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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Gedanken

Menschen

Ich treffe täglich Menschen und ich liebe das.
Menschen zu beobachten, kennen zu lernen, mit ihnen zu reden und mich von Ihrer Aura umfangen zu lassen.
Es sind so viele Menschen um mich herum gewesen in meinem bisherigen Leben.
Wie Muscheln an einem Sandstrand.
Hin und wieder hat man das Glück ein ganz besonders schönes und interessantes Exemplar zu entdecken.
Eines, das man am liebsten nicht wieder hergeben möchte, weil Form, Farbe, Duft oder sonstwas einen gefangen nehmen und faszinieren.

Was macht einen Menschen zu etwas Besonderem? Ich meine nicht das Individuelle eines jeden Menschen und die persönlich empfundene Wichtigkeit der Menschen, die wir lieben und schätzen.
Ich meine jene Menschen, die wir eventuell nur kurzzeitig kennenlernen, eher flüchtig, als Tagesgäste in unserem Leben und die dennoch deutliche Spuren hinterlassen.

Es muss eine ganz eigenwillige Vielschichtigkeit sein, die eine Faszination auf meiner Seite auslöst.
Vielleicht ein Stück Widerspruch, Nachdenklichkeit, ausstrahlender Lebenswille und Authenzität.

Ich kann es nicht genau in Worte fassen, zu eigen, zu tiefgründig, zu verzweigt sind die Beweggründe, die Faszination auslösen.

Um so größer ist meine Freude, wenn ich wieder einmal einem solchen Menschen begegnen durfte.
Es ist dann wie ein kleines Feuer, das innerlich entfacht wird.
Man denkt über neue Dinge nach und stellt sich selbst infrage.
Und auch wenn jene Menschen nur sehr kurz in unser Leben rauschen, hinterlassen sie deutliche Spuren und eine Vielzahl an Gedanken.
Doch immer auch die Frage: Warum?

augenBloglich 03.02.2007, 18.49 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Grundschullehrer kann doch jeder

Ich habe das große Glück in einem Beruf arbeiten zu dürfen, für den sich halb Deutschland qualifiziert fühlt.
Nein, ich sehe das durchaus positiv, dass die Verkäuferin an der Kasse, die Bäckereifachverkäuferin und meine Ärztin, der Rechtsanwalt und die Apothekerin, jede Hausfrau, Auszubildende, Journalistin, nicht zu vergessen die Hebamme und Tupperberaterin und auch der Busfahrer, die städtische Angestellte und überhaupt jede andere Berufsgruppe sehr genau zu wissen meint, was ich als Grundschullehrerin wann zu tun und zu lassen, zu sagen und zu schreiben, zu lehren und zu lernen habe.

Immerhin erspare ich mir so das Lesen vieler fachdidaktischer Wälzer und lerne täglich dazu.
Ich finde das auch richtig, dass die anderen Berufsausbildungen ein Quentchen an grundschulrelevanter Fachdidaktik mitzuvermitteln scheinen, denn so gelangen wie zu einem steten, fruchtbaren Austausch und zu einer wahren Bereicherung jeder Evaluation.

Schauen wir uns beispielsweise mal das weite Feld der Mathematikarbeiten in der Grundschule an.
Insbesondere im Internet erhalte ich da an jeder Ecke – ungefragt und hilfsbereit – großzügige qualifizierte Hilfestellung.
Da werden die bewerteten Mathematikarbeiten in diversen Foren online gestellt und selbstverständlich weiß die Zahnärztin aus Buxtehude diese Arbeit aus Börsdorf – geschätzte 789 km Luftlinie entfernt – besser, exakter, gerechter und sinnvoller zu beurteilen als die Lehrerin, die das real also getan hat.

