf eine narzisstische Persö
...mehr
Helga:
Liebe Susanne, Dein Post hat mir ein Lächeln
...mehr
Beatrice :
Liebe Susanneich habe ja ein Ehrenamt belegt,
...mehr
Shoutbox

Captcha Abfrage



Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25