Doch nicht nur die Zahnärztin kennt sich mit genau jenen Aufgaben bestens auf – meine Güte, Grundschulniveau, haben wir das nicht alle mal gelernt? – auch die Schuhverkäuferin und Frisörin, Mutter und Zeitungsausträgerin, Ingenieurin und Tierärztin, sie alle sind sich sicher und vor allem einig:
Da hat eine Lehrerin wieder mal ungerecht bewertet und Punkte an Stellen nicht gegeben, wo sie auf jeden Fall hätten gegeben werden müssen und überhaupt, war die Arbeit für die Klassenstufe viel zu schwierig.

Ich bin überwältigt von den hellseherischen Fähigkeiten dieser Menschen, die ja - rein körperlich – nicht vor Ort gewesen sein können, keine winzige Sekunde des Unterrichts der Kollegin erlebt haben, die Klasse nicht kennen, die Kinder nie gesehen haben und dennoch felsenfest und mit einer dubiosen Selbstsicherheit das Urteil infrage stellen, ja, besser noch, die Arbeit an sich viel gerechter, fairer und einfühlsamer meinen bewerten zu können.

Mit Sicherheit fehlt ihnen jedoch nicht die Phantasie sich auszumalen, was es bedeutet, vor einer Rechtschreibkontrolle fünf Wochen lang das Großschreiben zu Beginn des neuen Satzes geübt zu haben, selbige Regel noch geschätzte fünfmal unmittelbar vor der Kontrolle von den Kindern verbalisieren zu lassen, nur um später zu entdecken, dass vier Kinder dennoch konsequent nach dem Punkte klein weiter geschrieben haben.

Da wird die Schrift einer Kollegin – man erinnere sich an die online gestellte, bereits bewertete Klassenarbeit – diskutiert und kritisiert, gar als absolute Zumutung abgetan und im gleichen Atemzug die von der Lehrerin kritisierte Schrift des Kindes zum Himmel gelobt.
Überhaupt: Wie soll das Kind ordentlich schreiben, wenn die Lehrerin zu wenig Platz lässt?

Ich bin sehr froh über diese Vorgehensweise der anscheinend im Selbststudium qualifizierten Menschen, denn sie lehrt mich nicht nur eine angemessenere Punkteverteilung, nein, sie schult meine Sensibilität im Umgang mit Kind und Eltern, etwas, dass alle Menschen besser zu beherrschen zu scheinen als Grundschullehrer an sich.

Ich kann das durchaus verstehen. Zum Beispiel der Zahnarzt. Sagen wir mal, ich bin bisher in meinem Leben geschätzte 100 Mal bei einem Zahnarzt gewesen und das über einen Zeitraum von über 30 Jahren.
Selbstverständlich qualifiziert mich das und ich würde dem netten Herrn auch gerne immer Tipps bezüglich seiner Arbeit geben, zu der ich mich aufgrund der langen Zeitspanne, aber auch wegen der zahlreichen Besuche nahezu ebenfalls hinreichend geschult sehe.
Jetzt ist das gerade mal ein schlechtes Beispiel, denn ich kann dem guten Mann keine Tipps geben, weil mein Mund ja nun immer mit Watte, Saugern und ähnlichen unsympathischen Gedöns zugestopft ist.
Aber die Kassiererin bei Aldi zum Beispiel. Ich gehe wirklich oft genug einkaufen, um ihr Optimierungstipps bezüglich der Schnelligkeit ihrer Kassierversuche zu geben.
 Ich könnte auch dem Bäcker verbal sehr hilfreich zur Seite stehen, denn hin und wieder habe auch ich schon mal einen Kuchen gebacken.

Ja und die Friseuse, mein Gott, klar schneide ich hin und wieder Haare, bestimmt wäre die Dame sehr froh und beglückt würde ich mit meinen weisen, durchdachten und hilfreichen – wenn auch ungebetenen – Ratschlägen mal einen Blick auf ihre Arbeit werfen.

Sonderbar, dass ich bislang nicht das Verlangen gespürt habe, anderen Menschen zu sagen, was sie alles falsch und ich besser machen würde in ihrem Beruf.
Mag sein, es mangelt mir an Zeit, meine Gedanken mit derart Nutzlosem und Anmaßendem zu füllen.
Es kann aber auch daran liegen, dass in unserem Haushalt keine Goldwaage zu finden ist.
Eine Anschaffung über die ich mir noch nie Gedanken gemacht habe. Und das ist auch gut so.

augenBloglich 03.02.2007, 07.02 | (9/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Schere im Socken

Nur mal angenommen, also rein hypothetisch jetzt, nur mal angenommen ich bäte die Kinder meiner Klasse ihre Scheren an den Platz zu holen.
Weiterhin angenommen, ein Kind zöge daraufhin einen verdreckten, alten, stinkenden Socken aus dem Tornister und entnähme diesem Socken nun die geforderte Schere.
Neben dem leichten Schmunzeleffekt, den dieses Szenarium durchaus auf mich hätte, würde ich mich aller Wahrscheinlichkeit fragen, was denn da zu Hause los sein mag.

Nehmen wir nun aber mal an eine Mutter - also jetzt irgendeine Mutter - findet morgens - kurz vor der Schule - im Tornister ihres Kindes einen alten, mehr als dreckigen, speckig-stinkenden Socken.
Diese Mutter also nun zöge angewidert den Socken aus dem Schulranzen und hielte diesen dem Kinde voller Empörung und mehr als entrüstet unter die Nase.
Desweiteren könnte die Mutter ja im strengsten Müttergehorsamton fragen, was dieser olle Socken wohl im Tornister zu suchen habe?

Wir bewegen uns also nach wie vor im schwebenden Raum der Hypothese.
Nehmen wir also weiterhin an, das Kind schaute desinteressiert hoch und antworte mit einem Achselzucken:
"Da ist meine Schere drin. Du hast doch gesagt, ich soll die Schere nicht so in den Tornister stecken und mein Etui kann ich nicht finden!"

Was - so frage ich mich rein angenommenerweise - würde uns dies wohl sagen?




augenBloglich 29.01.2007, 19.30 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich hasse Epiloge!

Ich lese nie wieder ein Buch mit Epilog. Genau das habe ich mir gestern Abend geschworen und genau daran werde ich mich ab sofort halten.

Jedem Buchkauf wird der Blick auf die letzten Seiten vorangehen. Entdecke ich auch nur den kleinsten Ansatz, sozusagen den Hauch eines Epilogs, pfeffere ich das Büchlein weit von mir.

Man erinnere sich, im vergangenen Sommer schon musste ich mich an dieser Stelle hier ein klein wenig über Herrn Schätzing aufregen.
Da lässt der Mann einen seiner durchaus zahlreichen  Protagonisten in eine verflixt teuflische und aussichtslose Lage geraten, bringt die Leser nicht nur zur schieren Mitverzweiflung, nein, lässt sie nägelnknabbernd und sabbernd vor Furcht vergehen, nur um besagten Menschen dann ein klein wenig aus dem Blick zu verlieren und irgendwann nach hunderten Seiten einen kleinen, lapidaren Epilogsatz einfließen.
So nach dem Motto:
Ach ja, da war ja noch der XY, richtig, den hab ich bei den Haien ja ganz vergessen. Ach Gott, ja, aber alles ging gut weil.....

Also das, was Herr Schätzing da getrieben hat, das war ja schon durchaus grausam.
Aber jetzt, jetzt las ich ein Buch von Herrn Paul Carson. "Herzalarm" hieß es und ich weiß nun auch genau warum: Mein Herz raste nonstop. Ich vergaß mich, meine Familie, mein Leben.
Mit dem Buch vor dem Gesicht wandelte ich zwei Tage lang durch die Gegend, ignorierte meine Mitmenschen, vernachlässigte meine hungrigen Kinder, nahm das Buch mit zur Toilette, ins Bett, auf den Balkon, zum Mülleimer....
Das Buch und ich waren sozusagen EINS.
Ich lebte also mit dieser Familie in dem Büchlein. Litt mit ihnen, hoffte mit ihnen, lachte mit ihnen, fieberte für sie. Bibberte um sie, raufte mir die Haare, knabberte meine Nägel, seufzte und zitterte, bangte und hoffte.

Seite um Seite verschlang ich diesen spannungsreichen Thriller, konnte nicht aufhören zu lesen. War wie gebannt.

Und dann das.

Schlimm genug, dass das Buch irgendwann mal ausgelesen und zuende ist. Nein, Herr Carson treibt es auf die Spitze. Er ist - Herrn Schätzing sehr ähnlich - auch so ein oller Epilogschwätzer.

"Ach je, jetzt wollen Sie wohl noch wissen wie es weitergeht?" scheint er seine Leserschaft förmlich zu verhöhnen. "Tja, tut mir Leid. Ich geh jetzt zum Mittag. Machen wir es also kurz. Schreiben wir ein kleines Epilögchen!"

Also liest man kurz und bündig, dass die Mitleidefamilie das Land verlässt und hier und dort neu anfängt.
Das Kind hat psychische Probleme. Ein Baby kommt.
Zack fertig.

Ähhhhh? Epilog, ja?
Es ist eher, als schrieben diese Autoren und schrieben. Schrieben sich in Wallung und Hysterie. In wahre Leidenschaft. Schrieben bis zum ergüsslichen Höhepunkt, nur um sich dann - sehr realitätsnah - umzudrehen, Päuschen zu machen, einzuschlafen.

"Schatz, das schöne Ende denk Dir doch einfach!"

Oder so ähnlich.
Bücher mit Epilog?
Nicht mehr mit mir.


augenBloglich 01.08.2006, 14.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL

der Triangel, das Triangel, die Triangel

Vor vielen Wochen lag auf dem Tisch unseres Lehrerzimmers eine kurze Notiz:

"Wer hat das kleine Triangel?"  stand darauf geschrieben und mir kräuselten sich sämtliche Nacken- und sonstigen Haare.
Besserwisserisch, wie ich nunmal veranlagt bin, rümpfte ich die Nase und fragte bei der Notizverfasserin nach....

"Ich habe extra im Duden nachgeschaut!" wurde mir erklärt und ich war mir sowas von sicher, dass da jemand in die falsche Zeile gerutscht sein musste.
Zeit meines Lebens wurde ich stets und immer mit einer weiblichen Triangel konfrontiert. Natürlich habe ich das nie in Frage gestellt.
Es hieß: die Triangel und fertig.

Nun lehrt mich aber der Duden folgendes:



Scharen von Kindern haben bei mir nun über die Jahre etwas Falsches gelernt. Schande über mich und Asche über mein Haupt.

Und dennoch, ich habe so mein Problem damit zu bitten: "Reichst du mir bitte mal den Triangel!"
Es klingt, obwohl anscheinend deutsch korrekt, in meinen Ohren so gänzlich schauderhaft falsch.
Glücklichweise gibt es ja immer gekonnte, wenn auch weitaus unpräzisere Ausweichmöglichkeiten:
"Reichst du mir bitte mal das dreieckige Instrument dort vorne?"
Problematisch nur dann, wenn das Kind antwortet: "Meinst du die Triangel?"

"DER!",
müsste ich dann sofort verbessern, aber es will mir einfach nicht über die Lippen.

Gut, ich kann damit leben, dass einige Menschen das Nutella vermännlichen. Kein Thema und mir relativ egal. Mit einem männlichen Radiergummi habe ich da weitaus mehr Probleme, aber auch da beuge ich mit letztlich der dudensischen Weisheit und versächliche ihn (DEN Radiergummi) nicht länger.
Nur die Sache mit der Triangel (dem Triangel???) macht mir schwer zu schaffen.

Nun könnte ich das Instrument ja kurzerhand aus dem Unterricht und meinem Sprachschatz verbannen, nur erscheint mir das als wirklich sehr ignorant.

Darum übe ich nun täglich zu Hause.
Wir haben jetzt hier nämlich einen Triangel und unsere Mädel müssen ziemlich viel damit herum hantieren, damit ich lerne 30jähriges Falschwissen zu verbessern.

"Wo liegt der Triangel?" frage ich zum Beispiel und mir wird allein von diesem kurzen Sätzchen sprachübel.
"Spiel doch mal ein paar Töne auf dem Triangel!" fordere ich meine Tochter auf und kann kaum glauben, was ich da sage.

Ich bin eindeutig schwer sprachgestört. Sprachverwirrt. Nahe an einer Sprachdepression.
Da hilft es auch nichts, wenn anderslandige verkünden, dass bei ihnen die Butter der Butter sei.
Und der Joghurt kann rasch mal die Joghurt oder das Joghurt werden......

Nur der Triangel, muss der Triangel bleiben.

Vielleicht ändern die beim Duden das, wenn man eine Umfrage startet:
Wie viele Menschen in Deutschland hätten lieber eine weibliche Triangel?

Also ich, ich wäre dafür.
Aber bitte bald und nicht erst, wenn ich mich ans Umgewöhnen gewöhnt habe.
;-)

augenBloglich 15.04.2006, 19.35 | (11/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

wenn Normales nicht alltäglich ist

Manchmal frage ich mich, bin ich so geworden, weil meine Tochter so ist wie sie ist oder habe ich meine Tochter durch mein Sein so werden lassen?
Viele Dinge in unserem Leben sind nicht so "normal", wie in dem Leben anderer Familien mit anderen Kindern.

Darum sah ich mit großem Bangen Sophias allererster Verabredung entgegen. Ich sah auf die Uhr und dachte daran, dass sie genau jetzt mit der anderen Mama, meiner Freundin, mitgehen würde.
Kurze Zeit später sah ich wieder auf die Uhr und dachte darüber nach, ob sie wohl dort zu Mittag essen würde.
Nur wenige Minuten danach waren meine Gedanken bereits wieder bei ihr und so ging das, bis ich sie am späten Nachmittag abholte.

Wie anders die Verabredungen von Lena.
Kein Blick zur Uhr, keine Gedanken daran, ob sie sich wohlfühlen, ob sie sprechen ob sie spielen wird.

Der Augenblick gestern Nachmittag, als ich in der Tür des anderen Hauses stand und beobachten konnte, wie meine Tochter durch die fremde Wohnung tanzte.
Als ich hörte, dass sie sprach.
Als ich erfuhr, wie "normal" alles gelaufen war.

Es gab bislang wenige Momente, die mich derart anrührten.
Und nun hat sich die kleine Blüte Hoffnung ein klitzeklein wenig geöffnet.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, so wäre es wohl der, meinem Kinde Raum zu geben, sich zu entfalten.
Und alle Zeit der Welt.

augenBloglich 20.12.2005, 18.47 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

metaphorisch

Niemand mag sie, jene neugierigen Zaungäste, die hineilen zu den Orten, an denen Unglücke geschehen sind, nur, um neugierig zu gaffen und zu schauen, was denn da wohl geschehen sein mag.

Natürlich mag auch ich solche Schaulustigen nicht.
Wenn man natürlich ein dickes Schild vor sich her trägt: "Bitte alle mal anhalten und herschauen!"
sollte man sich nicht unbedingt wundern, wenn einige bis viele Menschen sich berufen fühlen genau dieses zu tun.
Und ganz ehrlich, man selber würde auch ganz gerne mal, hier und dort......

Aus diesem Grunde sollte ich es einmal mehr so halten:
Erst denken, dann bloggen.

Und ganz ehrlich, mir gefällt so ein kleines, unscheinbares Blogzuhause - mit wenigen ganz lieben und bekannten Besuchern - doch deutlich besser als eine Bahnhofsdurchgangshalle.


augenBloglich 19.09.2005, 15.44 | (5/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

der Zeitfaktor

Ich glaube, eines der großen Mankos unserer Gesellschaft ist die anscheinend immer und überall fehlende Zeit.
Mir wird das gerade jetzt so furchtbar bewusst, wo klar wird, dass wir ein Kind haben, das vor allem eines braucht - neben ganz viel Liebe natürlich: Zeit.

Dass wir unserem Kind alle Zeit der Welt geben werden - das ist selbstverständlich. Dass unserem Kind dennoch viel zu wenig Zeit bleiben wird - das ist die Realität.
Ein Kind muss mit einem bestimmten Alter gewissen Dinge können, auf bestimmte Dinge in einer ganz gewissen und möglichst standardtisierten Weise reagieren.
Tut es das nicht, gerät es unter Druck.

So zumindest erlebe ich es jetzt, im Kindergarten, im weiteren Bekanntenkreis.
Nicht ausschließlich, aber oft.
Für meinen Geschmack zu oft.

Mich ärgert, dass der Kindergarten Sophia keine Zeit geben will.
Mich ärgert, dass mein Kind dort von Menschen umgeben ist, die kund tun, sie fühlten sich überfordert mit einem Kind, das nicht immer genauso reagiert wie die 24 anderen Kinder der Gruppe.
Mich ärgert, dass so wenig Menschen bereit sind, meinem Kind mehr Zeit zu geben.

Und es macht mir Angst.
Angst für, Angst um Sophia.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, so wünschte ich mir, dass mein Kind von Menschen umgeben sein könnte, die ihm Zeit geben können und möchten und Sophia als das annehmen, was sie ist.

augenBloglich 07.09.2005, 20.01 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

schwierige Kinder

Ich erinnere mich noch sehr genau an jene "schwierigen" Kinder für die ich mich eingesetzt habe, mit denen ich gehofft habe, deren Eltern ich versucht habe, Mut zuzusprechen.
Nun, nicht mit einem Male, aber dennoch plötzlich, kämpfe ich für mein eigenes Kind und hoffe, dass es an Menschen gerät, die bereit sind sich einzusetzen, die mit uns hoffen und bangen und Wegbegleiter werden.

Die Akzeptanz, dass mein Kind anders ist als andere Kinder - zumindest in vielen elementaren Bereichen - habe ich mir in den vergangenen dreieinhalb Jahren bereits mühsam abgerungen. Nun gilt es, richtige Wege zu finden, abzuwägen und zu hoffen.
Im Grunde also nichts weiter zu tun als zu lieben.

Könnte ich meinem Kind all die Schwierigkeiten nehmen, ich täte es mit Freude. Der Gedanke daran, dass mein Kind leiden muss, leidet, Probleme hat, Probleme haben wird, der Gedanke daran ist bitter und tut verdammt weh.
Es ist, als schnitte man mir mit einem Messer mitten ins Herz, hinein in die Seele.

Ich gehe sie durch, die gesamte Zeit mit meinem Kinde. Suche nach Ursachen, frage mich, was wann wie schief gelaufen ist, was ich wann wie falsch gemacht haben könnte, was geschehen ist, dass mein Kind so ist, wie es ist?

Schaue nach vorne und überlege, welche Wege nun die richtigen sind, bin noch unentschlossen und stehe täglich vor diesem Energiebündel Mensch, das mich staunen lässt und lachen, dass mich auf die Palme bringt, aber auch zu Tränen rührt.

Mein Kind ist anders als andere Kinder.
Nicht hier. Nicht zu Hause. Nicht bei uns.
Aber im Kontakt und Umgang mit anderen Menschen, in größeren Gruppen, zu fremden Menschen, im Kindergarten........

Es treibt mich umher, es bereitet mir schlaflose Nächte. Es bestürzt mich und macht mich dennoch stark.
Denn ich liebe dieses Kind, liebe es so, wie es ist, ganz genau so. Und ich werde alles tun, um ihm ein liebevoller und wertvoller Wegbegleiter zu sein!

augenBloglich 03.09.2005, 13.27 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Muttersein ist anders

Bevor ich Mutter geworden bin, war ich eine perfekte und mit festen Grundsätzen behaftete Theoretikermutter. Ich gehörte zu jenen Frauen, die anderen Müttern kritisch zusahen und alles besser wussten, alles anders, alles besser, alles pädagogisch sinnvoller machen würden.
Natürlich würden meine eigenen Kinder später niemals so etwas Hirnloses wie Teletubbies schauen dürfen - dachte ich damals naiv - noch nicht wissend, wie kostbar die 20 Minuten sonntägliche Vormittagsruhe einst für mich sein würden.

Ich hatte auch konkrete Vorstellungen über das Schnullern und Nichtschnullern, das Erziehen überhaupt und das Muttersein in Gänze.

Ich irrte total.
Aber sowas von total.

Muttersein ist anders.
Und Muttersein ist schwierig..

Es fing damit an, dass mit einem Male ein kleines Wesen über mich und meinen Körper bestimmte. Gleichzeitig musste ich beginnen, für zwei Wesen zu denken.
Ich fühlte mich schlagmals fremdbestimmt. Mein Kind hatte Hunger und mein Körper musste zur Stelle sein. Unabhängig davon, ob ich müde war, lustlos, verschlafen, sauer, in Eile oder sonstwas.

Ich musste lernen, meine eigenen Bedürfnisse unterzuordnen. Ich spielte mit einem Male nicht mehr die erste Geige.
Die Gedanken darüber jedoch versetzen mich stets und sofort in eine schuldige Rolle. Mütter hatten doch nicht so zu fühlen, haben nicht so zu denken. Mütter lassen sich gerne fremdbestimmen, Mütter stellen das Wohl ihres Kindes immer über das eigene.
Gute Mütter.

Natürlich wollte und will ich eine gute Mutter sein, aber Muttersein ist irgendwie anders.
Also erfuhr ich, dass ich keineswegs eine perfekte Mutter bin. Dass ich meine Töchter zwar über alles liebe, aber dass ich dennoch nach wie vor Probleme mit dem Gefühl des Fremdbestimmtseins habe.
Dass ich nach wie vor dazu neige, meine eigenen Bedürfnisse gerne mal in den Vordergrund zu rücken. Dass ich nicht so geduldig bin, wie ich es mir gewünscht habe, dass ich vieles vor dem Muttersein gedanklich anders gemacht habe, als ich es, nachdem ich Mutter geworden war, in der Tat dann umsetzte.

Muttersein lässt mich jeden Tag an neue Grenzen stoßen. Ich lerne jeden Tag dazu, lerne aus meinen Fehlern, lerne durch meine Kinder.

Ich bin nicht die perfekte Mutter, die ich gerne gewesen wäre. Aber: Ich habe irgendwie auch nicht die "perfekten" Kinder, die mir in meiner rosa Theoretikerwolke einst vorschwebten.
Funktionierende kleine Wesen, die immer genau das tun, was die Eltern ihnen sagen.

Muttersein ist anders und ich bin froh darüber.
Nichts ist schlimmer als Perfektionismus. Nichts ist unmenschlicher als funktionierende Menschen.
Ich liebe meine Kinder - sie sind perfekt: für mich!

Und wer weiß, vielleicht bin ich ja genau die unperfekte Mutter, die meine Kinder brauchen?

augenBloglich 28.08.2005, 07.01 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25